Pokalpause: Nachtreten, durchatmen, weitermachen

Beitrag von | 11.August 2019 | Kategorie: Lage der Eintracht

An diesem Wochenende wird der DFB-Pokal gespielt, wofür sich die Hälfte der Drittligisten größtenteils über die jeweiligen Landespokale qualifiziert hat. Unsere Eintracht gehört nicht dazu, weil sie eben dort frühzeitig ausschied, da leider auch das Duell gegen den SV Drochtersen/Assel in die Amtszeit unseres ehemaligen Trainers Henrik Pedersen fiel. Man kann mit den Spieltagsansetzungen auch schließlich nicht immer Glück haben.

Positiver Nebeneffekt im Nachhinein war dann aber sicherlich, dass seine Gnadenfrist nicht über das darauf folgende 2:2-Unentschieden zu Hause gegen die Sportfreunde Lotte in allerletzter Minute hinausging, wozu neben der ernüchternden Niederlage eine Woche zuvor in Meppen auch das Ausscheiden im Niedersachsenpokal unter der Woche beitrug und Pedersen letztendlich, wobei die Betonung auf endlich liegt, entlassen wurde.

Seit dem 20.06. diesen Jahres ist der Däne nun Trainer bei Strømsgodset IF in Norwegen und hat auch diesen Verein nach einem satten Punkt aus fünf Spielen sensationell auf den letzten Tabellenplatz geführt, obwohl er die Mannschaft nicht mal selbst zusammengestellt hat.

Das bringt uns herzlich wenig und ändert auch nichts daran, dass eben nicht Eintracht Braunschweig sondern Drochtersen/Assel vor ausverkauftem Haus gegen Schalke 04 spielt. Wenn man sich nun aber die Situation vor zehn Monaten vor Augen führt und sieht, wo unser Verein heute steht, verfliegt der Unmut relativ schnell.

Eintracht steht tabellarisch auf einem ordentlichen Rang vier, in Schlagdistanz auf die Aufstiegsplätze und hat drei der insgesamt vier Spiele unter Neu-Coach Christian Flüthmann gewonnen. Selbst wenn die Mannschaft auf dem letzten Platz stünde, wäre das immer noch in jedem Fall besser als die Tabellenführung in der Regionalliga Nord, sodass nach dem Herzschlagfinale der vergangenen Saison zunächst kein klares Saisonziel ausgegeben wurde.

Mit dieser Bescheidenheit ging es also in die neue Spielzeit und alle wollten weniger reden und mehr machen, denn an dem umgekehrten Modell (viel reden, wenig machen) hat sich bereits unser dänischer Ex-Coach versucht. Aus einer Bierlaune heraus und nach zwei bis drei Kurzen „Aquavit“ über den Durst nannte er als Einziger aller Drittliga-Trainer gegenüber liga3-online offensiv den eigenen Verein als Aufstiegsavoriten. Das Ende ist bekannt.

Wie an dieser nun anderen Herangehensweise als auch an zahlreichen, bereits in der letzten Saison getroffenen Entscheidungen der Verantwortlichen merkt man, dass im Verein ein Lernprozess stattfindet. Diese überlegten Entschlüsse machen sich im Punktestand bemerkbar und sorgen dafür, dass man der Zukunft unseres Vereins wieder optimistisch entgegenblicken kann. Es ist wieder Ruhe eingekehrt.

Auf der anderen Seite muss man sich nichts vormachen und kann gerade an den Verpflichtungen von Kobylanski und Proschwitz im diesjährigen Sommer indirekt ablesen, was hinter den Türen gemunkelt wird. Natürlich muss es mit diesem Kader das Ziel sein, aufzusteigen aber nichtsdestotrotz ist es der richtige Weg, nach dem letztjährigen Totalausfall erstmal kleine Brötchen zu backen.

Man sieht nicht nur bei uns sondern auch beim TSV 1860 München, beim KFC Uerdingen oder dem 1. FC Kaiserslautern, wo die Investoren gerne mal von der Champions League sprechen, dass irgendwelche rausposaunten Parolen in den meisten Fällen gar nichts zu bedeuten haben und vorallem sportlich nicht weiterhelfen, meistens bewirken sie eher das Gegenteil.

Für die kommenden 34 Spiele hat unsere Mannschaft trotz der bisher erfolgreichen Punkteausbeute noch viel Luft nach oben. Unsere beiden Auswärtsspiele spielten wir beide souverän herunter, wobei uns zu Gute kam, dass sich sowohl der Club aus Magdeburg als auch der immer noch punktlose FC Carl Zeiss Jena nach beachtlichem Umbruch immer noch in der Selbstfindungsphase befinden und uns nicht wirklich ernsthaft gefordert haben. Jena brachte nicht einen gefährlichen Ball aufs Tor und Magdeburg profitierte von zwei Geschenken unserer Defensive.

Das erste Heimspiel gegen Sechzig haben wir dann ebenfalls gewonnen, hätten uns nach dem Spielverlauf aber auch über einen Punkt nicht beschweren können. Gegen Duisburg wurden uns dann zum ersten Mal so richtig die Grenzen aufgzeigt und die einzige kleinere Kampfansage, die öffentlich seitens der Mannschaft nach außen kommuniziert wurde, dass wir nun eine „Heimmacht“ werden wollen, verpuffte relativ schnell.

Ein Blick in der Tabelle nach oben zeigt, dass Ingolstadt bereits in der Liga angekommen ist, Lieberknecht seine Zebras (eindrucks-)voll im Griff hat und beim Halleschen FC unter Torsten Ziegner weiterhin attraktiver ‚Öffensivfüßball‘ gespielt wird. Auch unter uns tummeln sich mit Rostock, Magdeburg, Würzburg oder dem 1. FC Kaiserslautern einige Mannschaften, die ebenfalls berechtigte Aufstiegshoffnungen haben. Es wird also nicht einfacher.

Wenn wir also schon die ganze Liga verarschen und für uns behalten, dass wir natürlich aufsteigen wollen, sollten wir in der Tat gerade zu Hause so schnell wie möglich ein anderes Gesicht zeigen, um das Ziel dann auch still und heimlich zu erreichen. Denn bei aller eingekehrten Ruhe vergessen wir nicht, in welcher Liga unsere Zweite dieses Jahr antritt, dass unser Scout Dirk Fischer erst kürzlich entlassen wurde und bei einer weiteren Spielzeit in der Drittklassigkeit kaum mehr Mitarbeiter eingestellt werden, geschweige denn nochmal so Granaten wie dieses Jahr geholt werden könnten. Im Gegenteil.

Fakt ist, dass wir an diesem Wochenende nicht aus dem Pokal fliegen werden und somit das Recht haben, uns über jeden Favoriten lustig zu machen, der sich eben doch blamiert. Danach wartet auf dem Betze dann der nächste Brocken auf unsere Truppe, die dann aber wieder das Gesicht der ersten drei Spieltage zeigt und somit gute Chancen hat, einen Punkt oder mehr nach Braunschweig zu entführen.

Es kommt auf den Auftritt an, der gegen den MSV Duisburg zuletzt sollte eine absolute Ausnahme sein und hat ein Stück weit an die Zeit unter Henrik Pedersen erinnert, dem wir an dieser Stelle natürlich abschließend nichts anderes als die Weltherrschaft mit Strømsgodset IF wünschen.

Da die Begriffe ‚Eintracht‘ und ‚Heimmacht‘ derzeit ähnlich zusammenpassen wie ‚VW-Arena‘ und ‚ausverkauft‘,  sollte das kurzfristige Ziel vielleicht erstmal „Wir wollen uns in jedem Heimspiel zerreißen“ lauten. Dadurch würde der Erfolg von ganz alleine kommen und der Mannschaft wäre selbst im Falle einer Niederlage nichts vorzuwerfen, wenn sie ihr Ziel erreicht. Nun haben die Jungs bereits in Lautern die Gelegenheit eine Reaktion zu zeigen und werden die „roten Teufel“ beim Schopfe packen.

Blau-Gelb stürmt voran!

Autor

Moritz Fischer