Thekenexperten: Der falsche Fuß

Beitrag von | 29.September 2014 | Kategorie: Thekenexperten

In der biergenährten Post-Spielanalyse ging es am Freitagabend hauptsächlich um Stand- und Schussbeine sowie um falsche Füße. Eine derartige Diskussion hat wohl jeder Fußballbegeisterte schon zuvor geführt: „Warum schießt der nicht mit dem anderen Fuß?“ – „Wenn er den mit links nimmt, dann klingelt es.“ – „Der hat sein rechtes Bein auch nur, damit er nicht umfällt.“ Man denke dabei an Fußballkoryphäen wie Arjen Robben, die, mit einem zweiten starken Fuß ausgestattet, in ihrem Offensivdrang wohl völlig unaufhaltbar wären.

Befeuert wurde die Debatte durch die beiden Fehltritte von Benni Kessel und Hendrik Zuck. Wer die Situationen nicht mehr vor Augen hat, hier eine kurze Auffrischung: Kessel hatte in der ersten Hälfte schon früher die Möglichkeit, die Blau-Gelben in Führung zu schießen. Eine flache Flanke verpasste er aber um Haaresbreite… und zwar weil er beim Eingrätschen den rechten Fuß hinhielt, anstatt den von der rechten Seite kommenden Pass mit links in Richtung Tor abzufälschen.

Zuck dagegen sorgte im zweiten Durchgang für eine astreine Rückgabe zum Sandhäuser Schlussmann. Vom linken Flügel war er bedient worden, aus Angst vor einer Direktabnahme mit seinem „schwachen Rechten“ drehte er ein und schob den Ball mit der linken Innenseite mustergültig zum Torwart, der – ob des torhüterfreundlichen Abschlusses – Grund gehabt hätte, sich für diesen „Schussversuch“ zu bedanken.

Sollten Fußballprofis nicht in der Lage sein, auch mit dem vernachlässigten Arbeitswerkzeug zumindest einen Gefahr suggerierenden Abschluss anzubieten? Die Diskussionsrunde ist einhellig der Meinung: Ja, auch Zweitligaspieler müssten für ihr zweites Bein eine Nutzungsmöglichkeit finden, die über das bloße stehen und laufen hinausgeht. Die Fähigkeit solle nach Möglichkeit flanken und/oder schießen beinhalten – eine Forderung, die für Fußballprofis der zweithöchsten deutschen Spielklasse nicht zu hoch gegriffen scheint.

Von ein paar Alt-Einträchtlern gab es auch prompt Tipps zur Verbesserung: „Trainieren die so etwas nicht? Bei Branko Zebec hätten die damals eine Woche lang nur mit dem schwachen Fuß gespielt – Kessel mit links und Zuck mit rechts. Und jedes Mal, wenn sie zum Abschluss den falschen genommen hätten, wären 50 Mark für die Mannschaftskasse fällig gewesen.“

Aber lernfähig sind unsere Löwen ja in dieser Hinsicht. Mirko Boland beispielsweise hielt gegen Bochum einfach mal mit rechts drauf – und konnte, seinem Jubel nach zu urteilen, kaum fassen, dass er dafür belohnt worden war. Und auch Kessel hat seinen Fehltritt gegen Sandhausen ja kurze Zeit später wieder bereinigt. Vielleicht war er auch nur mit dem falschen Fuß aufgestanden und musste erst die letzte Restmüdigkeit ausschütteln…

Autor

Christoph Köchy

Christoph Köchy schrieb die BZ-Kolumnen "Wahre Liebe ist..." und "Der Löwe lebt" und fand, es war an der Zeit für einen Eintracht Fan-Blog.