Thekenexperten: War das wirklich so schlecht?

Beitrag von | 10.April 2015 | Kategorie: Thekenexperten

Berücksichtigt man die Kommentare eines nicht zu unterschätzenden Anteils von Eintracht-Anhängern im Anschluss an den 2:1-Sieg in Fürth, könnte man den Eindruck erlangen, die Löwen seien eigentlich mit einer herben Klatsche im Gepäck in den Bus Richtung Heimat gestiegen. Sowohl aus den Sozialen Medien als auch aus persönlichen Gesprächen haben sich bei mir Aussagen wie „das war eine peinliche Vorstellung“, „wie kann man sich gegen zehn Mann nur so schwach präsentieren“ oder „mir sind fast die Tränen gekommen“ verankert.

War der Auftritt der Blau-Gelben tatsächlich so schlecht? War die Partie in Fürth wirklich zum heulen? Und kann man als Fan bei einem Spiel in Überzahl per se einen eindeutigen Erfolg erwarten?

Um Forderungen nach dem Verzicht auf die blau-gelbe Brille vorzubeugen: Sicherlich war es kein souveränes Fußballfeuerwerk, das die Eintracht an diesem 27. Spieltag abgeliefert hat und welches die Kleeblätter in Überlegungen über einen Berufswechsel zu stürzen vermochte. Wer auf solche Rasenschachdemonstrationen erpicht ist, sollte aber auch lieber die Spiele von Real Madrid besuchen – aber da wird dann wahrscheinlich die ehrliche Arbeit und die Fußballromantik vermisst. Grund zur Kritik und zur Verbesserung gibt es immer – das ist auch gut so. Trotzdem: Wir sind hier noch immer in der 2. Fußballbundesliga, wo selbst die Mannschaften von der Tabellenspitze nicht gerade zum Zunge schnalzen anregen, wie Spitzenreiter Ingolstadt jüngst an der Hamburger Straße unter Beweis gestellt hat!

Wenn man einzelne Aspekte im Spiel der Löwen heranzieht, sollte auffallen, dass in den letzten Wochen auch durchaus Fortschritte gemacht worden sind. Beispielsweise in der Spieleröffnung. Ich erinnere mich nur zu gut an die Kommentare im Spiel gegen St. Pauli (sowie in diversen vorherigen Partien), die forderten, das ständige Querspielen in der eigenen Viererkette doch endlich einzustellen und stattdessen mal den direkten Weg nach vorne zu suchen. Am vergangenen Wochenende – und auch schon im Aufeinandertreffen mit Ingolstadt – ist in vielen Situationen genau dieser Umstand schon deutlich besser gelöst worden. Vertikale Bälle in die Schnittstellen der gegnerischen Verteidigung werden beispielsweise nicht mehr konsequent verweigert, sondern als Lösung des genannten Problems in das Aufbauspiel integriert. Ohne diese Art der Spieleröffnung wären beide Treffer am Laubenweg nicht möglich gewesen.

Auch wenn der Gegner an diesem Tag über beinahe die gesamte Spielzeit einen Akteur weniger zu Verfügung gehabt hat, muss dieser Umstand nicht zwangsläufig gleichbedeutend mit einem Kantersieg sein, so wie es für mein Empfinden doch einige Braunschweiger zu erwarten schienen. So viel sollte klar sein: Auch mit zehn Spielern ist es noch möglich, stabil zu verteidigen – besonders unter der Prämisse, dass fast ein jeder Trainer in diesem Fall einen offensiven Spieler in die Abwehr beordert.

Wie bereits angedeutet: Der Auftritt der Eintracht soll an dieser Stelle keinesfalls schöngeredet werden. Auch liegt es fern, irgendjemanden zu belehren. Diskussionen und differierende Meinungen verleihen der Fußballkultur erst die nötige Würze und stellen auf gewisse Weise auch eine Art Ventil dar. Nur sollte neben all der Schelte zumindest eine Bereitschaft angestrebt werden, auch Optimierungen zu erkennen, zu honorieren und nicht nur des Meckerns wegen zu meckern.

Autor

Christoph Köchy

Christoph Köchy schrieb die BZ-Kolumnen "Wahre Liebe ist..." und "Der Löwe lebt" und fand, es war an der Zeit für einen Eintracht Fan-Blog.