Just one before I die

Beitrag von | 16.Mai 2018 | Kategorie: Just one before I die

Am 7. November 2016 besiegten die Chicago Cubs die Cleveland Indians im Finale der Baseball World Series. 108 Jahre mussten die Cubs auf diesen Titel warten. So lange, dass sie sich für verflucht hielten von einem Zuschauer, der wegen des Gestanks seiner Ziege aus dem Stadion geschmissen wurde. Just one before I die war das geflügelte Wort in der Stadt, in dem sich die Sehnsucht der Fans bündelte wenigstens noch einmal dieses verdammte Ding zu gewinnen. Am Tag nach dem Titelgewinn besuchten viele Fans die Friedhöfe der Stadt und legten Blumen und Trikots an den Gräbern ihrer Liebsten nieder, denn der Wunsch war nicht für alle in Erfüllung gegangen.

Diesen Tag will ich auch noch einmal erleben, nur möchte ich nicht die Asche im Grab sein. 108 Jahre sind also zu lang. 2075 wäre ich 95 Jahre alt, und auch wenn ich mir ein paar mehr Jahre als Cro gebe, werde ich wohl früher ins Gras beißen – wenn es geht natürlich in den Rasen des Eintracht-Stadions.

Viele von euch werden einwenden, dass Eintracht viel mehr ist, als ein gewonnener Titel. Zurecht, denn das ist nicht der Zweck des Vereins. Ich muss aber gestehen Tradition, Zusammenhalt, attraktives Spiel und all diese schönen Dinge sind mir wichtig, aber am Ende des Tages verlasse ich das Stadion am glücklichsten wenn wir gewonnen haben. Und wenn man jedes Spiel gewinnt, kommt am Ende ein Titel dabei raus.

Nun, wie es ist möglich, dass ein Traditionsverein mit begrenzten finanziellen Mitteln wie Eintracht Braunschweig einen Titel gewinnt? Das werde ich den kommenden Wochen und Monaten Schritt für Schritt erläutern. Woher die Kohle nehmen? Wie hoch sind unsere Chancen? Wie lange dauert es? Der Stoff wird so schnell nicht ausgehen.

Diese Kolumne soll jedoch keine wöchentliche Hater-Aktion gegen die Eintracht-Führungsmannschaft werden. Ich weiß nicht, welche meiner kommenden Vorschläge bei der Eintracht bereits geplant sind, umgesetzt sind oder sich zukünftig als richtig herausstellen werden. Und falls doch mal ein interessanter Vorschlag dabei ist, freut man sich sicherlich über konstruktive Anregungen aus dem Kundenkreis.

Außerdem hat Eintracht zurzeit nicht das Ziel einen Titel zu gewinnen, sondern möchte sich in den Top 25 etablieren. Vor 6 Monaten wäre mir das nicht ambitioniert genug gewesen und im Moment könnte man einwenden, dass wir ganz andere Sorgen haben. Wie dem auch sei, es führt naturgemäß zu anderen Maßnahmen, als der Versuch einen Titel zu gewinnen.

Und keine Sorge, ihr werdet in den nächsten Wochen keinen langweiligen Aufguss von Moneyball lesen, dem Buch über die Baseball-Manager Billy Beane und Paul DePodesta, welche versuchen mit statistischen Methoden den Erfolg eines kleinen Baseball-Clubs zu steigern. Warum auch? Das Buch hat die beiden zwar unsterblich gemacht, aber auf einen Titel warten sie immer noch. Ihre Titelchancen schwanden mit Erscheinen des Buches dahin, da nun auch die reichen Baseball-Clubs ihre Arbeit kopierten.

Übrigens, der Manager, der das jahrzehntelange Warten der Chicago Cubs und davor das lange Warten der Bosten Red Sox auf eine Meisterschaft beendete heißt Theo Epstein. Ihr werdet wohl noch nie von ihm gehört haben, denn er weigerte sich am Buch Moneyball mitzuwirken und seine Geheimnisse zu teilen. Früher glaubte er daran, dass seine Mannschaft ein Portfolio aus Spielern sei, deren Wertentwicklung er wie bei Vermögenswerten berechnen könne. Inzwischen konzentriert er sich mehr auf die Einrichtungsgegenstände im Clubheim, denn er setzt auf die Teamchemie und den Charakter.

Lasst uns also hoffen, dass ich mit vielem falsch liege oder dass keiner außerhalb von Braunschweig Blogs zu einem kleinen Pissverein liest.

Autor

Rainer Rex

Rainer wurde Anfang der 90iger vom Eintracht-Virus erfasst. Als er '93 das Stadion nach dem Abstieg verließ, ärgerte er sich über das anstehende Jahr dritte Liga. Leider kam es anders und er lernte Norddeutschlands Dorfplätze kennen. Da er meistens den Wagen fuhr und selten drei Punkte im Gepäck waren, hatte er viel Zeit zum Nachdenken. Als Fußballer hatte er es nur in die Kreisklasse geschafft, also konzentrierte er sich darauf, wie man gewinnen kann ohne mit dem Ball zu arbeiten.