Worum es eigentlich geht: Eintracht

Beitrag von | 24.August 2017 | Kategorie: Allgemein

Unentschieden gegen Aue, weder gewonnen noch verloren. Selten gab es aber wohl ähnlich intensiv diskutierte Punkteteilungen wie diese. Grund dafür sind viele Grundsatzfragen, die von „Kritikern“ ins Leben gerufen und von unserem Trainer auf der PK nach dem Spiel befeuert wurden.Regionalliga Nord 07/08. Irgendwo in der fußballerischen Obdachlosigkeit taumelte ein Verein, der eigentlich zu Größerem bestimmt war: unsere Eintracht. Am Ende der Saison waren wir kurz davor, den Kampf gegen die Straße zu verlieren. Doch dann kam ein Mann, der alles ändern sollte. Die obdachlose Eintracht fand so etwas wie einen Lotto-Schein mitten auf der Straße und löste ihn dann selbst ein: der Gewinn sitzt bis heute auf unserer Trainerbank. Vorbei war die Zeit, sich am pisswarmen Öttinger erfreuen zu müssen. Sekt statt Selters! Bayern, Dortmund und Derby statt Verl, Emden und Oberhausen.

Dazu muss ich sagen, dass auch diese Spiele ihren Reiz hatten. Man nahm es halt so hin und freute sich wie ein Schneekönig, wenn Eintracht mal gewann. Nun durften wir durch unseren Lottogewinn aber in den letzten Jahren auch mal die Sterneküche Fußball-Deutschlands kennenlernen und sind irgendwie auf den Geschmack gekommen. Viele erwarten mehr, weil sie wissen, was möglich sein kann. Dabei wird vergessen, wie schnell wir uns entwickelt haben. Es wird bei nun fast 10 Jahren Amtszeit unseres Trainers von Stagnation und keiner klar zu erkennenden Entwicklung gesprochen.

Bei zwei Aufstiegen, einem Abstieg und dem letztes Jahr knapp verpassten erneuten Aufstieg in die Beletage, sollten diese Leute morgens nicht vergessen ihren Hund anzuleinen, die Sonnenbrille rauszuholen und sich ihre Blindenbinde um den Arm zu schnallen. Kritik ist wichtig! Natürlich waren wir in Kiel voll neben der Spur und haben gegen Aue teilweise richtig kacke gespielt. Das darf gesagt werden. Aber Kritik muss auch positiv sein. Wir haben mal nicht gegen eine Mannschaft verloren, die ihren Trainer kurz davor über die tschechische Grenze abtransportiert hat, sondern den geforderten Kampf in diesem Spiel angenommen.

In der Liga sind wir ungeschlagen. Fußballerisch haben wir noch ganz viel Luft nach oben, das stimmt. Der Maßstab hierbei sind aber die Leistungen der Mannschaft, die teilweise immer noch noch so auf dem Platz steht. Sicherlich war das von TL mal wieder überemotional auf der PK. Aber er hat den Finger offensichtlich in eine Wunde gelegt, die erst einmal desinfiziert werden muss, bevor sie zuwächst und sich anschließend böse entzündet. Lasst uns mit der Mannschaft zusammen verlieren, gewinnen und unentschieden spielen, statt sie an den Pranger zu stellen.

Ein bisschen mehr Straße täte uns vielleicht mal wieder ganz gut: Weg von der Erwartungshaltung, irgendwas erreichen zu müssen, hin zur Freude über das, worum es uns allen geht: Eintracht auf und neben dem Platz. Denn nur das ist überhaupt die Grundlage, eventuell ein weiteres Mal Legenden bejubeln zu können.

Autor

Moritz Fischer