Thekenexperten: Endlich wieder

Beitrag von | 18.März 2015 | Kategorie: Thekenexperten

Endlich ist es gelungen: Die Löwen haben den ersten Dreier des Jahres 2015 eingefahren. Nicht nur in Sandhausen, sondern auch in dem Vereinsheim, dass ich mir ausgesucht hatte, um das Spiel zu verfolgen, war der Sieg aber mit einigen Komplikationen verbunden.

Vorerst zur Kneipensituation: In den hinteren Reihen der Gastwirtschaft angesiedelt, ist der Blick auf den Bildschirm in der Regel ohnehin eingeschränkt. Noch schlimmer wird es, wenn sich die Tresengäste ganz unaufgeregt genau in dem schmalen Blickkorridor platzieren. Am schlimmsten ist es, wenn auf dem Barhocker eine ältere, robust wirkende Dame Platz nimmt, bei der sich keiner wirklich traut, um etwas Rücksicht auf das Sichtfeld der anderen Gäste zu bitten, sodass aus entspanntem Fußballgucken schnell ein ausgedehntes Oberkörpertraining wird.

In Sandhausen haben die Blau-Gelben eine Weile gebraucht, um die anfängliche Nervosität abzulegen. Schließlich war man ja auch bei einem Team zu Gast, welches sich im neuen Jahr bis dahin noch nicht geschlagen geben musste. Ob der kontrastierenden Situation der Eintracht sei etwas Respekt und Vorsicht deshalb verziehen. Das Spiel entwickelte sich dementsprechend schleppend, was viele Anwesende gar dazu bewegte, die Spannung beim unmittelbar vor der Tür stattfindenden Live-Spiel der zweiten Mannschaft eines kleinen Braunschweiger Vereins zu suchen – besagte Zweite konnte die Begegnung übrigens mit 3:1 für sich entscheiden, was unter den Zuschauern doch für eine Portion Überraschung zu sorgen schien.

Die Zweitligapartie dagegen versprühte – obwohl die Löwen etwas besser ins Spiel kamen – eher den Eindruck eines typischen Unentschieden. „Das wirkt wie ein klassisches 0:0. Die einzige Möglichkeit, wie da noch einer ein Tor machen könnte, wäre eine durch Standardsituation“, erkannte mein Sitznachbar. Stimmt, dachte ich, den Anschein hatteich tatsächlich auch – und da Standards in letzter Zeit ja zu unseren ganz großen Stärken gezählt haben … naja, lassen wir das.

Natürlich kam es, wie es kommen musste, als Nik Omladic per direktem Freistoß für den Siegtreffer sorgte. „Das war doch der erste direkte Freistoßtreffer seit Vrancic in Ingolstadt, oder!?“, konnte einer der Gäste kaum fassen, wovon er gerade Zeuge geworden war.

Damit bleibt eigentlich nicht mehr viel zu sagen, zum Auswärtserfolg in Sandhausen. Endlich sind wir im Jahr 2015 nicht mehr sieglos. Endlich mal wieder ein Tor nach einem ruhenden Ball. Achso, eine Sache gibt es vielleicht doch noch: So langsam ist uns der Fußballgott mal wieder einen Elfmeter schuldig. Wie der Schiedsrichter auf Schwalbe entscheiden konnte, nachdem Ryu im Strafraum der Gastgeber zu Fall gebracht worden war, hatte im Vereinsheim erst für lautstarke Aufregung und anschließend für dicke Fragezeichen gesorgt. Ich persönlich habe mich sofort an eine Szene aus der letzten Saison erinnert gefühlt, in der derSchalkerAogo eine Braunschweiger Flanke im Sechzehner abblockte – mit weit ausgestrecktem Oberarm, als wollte er seine Tragflächen zum Landeanflug vorbereiten. Auch damals blieb die Pfeife stumm und das ist lediglich die erste, vom Unparteiischen übersehene, elfmeterreife Situation, die mir in den Sinn kommt.

Aber was soll es, Hauptsache gewonnen. Und nächste Woche kommt nun Ingolstadt an die Hamburger Straße. Vielleicht darf Vrancic dann ja wieder von Anfang an spielen – wenigstens aus Nostalgiegründen.

Autor

Christoph Köchy

Christoph Köchy schrieb die BZ-Kolumnen "Wahre Liebe ist..." und "Der Löwe lebt" und fand, es war an der Zeit für einen Eintracht Fan-Blog.