Thekenexperten: Der schönste Platz ist immer an der Theke

Beitrag von | 26.August 2014 | Kategorie: Thekenexperten

Wie angenehm urig sich doch das Ambiente einer klassischen Vereinskneipe darstellt. Als am Sonntag der Anpfiff des Spiels Eintrachts in Kaiserslautern immer näher rückte, befand ich mich noch auf einem der unzähligen Braunschweiger Sportplätze. Einige meiner Freunde waren gerade noch aktiv gewesen – ich selbst wohnte als Zaungast bei.

Da es bereits ein Uhr geschlagen hatte und sich die Alternativen zur Fußballrezeption im direkten Umfeld als eher spärlich erwiesen, entschieden wir uns für das anliegende Sportheim im Nordosten Braunschweigs als Basis.

Das Kneipeninventar, in Form der lokalen Stammkundschaft, schien bereits vollzählig anwesend zu sein – inklusive des Wirts, der, wie sich im Laufe der Zeit herausstellen sollte, nicht zu den aufmerksamsten seiner Zunft zählte.

Also, Platz genommen und die letzten Minuten auf den Anstoß gewartet. Der frühe Treffer durch Dennis Kruppke erwies sich der Bierlaune des anwesenden Publikums als durchaus zuträglich. Es war ja auch bereits Sonntagmittag – da kann man schon das eine oder andere Gerstenkaltgetränk zu sich nehmen. Okay, dachte ich mir, ein oder zwei Bier kannst du schon mittrinken. Mehr wurden es auch nicht, hatten wir, was die Bewirtung betraf, doch einen eher ungünstigen Platz gewählt.

Der Wirt machte sich auf, die Bestellungen aufzunehmen. Etwa sechs oder sieben Biere unterschiedlicher Füllmengen, einige Hefeweizen, ein paar Radler, und wenige alkoholfreie Getränke wurden geordert. „Willst du dir das nicht aufschreiben“, frug einer der Anwesenden. „Nein, nein“, entgegnete der Zapfmeister, „das kann ich mir merken.“ Tatsächlich? Nein, das konnte er nicht.

Etwa zeitgleich mit dem 1:1 kam es zur ersten Getränkelieferung für die durstige Kundschaft – allerdings nur kleckerweise. Jedem abgestellten Glas folgte die Frage: „Was wolltet ihr noch mal trinken?“ Block und Stift waren also wirklich völlig überflüssig. Deutlich schneller gingen die Bestellungen direkt am Tresen, was sich in einem alkoholischen Gemütsgefälle relativ zügig widerspiegelte. Und endlich wurde auch über Fußball gesprochen – auch wenn die Zuordnung der neuen Spieler nach wie vor etwas schwer zu fallen scheint. „Sach ma, den ‚Heggentad’ können wir auch kaufen, oder?“, war von der Theke zu vernehmen. Ohne von seinen Nachbarn eine befriedigende Antwort erhalten zu haben, wandte sich der Gast wieder seinem Bier zu – und das war sicher nicht das erste. Wir warteten dagegen noch immer.

Als wir dann Mitte der ersten Halbzeit endlich auch dran waren, verflachte das Spiel in Kaiserslautern zusehends. In Halbzeit zwei kam dann der Gedanke, ob man jetzt noch einmal etwas bestellt oder es einfach gut sein lässt. Na, wir probieren es einfach noch mal. An der Theke war man mittlerweile auf Martini umgestiegen. Vielleicht war Lakics verwandelter Elfmeter der Grund für die Erhöhung des Alkoholprozentsatzes.

Kurz nach der Einwechslung von Mushaga Bakenga zeigte der Martini auch hörbar seine Wirkung. Mit dem Ausruf „MENSCH, AUFS TOR“ wurde der Kopfballversuch von Eintrachts Nummer 23 quittiert, der leider ins Aus segelte. Ehrlich, was denkt sich der Bakenga? Das Tor steht doch in der Mitte … muss er vielleicht noch lernen. Leider waren die Blau-Gelben nicht mehr in der Lage, die Aufgabe „1.FC Kaiserslautern“ zu lösen. Nachdem das zweite Kaltgetränk etwa 20 Minuten vor Abpfiff unseren Tisch erreicht hatte, war meine persönliche Lehre aber längst gezogen: Der schönste Platz scheint tatsächlich immer an der Theke zu sein.

Autor

Christoph Köchy

Christoph Köchy schrieb die BZ-Kolumnen "Wahre Liebe ist..." und "Der Löwe lebt" und fand, es war an der Zeit für einen Eintracht Fan-Blog.