Mach dich schick, LieBSte

Beitrag von | 13.September 2018 | Kategorie: Lage der Eintracht

Seit meinem letzten Bericht ist Einiges passiert. Inhaltlich ging es damals vor dem 3:3-Unentschieden in Wiesbaden darum, wie lange der blau-gelbe Geduldsfaden noch hält. Dem verschenkten Sieg in der hessischen Landeshauptstadt hielt er noch stand, genau wie dem Pokalaus gegen die alte Dame aus Berlin, die übrigens genau wie solche gespielt hat. Die anschließenden beiden Spiele gingen gegen Fortuna Köln und Unterhaching in Summe mit 0:5 verloren und die Kacke ist mittlerweile richtig am Dampfen.

Wir sind das einmal im Jahr stattfindende Schützenfest jedes Dorfes, die Kirsche auf der Sahnehaube bzw. das Salz in der Suppe. Anders gesagt: Eintracht Braunschweig ist das im Abstiegssumpf versunkene Supermodel der dritten Liga. Der BTSV bringt wieder Schwung in die eingestaubten, senilen Drittliga-Hüften und sorgt mit seiner lebendigen Art für ordentlich Stimmung. Zumindest neben dem Platz. Denn Eintracht ist, um das sprachbildlich gerade zu rücken, ein seit Jahren eingespieltes Ehepaar, bestehend aus dem Fußball, den die Mannschaft spielt und dem was drum herum passiert.

Drumherum passiert ziemlich viel, auf dem Platz leider recht wenig. Nach etlichen Jahren rosaroter Leichtigkeit ist nun der Punkt erreicht, an dem sich unsere LieBSte zum ersten Mal so richtig gehen lässt und mehr denn je unsere Unterstützung braucht. Dafür benötigt es aber zumindest den guten Willen und der war zuletzt weder gegen die Fortuna aus Köln noch gegen Haching bei der Mannschaft zu erkennen. Der Rausschmiss unseres sportlichen Leiters Marc Arnold zwischen diesen beiden Spielen hat dafür aber so richtig gezündet, sodass wir im Münchener Vorort Unterhaching nur 3 Dinger kassiert haben. Da kann man vom typischen „Manager-Effekt“ reden. Wer weiß, wie viel Kirschen wir sonst bekommen hätten.

Bei allem Sarkasmus: diese nicht erstmalig auftretenden Auflösungserscheinungen tun dem Eintracht-Herz beim Zusehen weh. Es kratzt an der Ehre, wenn man Woche für Woche so einen blau-gelben Hühnerhaufen rumeiern sieht, anschließend auf die Tabelle der dritten Liga guckt und sich schlussendlich ganz unten wieder findet.

Die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt ist vor jeder Länderspielpause obligatorisch. Bei einem Sieg oder gar einem Lauf davor will man natürlich an die guten Leistungen anknüpfen und direkt weiter Punkte sammeln. Auch ein Negativerlebnis kann der Grund dafür sein, dass man mit der Ansetzung unzufrieden ist, da man die Niederlage(n) zwei Wochen nicht ausbügeln kann. In Anbetracht unseres Saisonstarts wird Henrik Pedersen der vielleicht Glücklichste aller Profitrainer in Deutschland gewesen sein, um zwei Wochen mit der Mannschaft richtig zu malochen und sie in dänischer Seelenruhe auf das Spiel gegen Carl Zeiss Jena einzustellen.

Die Truppe hatte nun etwas Zeit, aus dem Tief herauszukommen und könnte unser angeknackstestes Löwenherz am Freitagabend mit einem Heimsieg besänftigen. Die Vergangenheit hat bewiesen, dass die Kurve, die die Mannschaft auch zu diesem Flutlichtspiel mit Blumen empfangen wird, nicht nachtragend ist. Sprich: wenn es die Jungs endlich mal schaffen, ihren Arsch hochzubekommen, können sie sich der absoluten Unterstützung des Stadions sicher sein.

Dafür sollte sich unsere LieBSte aber endlich mal wieder richtig herausputzen und nicht wie zuletzt immer ungeduscht zu unseren Verabredungen kommen, um den Dreck vergangener Wochen endlich mal zu Hause zu lassen. Der stinkt (uns) nämlich ziemlich. Wenn es dann noch für den roten Lippenstift reicht, der sich auf dem Platz in Wille, Kampfgeist und Grätschen äußert, würde uns das eine Menge Freude bereiten. Damit käme dann auch der Glaube an unser „Supermodel“ und die Erinnerung an den Glanz alter Tage zurück. Fußballerische Tanzeinlagen und gut vorgetragene Angriffe brächten dann so richtig Spaß in die Bude und einem Happy-End stünde dann bei ohnehin besten Rahmenbedingungen nichts mehr im Wege. Nur so geht’s zum gefühlt ersten Heimsieg seit der Einführung des Euros. Also: Mach dich schick und beweg endlich deine blau-gelbe Samba-Hüfte, LieBSte! Du kannst es doch.

Eintracht ist mein Verein und er wird’s immer sein!

Autor

Moritz Fischer