Schwedische Qualität gegen die Verunsicherung die

Beitrag von | 26.November 2018 | Kategorie: Lage der Eintracht

Da haben wir vor zwei Wochen ja schon wieder fast gewonnen und am Ende leider doch erneut verloren. Dass der Weg in die Europa League steinig ist, war uns allen vor der Saison klar. Jedoch konnte man nicht ahnen, dass wir den 55 anderen Mannschaften, die in den ersten drei deutschen Profiligen mittlerweile vor uns stehen, so viel Vorsprung gewähren. Wieder präsentierte sich unser Team gegen Uerdingen als äußerst gastfreundlich und ließ sich nicht lumpen, die beiden Geschenke zum Tore schießen, mit Schleife zu verpacken.

Zunächst war es Becker, der wie gestochen nach vorne rannteund dem erst nach seinem Ballverlust wieder eingefallen ist, dass er ja eigentlich als Rechtsverteidiger aufgestellt wurde. Auch der Rest des Defensivverbunds schien in dieser Situation gedanklich ganz woanders und konnte wie so oft keinen Druck auf den Ball ausüben. 0:1.

Danach war es dann Vertretungskapitän Felix Burmeister, der eigentlich selbst auf das Tor von Lukas Kruse schießen wollte, sich in Anbetracht der weiten Distanz dann aber doch für einen perfekt getimten Steilpass in den Lauf von Ali Ibrahimaj entschieden hat, der den Ball dankend im Netz unterbrachte. 0:2.

Philip Hofmann schoss anschließend einen Elfmeter, für den jeder 46-jährige Kreisliga-Stürmer unverzüglich ausgewechselt worden wäre. Drei Minuten später pustete David Sauerland dann auch noch unsportlicherweise den Krefelder Sechser Tanju Öztürk an, der mit so viel Gegenwind im Eintracht-Stadion einfach nicht gerechnet hat undanschließend böse aufs Steißbein fiel. Gute Besserung nochmal an dieser Stelle. Das Spiel war spätestens zu diesem Zeitpunkt endgültig gegen uns gelaufen.

Schubert betonte nach dem Spiel, dass er mit der Defensivleistung „bis auf wenige Aussetzer“ insgesamt zufrieden gewesen sei. Dieser Aussage kann man nichtkomplett widersprechen, da sich Uerdingen tatsächlich keine Chance herausgespielt hat. Allerdings wirft sie auch eine ziemlich grundsätzliche Frage auf: Was ist eine zufrieden stellende Leistung?

Die Mannschaft hat unter Pedersen und jetzt auch unter Schubert wirklich gute Ansätze gezeigt. Man denke nur an das Spiel gegen Osnabrück, die druckvolle Anfangsphase in Großaspach oder zuletzt an die erste halbe Stunde gegen den KFC Uerdingen. Die Chance, sich auf lange Sicht von unten abzusetzen, besteht darin, über mehrere Spiele zu punkten.

Damit das gelingt, dürfen die einzelnen Phasen während eines Spiels aber weniger auseinander klaffen, sodass unsere Jungs erstmal innerhalb der neunzig Minuten konstanter auftreten. Bis zum Gegentor sieht das zwar immer ganz nett aus, sobald es dann aber wieder zum Rückschlag kommt, erholt sich die Truppe nicht davon. So war es auch in Großaspach im Auswärtsspiel zuvor. Sogar unter Pedersen in seinem Schicksalsspiel gegen Lotte, das ihm letztlich seinen Jobkostete, nach dem 1:2 ebenfalls. Nur gegen Osnabrück machte die Mannschaft nach jedem Gegentor einfach munter weiter und es gelang ihr, der besten Abwehrreihe der Liga drei Tore einzuschenken. Insgesamt fingen wir trotzdem selber vier satte Kirschen und gingen wieder mit leeren Händen vom Platz.Das wirft die nächste Grundsatzfrage auf: Sind diese individuellen Totalaussetzer der mangelnden Qualität oder dem Kopf zuzuschreiben?

Ein großer Hoffnungsschimmer ist natürlich die Rückkehrunseres schwedischen Knipsers Christoffer Nyman, vielleicht sogar in die Startelf. Man konnte bei seinem Kurzeinsatz zuletzt schon erkennen, dass dieser Mann eigentlich viel zu gut ist für die dritte Liga. Obwohl der Zeitpunkt der Einwechslung, als wir bereits mit zwei Toren zurücklagen, für ihn sicherlich ziemlich undankbar war, zeigte er ansatzweise schon seine Qualität, was auch Stefan Krämer nach dem Spiel beeindruckte.

Die Verunsicherung innerhalb der Mannschaft hat auch unser neuer Mann an der Seitenlinie nicht aus den Köpfen herausbekommen. Das hat spätestens der letzte Heimauftritt gezeigt. Trotzdem war Blau-Gelb in der ersten halben Stundeerneut besser als die nominell stärker aufgestellten Krefelder und erst das Gegentor brachte uns auf die Verliererstraße.Mittlerweile wird unserem Löwenrudel grundsätzlich die Qualität abgesprochen, etwas reißen zu können und einige sprechen schon von einem „Wunder“, wenn wir die Klasse doch noch halten sollten. Das ist völliger Unfug, denn die Saison ist noch lang.

Nun kommt mit Nyman einer zurück, der der Mannschaft Halt geben kann. Klar ist aber natürlich auch, dass er Preußen Münster nicht alleine aus dem Stadion schießen kann. Vielleicht ist er aber genau der Faktor, der für ein positives Endergebnis am Montagabend sorgt, da er der Mannschaft in Phasen der Hektik genau die Ruhe gibt, die sie benötigt. Über seine Torgefährlichkeit darüber hinaus brauchen wir nicht zu diskutieren, die hat er in den letzten Jahren bewiesen. Damit stellt sich aber die nächste Grundsatzfrage: Kann noch mehr Qualität ein Mittel gegen das Kopfproblem sein?

Wenn es dort oben also einen Fußballgott gibt, dann meint der es mit uns zurzeit nicht gut. Um aber alle zu beruhigen, den gibt es laut Wikipedia nicht. Dort steht nämlich:

„Gerade weil es im Fußball öfters zu knappen und unerwarteten Siegen oder Niederlagen kommt, sehen sich Sportmoderatoren, Trainer, Spieler, Club-Verantwortliche und Fans in der Kürze der Zeit in Erklärungsnot und schieben die Verantwortung für den Spielausgang unter anderem dem Fußballgott zu.“

Da diese Ausrede nun anscheinend auch nicht gilt, liegt es mal wieder an der Mannschaft beziehungsweise die Wahrheit am Montagabend im Preußenstadion auf’m Platz. Nur Siege können wieder ein wenig Ruhe einkehren lassen und die haben wir bitter nötig. Kein Druck, aber Totte wird’s schon regeln.

Braunschweig gibt nicht auf!

Autor

Moritz Fischer