Thekenexperten: Da war mehr drin

Beitrag von | 23.März 2015 | Kategorie: Thekenexperten

Für die Zuschauer mag das ein 0:0 der besseren Sorte gewesen sein – trotzdem wäre für die Eintracht am Samstag mehr drin gewesen. An, sagen wir, brauchbaren Chancen hat es definitiv nicht gemangelt.

Endlich mal wieder gegen eine Mannschaft von ganz oben punkten, hieß die Marschroute, die Torsten Lieberknecht unter der Woche ausgegeben hatte – und das am besten dreifach. Mit dem FC Ingolstadt präsentierte sich ein Spitzenreiter an der Hamburger Straße, dessen Rhythmus in den letzten Wochen merklich etwas verloren gegangen war und der nicht nur aufgrund der handgezählten 150 mitgereisten Fans seine Bundesligatauglichkeit nur vermuten ließ. Aber das soll an dieser Stelle nicht das unsere Problem sein.

Die beiden dicksten Einschussmöglichkeiten hatten in jedem Fall die Blau-Gelben – genauer gesagt Hendrick Zuck. Der 24-Jährige hatte gleich zwei Riesenmöglichkeiten, um seine vielen Einsatzminuten endlich mal mit etwas Zählbarem zu legitimieren. Beide Male versagten die Nerven. Einzig der Darmstädter Stroh-Engel war an diesem Zweitligaspieltag dem Jubel wohl schon näher, als er aus etwa vier Metern das leere Tor verfehlte.

Zu einem Großteil der Zeit wurde die Aufmerksamkeit der über 20.000 Anwesenden aber dem Gespann der Unparteiischen zuteil, sodass vergebene Großchancen mitunter etwas in den Hintergrund rückten. Der „Schieber“ saß relativ locker im Eintracht-Stadion. Grund dafür: Das Aufeinandertreffen war in vielen Momenten geprägt von Härte, die ein Schiedsrichter zuließ, der wohl noch jetzt gemeinsam mit seinen Assistenten im Prinzenpark nach seiner Linie suchen dürfte.

Während der obligatorischen Nachbesprechung bei frisch gezapften Gerstenkaltschalen bekam besonders Benjamin Kessel anerkennendes Lob zugesprochen. „Der Kessel hat ein sehr gutes Spiel gemacht. Der hat oftmals im richtigen Moment gut aufgepasst. Und außerdem hat der heute ordentlich einstecken müssen“, hieß es bei der Thekenprominenz.

Anders verhielt es sich mit der Zufriedenheit über die Aufstellung: „Lieberknecht lässt viele Spieler einfach nicht auf ihrer starken Position spielen.“ Gemeint war in erster Linie die Positionierung Nik Omladics: „Der ist auf der rechten Seite eine echte Waffe. Besonders in Kombination mit Hedenstad. Stattdessen darf der Zuck jetzt auf rechts spielen. Und Hedenstad im defensiven Mittelfeld … in dieser Rolle kam von dem keine einzige konstruktive Aktion.“ Ich muss an dieser Stelle zugeben, dass ich diese Meinung absolut nachvollziehen kann. Zu viel Rotation kann das Selbstvertrauen stören und lässt die Akteure nur schwer zu ihrem Rhythmus finden. Ausnahmen bilden natürlich verletzungsbedingte Wechsel.

Abschließend sei noch ein weiterer Stadiongänger zitiert, der auf dem Weg aus dem Stadion in bester Phrasenschwein-Manier resümierte: „Am Schiedsrichter hat es heute nicht gelegen. Wir hatten unsere Chancen, um hier zu gewinnen.“ Recht hat er. Trotz der Schiedsrichterentscheidungen und der neuerlich rochierten Aufstellung war ein Sieg durchaus im Bereich des Möglichen. Und ein Heimsieg ist doch allemal erfreulicher als ein schön anzusehendes 0:0.

Autor

Christoph Köchy

Christoph Köchy schrieb die BZ-Kolumnen "Wahre Liebe ist..." und "Der Löwe lebt" und fand, es war an der Zeit für einen Eintracht Fan-Blog.