Thekenexperten: Orhan Ademi

Beitrag von | 15.September 2014 | Kategorie: Thekenexperten

In meinem persönlichen Stadionumfeld gab es am Freitag eine Personalie, die im gesamten zeitlichen Dunstkreis des Flutlichtspiels heiß diskutiert worden ist – nein, die Rede ist nicht von Torsten Lieberknecht. Einer unserer Angreifer stand im Fokus der Debatte. „Wenn Torsten heute den Ademi nicht spielen lässt, verstehe ich die Welt nicht mehr“, verriet mir mein direkter Nachbar vor dem Anpfiff seinen Gemütszustand, bekam von einem Mithörer aber prompt Gegenwind: „Bloß nicht der! Den Blinden braucht kein Mensch.“

Unwissend der durchgesagten Aufstellung rätselte ein weiterer, wer denn der Typ im blau-gelben Trikot ist, der sich da so zielstrebig Richtung Mittelkreis bewegt, nachdem die Mannschaften den Platz betreten hatten und das für das Fernsehen so schön inszenierte Kamerawinken abgehandelt war. „Das ist doch der Ademi – nee, ist er doch nicht. Wer hat denn die 9?“ Kurz erwische ich mich bei der Frage, ob es sich bei dem leicht verwirrten Zuschauer um einen der berühmt-berüchtigten und – gerade in letzter Zeit – häufig thematisierten „Eventzuschauer“ handelt, der jetzt gerade verzweifelt nach seiner Klatschpappe und einer darauf abgedruckten Illustration der Mannschaft mit der passenden Rückennummern-Zuordnung sucht.

Nichtsdestotrotz trifft der Diskurs „Orhan Ademi“ das Zentrum vieler aktueller Diskussionen um die Eintracht. Wer, abgesehen von Nielsen, soll die blau-gelbe Anhängerschaft regelmäßig in Torjubel versetzen? Das der norwegische Torjäger kein so genannter Strafraumstürmer ist und eher mit etwas Anlauf aus der Tiefe Gefahr ausstrahlt, belegt die einfache Observierung seiner Spielweise. Wer also könnte in dieser Spielzeit zum kongenialen Angriffspartner Nielsens avancieren? Oder ist die Variante mit dem mittlerweile vierfachen Torschützen als offensivem Alleinunterhalter doch die Option der Wahl? Oder doch lieber mit zwei relativ ähnlichen Spielertypen (Nielsen und Kruppke) agieren?

Ich persönlich hatte nach der Verpflichtung Nielsens eigentlich das Gefühl, eben dieser könnte gemeinsam mit Ademi ein interessantes und nicht minder gefährliches Angriffstandem bilden. Ein großer Spieler, der lange Bälle verarbeiten, halten und auf die in den Raum stoßende hängende Spitze ablegen kann. So – oder so ähnlich – könnte sich die Offensivabteilung gegenseitig in Szene setzen.

Ohne Sichtbehinderung – der kleine Fahnenschwenker war am Freitagabend abwesend – unterzog ich gerade genannte Kombination einer etwas genaueren Beobachtung. Mein subjektives Fazit: Das Zusammenspiel ist ausbaufähig, meine Blaupause hat aber durchaus Potenzial, wurde von den zwei vorgesehenen Protagonisten mitunter auch schon akzeptabel umgesetzt – auch wenn die Feinabstimmung längst noch nicht passt.

Klar, ein Stürmer wird in erster Linie an seinen Toren gemessen und davon erzielt unsere Nummer 9 noch zu wenige. „Ich weiß nicht, warum der Chancentod da immer noch mitspielen darf“, höre ich aus gewisser Entfernung, nachdem Ademi unmittelbar nach der Führung versäumt, es seinem Sturmpartner gleichzutun und den Ball im Darmstädter Gehäuse unterzubringen. Ja, er hat wieder einige Möglichkeiten liegen lassen und ja, ich schlage mir auch die Hände vorm Geschichte zusammen, wenn der Ball mal wieder an der falschen Seite des Pfostens vorbeirollt. Aber: Der Schweizer erarbeitet sich seine Chancen auch; er strahlt immerhin Gefahr aus. Und irgendwann platzt der Knoten und er wird auch wieder für blau-gelben Jubel sorgen – auch wenn mir manch ein Diskussionspartner vehement widersprechen wird …

Autor

Christoph Köchy

Christoph Köchy schrieb die BZ-Kolumnen "Wahre Liebe ist..." und "Der Löwe lebt" und fand, es war an der Zeit für einen Eintracht Fan-Blog.