Thekenexperten: Der Neue(r) von Braunschweig

Beitrag von | 06.Oktober 2014 | Kategorie: Thekenexperten

Im Anschluss an den Sieg über Sandhausen äußerte ein Gesprächspartner mir gegenüber folgende Worte: „Worüber ich mich besonders freue, ist der neue Torwart. Mit dem hätten wir letzte Saison vielleicht auch eine Chance gehabt.“ Gemeint war in erster Linie die gute Spielanlage und Antizipationsfähigkeit unseres neuen Schlussmanns. Dass die Verpflichtung Gikiewiczs eine klare Verbesserung zwischen den Pfosten mit sich brachte, ist wohl selbst dem berühmten Blinden mit Krückstock nicht unverborgen geblieben – und zwar nicht nur im Spiel gegen Sandhausen. Trotzdem verliehen die oben genannten Worte dem bisherigen Eindruck weiteren Nachdruck, kamen sie doch von jemandem, der selbst lange und auf hohem Niveau den Kasten sauber hielt – der Urheber des Zitats wurde in den Siebzigerjahren mit dem Löwennachwuchs Dritter bei den deutschen A-Jugendmeisterschaften, hütete später in Übersee an der Seite von Fußballgiganten wie Franz Beckenbauer das Tor.

Der Vergleich zur Torwartsituation der Vorsaison ist leicht gezogen: Statt zögerlichem Herauslaufen und klaren Unsicherheiten bei hohen Hereingaben der gegnerischen Offensivabteilung bringt der „Neue“ jene Attribute auf den Platz, die nicht zuletzt Topvertreter der Torhüterzunft wie Manuel Neuer auszeichnen. Er spielt eben mit, mimt mitunter den Abräumer in Liberomanier, wenn seine Verteidiger geschlagen scheinen. Er ist aufmerksam, mutig und traut sich auch den Schritt aus dem Strafraum heraus, um seine Vorderleute zu unterstützen. Okay, gewisse Ähnlichkeiten lassen sich eventuell bei den Abschlägen ausfindig machen, aber das sei an dieser Stelle geschenkt.

rafal-gikiewiczDoch bei aller ausgewiesenen Klasse geht diese moderne Positionsinterpretation eben auch manchmal nach hinten los. Auch ein Manuel Neuer tritt bei seinen Ausflügen aus dem Strafraum gerne mal daneben und muss im Nachgang einiges an Spott über sich ergehen lassen. Um Missverständnissen vorzubeugen: Abgesehen von einigen wenigen Ausbrüchen á la „Was machst du denn da, Gikiewicz“ – die im Zuge der Aufregung eines mitfühlenden Fans während der Spielbeobachtung durchaus dazugehören – habe ich während und nach der Niederlage in Ingolstadt nur wenig in Richtung unseres Torhüters gerichtete Kritik vernommen.

Ich bin mir sicher, die größten Vorwürfe macht sich der 26-jährige Pole selbst. Wie gesagt: Dieser Hang zur Risikobereitschaft geht eben auch ab und an in die Hose – noch deutlich öfter hat er uns aber schon jetzt vor größerer Gefahr bewahrt. Ich jedenfalls schließe mich dem Gesagten an und bin mir sicher, Gikiewicz wird uns auch weiterhin Gründe zur Freude über ihn als neuen Torhüter geben.

Autor

Christoph Köchy

Christoph Köchy schrieb die BZ-Kolumnen "Wahre Liebe ist..." und "Der Löwe lebt" und fand, es war an der Zeit für einen Eintracht Fan-Blog.