Thekenexperten: War es das?

Beitrag von | 17.Mai 2015 | Kategorie: Thekenexperten
Thekenexperten

Das war es dann wohl endgültig. So, wie sich die Löwen am 32. Spieltag in Nürnberg ergeben mussten, war mehrheitliche Unzufriedenheit bezüglich der personellen Ausrichtung in diesem Do-or-Die-Spiel – wie es Amerikaner wohl bezeichnet hätten – zu vernehmen. Ein Teil der blau-gelben Anhängerschaft hätte sich vom Trainergespann vielleicht ein Quäntchen mehr Mut erhofft.

Ob der Tabellensituation und der damit verbundenen Sieg-Pflicht ist dies eine mehr als nachvollziehbare Reaktion. „Ich verstehe nicht, warum Pfitzner nicht gespielt hat“, trug mir beispielsweise ein Bekannter zu. „Der hat gegen Frankfurt einen super Eindruck hinterlassen, gute Pässe gespielt, das Spiel zu organisieren versucht. Stattdessen laufen in so einem wichtigen Spiel Theuerkauf und Washausen auf. Washausen hat vorher erst ein einziges Spiel von Anfang an absolviert. Ich weiß nicht, ob man dem Jungen damit einen Gefallen tut“, schwadronierte er weiter.

Über Rotation wurde in dieser Saison bereits reichlich diskutiert. Fakt ist: Gerade auf den zentralen Positionen ist die Rochade-Frequenz einfach zu hoch. Keinem der Akteure ist es möglich, sich einzuspielen, Selbstvertrauen zu sammeln – und somit kann kaum eine Bindung entstehen. Dazu fehlt einfach ein Kreativer, der das Aufbauspiel aus dem defensiven Mittelfeld heraus zu organisieren im Stande ist. Mit der Verpflichtung des Polen Matuschyk konnte diesem Missstand für die neue Saison hoffentlich vorzeitig Abhilfe geschaffen werden – aber dies gilt, so es denn der Fall sein sollte, eben erst für die kommende Spielzeit.

Um das Stichwort Mut noch einmal aufzugreifen: Einen weiteren Kritikpunkt stellt die Offensivausrichtung dar. Zwar hat Nielsen nach wie vor die größte Anzahl an Toren in seiner persönlichen Statistik stehen, dennoch muss man eingestehen, dass er nach seiner Verletzung doch arge Schwierigkeiten hat, sich durchzusetzen und noch immer auf der Suche nach seinem Torriecher scheint. Dagegen befindet sich mit Emil Berggreen ein klassischer Mittelstürmer im Kader, der zuletzt für die meisten Treffer der Eintracht verantwortlich zeichnete, in Nürnberg aber erst eingewechselt wurde, als es bereits beinahe zu spät schien. Klar, es ist immer von Vorteil, einen guten Joker auf der Bank zu haben. Das war auch die Rolle, in welcher der Däne zuletzt glänzen konnte. Nichtsdestotrotz ist Kritik in diese Richtung zumindest nachvollziehbar.

Des Weiteren durfte auch NikOmladic nur zehn Minuten mitwirken. Zwar hat sich der Slowene in den jüngsten Partien kein ganz so gutes Zeugnis mehr verdient, dennoch ist er aktuell der wohl stärkste Spieler der Blau-Gelben, wenn es um Eins-gegen-Eins-Situationenin der Offensive geht, welche den gegnerischen Abwehrriegel in Verlegenheit stürzen können.

Sicher gibt es kein Patentrezept, das bei einer solchen Tabellenkonstellation einen Auswärtssieg garantiert und all dies sind eher „was-wäre-wenn-Gedankenspiele“. Dennoch wäre ein wenig mehr Angriffsmut und ein offeneres Visier wünschenswert gewesen – besonders vor dem Hintergrund, dass es im Aufstiegsrennen eigentlich nichts mehr zu verlieren gab. Verloren wurde nun dennoch … auch wenn theoretisch noch alles möglich scheint.

Autor

Tobias Feuerhahn