Thekenexperten: Hätte, wenn und aber…

Beitrag von | 21.April 2015 | Kategorie: Thekenexperten
Thekenexperten

Wieder einmal liegt eine Woche der Konjunktive hinter der blau-gelben Fangemeinde. Euphorische Gefühle à la „wenn die Anderen jetzt etwas liegen lassen und wir wieder eine Siegesserie starten würden, wäre nach oben vielleicht doch noch etwas möglich“ waberten nach dem Erfolg gegen 1860 München durch die Köpfe. Am Samstag – gegen 14:45 – wichen diese der Nüchternheit des „hätten wir doch in Aalen gewonnen, wären wir ganz nah dran, nachdem die Konkurrenten doch beinahe ausnahmslos für unsere Zwecke gespielt haben.“

All diese Gedankenspiele sind ebenso verständlich wie realistisch. Eine ähnliche Erfolgssträhne, welche die Löwen in der Hinserie mit dem Sieg in München losgetreten hatten und die vier weitere Partien andauerte, hätte die Blau-Gelben tatsächlich noch einmal gefährlich nah an die Aufstiegszone katapultieren können. Aber da ist er schon wieder … dieser Konjunktiv. Zumindest erst einmal blieb der Sprung aus – und vielleicht ist das auch besser so. Denn mal ganz ehrlich: So sehr wir uns alle darüber freuen würden, den Aufstiegstriumphzug wiederholen zu dürfen – wirklich verdient wäre das nicht, oder!? Zu Durchwachsen präsentierte sich die Eintracht im bisherigen Saisonverlauf. Ähnlich ambivalent wie das Auf und Ab der Gedankenspiele der Anhänger in der vergangenen Woche alternierten im sportlichen Bereich seit der Saisoneröffnung Hoffnung erregende Leistungen mit Vorstellungen zum Abgewöhnen.

Manchmal ist es aber auch besser, neuen Schwung zu holen, um erneut nach Höherem zu streben. Ob der Personalsituation, die sich für die kommende Spielzeit anbahnt, bleibt wohl auch gar nichts anderes übrig.

Was am vergangenen Samstag sauer aufstoßen ließ, war die Art und Weise, in der dem abstiegsbedrohten Gastgeber aus Aalen die Punkte überlassen wurden. Wie schon in Bochum leitete Mirko Boland mit einem sehenswerten Abschluss das ein, was im Hinblick auf das Resultat ein sonniger Frühlingsausflug hätte werden können, später aber in allgemeiner Fassungslosigkeit endete.

Ausgerechnet der Akteur, der durch seinen Einsatz und seine gute Antizipation schon so oft im letzten Moment rettend zur Stelle gewesen war, leitete mit seinem Aussetzer die Wende ein. Einem mitspielenden Torhüter passiert eben auch mal ein eklatanter Patzer. Immerhin greifen auch Schlussmänner von Weltklasse gerne mal daneben. Dumm nur, dass solche Fehler meist unmittelbar bestraft werden und daher stärker ins Gewicht fallen als ein verlorener Zweikampf in des Gegners Hälfte. Symbolischer für die Verteidigungs(fehl)leistung war aber das Führungstor des VfR. Keine Zuordnung, kein Zweikampfverhalten und am Ende noch ein Schuss durch die Hosenträger – der Begriff „Hühnerhaufen“ mag den Braunschweiger Abwehrriegel in dieser Situation womöglich annähernd beschreiben.

Ein guter Bekannter sagte nach dem Spiel zu mir: „Naja, dann haben wir jetzt eben noch fünf Freundschaftsspiele und konzentrieren uns dann auf die neue Saison.“ Aber was wäre denn, wenn wir diese fünf Spiele doch allesamt gewinnen würden? Vielleicht wäre es für die Mannschaft ja ganz gut, nun ohne jeglichen Druck agieren zu können!? Da ist er schon wieder – dieser Konjunktiv.

Autor

Christoph Köchy

Christoph Köchy schrieb die BZ-Kolumnen "Wahre Liebe ist..." und "Der Löwe lebt" und fand, es war an der Zeit für einen Eintracht Fan-Blog.