Wir bringen wieder Farbe ins Spiel, unser Gelb und unser Blau

Beitrag von | 14.Juli 2018 | Kategorie: Lage der Eintracht

Die Stimmung im Team ist gut. Der zukünftig jüngste Kader der 3. Liga scheint hungrig und motiviert zu sein. „Aus den wildesten Fohlen werden die besten Pferde“ lautet ein dänisches Sprichwort. Sollte dem so sein, stünde uns eine ziemlich rosige Zukunft bevor. Die Stimmung im Team gleicht einer unaufgeregten Doku-Soap, in der alle gut drauf sind. So wie GZSZ ohne schlechte Zeiten, denn die haben wir nun endgültig mit dem Abstieg hinter uns gelassen und stehen vor einer spannenden Spielzeit, die man ruhigen Gewissens durchweg positiv angehen kann.

Zugegeben: einige Dinge erscheinen immer noch suspekt. Ein Vorbereitungsstart ohne Mirko Boland, kein Lieberknecht am Spielfeldrand und Berichte über Eintracht auf „liga-drei.de“. An solche Dinge gewöhnt man sich irgendwann, allerdings braucht das seine Zeit. Mehr und mehr bestätigt sich der erste Eindruck einer „Frohnatur“ bei unserem neuen Coach Henrik Pedersen, die wir dringend gebraucht haben. Mit seiner Art hat er es geschafft, dem Verein im schwärzesten Moment der jüngeren Vereinsgeschichte wieder Leben einzuhauchen und ist die Nachfolge unserer Trainer-Legende mit viel Demut, großem Respekt und absoluter Vorfreude angegangen. Das tat dem Verein gut.

Darüber hinaus macht er keinen Hehl aus seinen sportlichen Ambitionen mit dem neu zusammengewürfelten Löwenrudel. Bei der Umfrage des besagten Portals „liga3-online.de“ waren sich alle Trainer einig, dass Braunschweig und Kaiserslautern die besten Karten haben, direkt wieder aufzusteigen. Rüdiger Rehm (Trainer SV W.-Wiesbaden) sieht aufgrund seiner langen, schwarzen Haare nicht nur aus wie eine Frau, sondern bewies bei seiner Stimmenvergabe, dass er sich ähnlich schnell entscheiden kann. Er warf bei drei möglichen Aufsteigern gleich vier Namen ins Rennen. Die Stimmenvergabe unseres Coaches hingegen hat gezeigt, dass er nicht nur dänische, sondern auch ziemlich dicke Eier (dän.: tykke æg) hat. Selbstbewusst gab er als Einziger, den eigenen Verein als Favoriten an und legt damit eine klare Marschroute fest. Das ist nach dem Eiertanz vergangen Jahres ein Mutmacher für zielstrebigeres Auftreten. Am Ende wusste schließlich keiner mehr, was als Saisonziel ausgerufen wurde und wie es letztlich angepasst wurde.

Auch wenn Kaliber wie Valsvik, Abdullahi und der schwedische Nationalstürmer Nyman mit Sicherheit noch wechseln werden, kann man die Mannschaft mittlerweile immerhin glücklicherweise auch als solche bezeichnen, schließlich war das bis vor wenigen Wochen noch ziemlich ungewiss. Die Unklarheiten einiger Vertragssituationen wurden geklärt und Leute wie Bulut, Hofmann oder Tingager konnten vom weiteren Weg überzeugt werden.

Wenn man nun den Spielplan überfliegt, springt einem eine spannende Auswärtstour nach der anderen ins Auge. Der Dauerkartenverkauf zeigt, dass die Kurve nach wie vor in Eintracht zusammensteht. Touren nach Meppen, Jena, Lotte und Osnabrück lassen Fußballherzen höherschlagen. Dort wird der prall gefüllte blau-gelbe Gästeblock wieder Farbe ins Spiel bringen und zeigen, dass dieser Verein nicht in die dritte Liga gehört. Wenn das auch unsere Mannschaft auf den Platz bringt, könnten sogar die Rückfahrten wieder lustig werden. Das steigert den Spaßfaktor aller Schlachtenbummeleien um einiges und sollte für mächtig Vorfreude sorgen.

Wir haben die Ehre, mit dem Heimspiel gegen den KSC die Saison zu eröffnen und könnten die Euphoriewelle nach diesem Spiel mit einem guten Auftritt schon ein wenig zum schwappen bringen, um dann nach Punktgewinn in Rostock, die Hertha im Pokal zu empfangen. Verrückte Geschichten, wie der plötzliche Absturz vergangenes Jahr, schreibt Eintracht gerne. Pokalspiele waren unter Lieberknecht ziemlich mau, der absolute Glaube an eine Sensation hat gefehlt und selbst unterklassige Gegner wie der Bremer SV oder Arminia Bielefeld (2013, 2 Ligen unter uns in Liga 3) machten uns das Leben schwer, in Bielefeld flogen wir sogar in der ersten Runde als Bundesligist aus. Weiter zurückliegende Pokalspiele gegen 95+1 oder den BVB zeigen gleichermaßen, dass ein Pokalspiel bei uns ziemlich unangenehm sein kann und wir bereits gezeigt haben, dass höherklassige Gegner um jeden Zentimeter kämpfen müssen. Vielleicht steht uns diese Außenseiterrolle im Pokal sogar besser.

Bei aller Träumerei sollten wir aber ebenso vor den Eigenarten der Liga gewarnt sein und die ersten Spiele bestenfalls nicht in den Sand setzen. Der verpatzte Saisonstart hat in der abgelaufenen Saison sowohl dem KSC als auch den Würzburger Kickers den Aufstieg gekostet.

Um das zu verhindern, braucht die neu formierte Truppe auf jeden Fall die volle Unterstützung der Fans. Die neuen Jungs sollen spüren, für was für einen großartigen Verein sie spielen und andersherum ihre Aufgabe mit Hingabe und Freude angehen. Das neue Trainerteam kann dann beweisen, ob es in der Lage ist, die Mannschaft auch taktisch erfolgsversprechend auszurichten. Wir gehen, genau wie Pedersen, einfach vom besten aus und freuen uns schon mal richtig den Arsch ab, bald den mutigen Offensivfußball unserer Mannschaft zu bestaunen.

Dritte Liga tut schon weh, scheiß egal Braunschweig olé!

Autor

Moritz Fischer