„Ein Trainer nicht ein Idiot“

Beitrag von | 20.Mai 2018 | Kategorie: Just one before I die

Ein Trainer seh was passieren im Platz. Diese Weisheit hat uns Giovanni Trapattoni mitgegeben. Und ich würde mir nie anmaßen ihm zu widersprechen. Der Trainer ist wirklich kein Idiot. Er hat aber umgekehrt leider auch keinen Mehrwert zu bieten gegenüber jedem anderen seiner Trainerkonkurrenten. Das heißt, unsere Eintracht sollte einfach den billigsten Trainer nehmen, der vorbeiläuft.

Einen Titel gewinnen wollen und gleichzeitig ist es scheißegal wer Trainer wird?!
Ja, denn der Job des Fußballtrainers ist etwas ungewöhnlich gelagert. Um als Trainer in der Bundesliga arbeiten zu dürfen, bedarf es einer gründlichen, fundierten und gewissenhaften Ausbildung, vulgo Fußball-Lehrer-Lizenz. Sprich, jeder Trainer, den unsere Eintracht engagieren könnte, hat ein ausreichendes Fachwissen und Erfahrung.

Nun gibt es unter diesen Trainern welche, die den Job bei der Eintracht für sagen wir mal 100.000 EUR machen würden. Das wären dann wohl eher unbekannte Absolventen der Fußball-Lehrer Ausbildung. Und es gibt etablierte Zweitligatrainer, die für den gleichen Job 500.000 EUR wollen. Viele von euch werden glauben, dass ein Trainer, der EUR 500.000 verlangt und bekommt, auch besser sein muss. Die Betonung sollte hier auf Glauben liegen, denn dieser Glaube nennt sich preisabhängige Qualitätsvermutung. Getreu dem Motto „kost nix, taugt nix“ schließt man aufgrund des Preises auf die Qualität einer Ware oder Dienstleistung.

Wer sich nicht von der preisabhängigen Qualitätsvermutung leiten lässt, sollte also einen Nachweis einfordern, dass der teure Trainer den höheren Preis wert ist. Auf den Nachweis bin ich gespannt. Die meisten teuren Trainer können ja nur eine Entlassung bei ihren vorherigen Jobs vorweisen oder zeigen ihre Teamfähigkeit damit, dass sie nicht mit einem bestehenden Co-Trainerteam arbeiten wollen, sondern nur ihr eigenes Team mitbringen.

Aber wollen wir uns nicht in Details verlieren, ich übernehme den Nachweis für die teuren Trainer. Nur leider werde ich den Nachweis erbringen, dass der teure Trainer nicht besser ist. Das müsste ich eigentlich nicht, da ja der teure Trainer in der Pflicht ist, seine Qualitäten nachzuweisen. Und es ist auch deutlich schwerer nachzuweisen, dass etwas nicht wirkt und keinen Nutzen stiftet. Wie will man zum Beispiel nachweisen, dass Homöopathie oder Schokoriegel nicht gegen Krebs helfen. Zum Glück sind beim Sport die Daten so klar, dass der Nachweis des fehlenden Vorteils durch einen Trainer gelingen kann.

Man nehme einfach den zu erwartenden Erfolg einer Mannschaft und vergleiche ihn mit dem tatsächlichen Erfolg einer Mannschaft. Der zu erwartende Erfolg ergibt sich näherungsweise aus der Qualität der Spieler und der tatsächliche Erfolg lässt sich am Ende der Saison aus der Tabelle ablesen. Sprich, mit dem FC Bayern Deutscher Meister zu werden zeigt keine vergleichbar hohe Qualität des Trainers, da es dem Erwartungswert entspricht, dass Bayern Meister wird.

Das Ergebnis einer solchen Analyse liegt für die NBA seit Jahren vor. Es zeigt eindeutig, dass nahezu kein Trainer nachhaltig den Erwartungswert signifikant schlägt. Nachhaltig, da eine gute Saison oder Saisonhälfte nicht reicht. Nicht signifikant, da eine leichte Abweichung zum erwarteten Erfolg Zufall sein kann. Und nahezu kein Trainer, da mit Gregg Popovich dann doch ein Coach aus der NBA den Erwartungswert schlägt. Ein Coach der erkennbar so gut ist, würde aber kein Team aus der 3. Liga übernehmen, daher lassen wir diesen Ausreißer einmal weg. Im Übrigen wäre bei ihm noch die Frage zu klären, ob er selbst der Ausreißer ist oder seine Dutzenden Mitarbeiter.

Und lässt sich das auf Fußball übertragen?
Absolut, denn zunächst einmal ist der Einfluss eines Coaches auf das Spiel im Fußball geringer als im Basketball. Er kann keine Auszeiten nehmen, keine Spielzüge ansagen und nicht beliebig wechseln wie im Basketball. Außerdem deckt sich die Beobachtung in der NBA mit vielen Studien und Forschungsergebnissen zum Effekt von Managern auf den Erfolg. Seien es Chefs von Aktienfonds oder Unternehmen, ein positiver Effekt auf den Erfolg ist fast nie zu erkennen. Schon der große Philosoph Adam Smith bezeichnete die Principal Clerks (vor über 200 Jahren Führungskräfte in den neuen Fabriken und Unternehmen) als homogen und gleich in der Qualität ihrer Arbeit – bis heute unwiderlegt.

Aber wenn noch nicht einmal der Trainer etwas bringt, wie dann einen Titel gewinnen? Ganz einfach: wenn wir für einen beliebigen Trainer 100.000 EUR bezahlen, anstatt jährlich 500.000 EUR für einen vermeintlichen guten Trainer und dafür in Wirklichkeit jeweils das gleiche bekommen, beträgt unser Vorteil EUR 400.000 im Jahr. Bei einem in der 2. Bundesliga nicht unüblichem Lizenzspieler-Etat von 5 Millionen Euro entspräche unsere Ersparnis beim Trainer einem finanziellen Vorteil von 8% gegenüber der Konkurrenz. Reicht noch nicht um einen Titel zu holen, ist doch aber schon mal schnell verdientes Geld in 5 Minuten Lesezeit.

Autor

Rainer Rex

Rainer wurde Anfang der 90iger vom Eintracht-Virus erfasst. Als er '93 das Stadion nach dem Abstieg verließ, ärgerte er sich über das anstehende Jahr dritte Liga. Leider kam es anders und er lernte Norddeutschlands Dorfplätze kennen. Da er meistens den Wagen fuhr und selten drei Punkte im Gepäck waren, hatte er viel Zeit zum Nachdenken. Als Fußballer hatte er es nur in die Kreisklasse geschafft, also konzentrierte er sich darauf, wie man gewinnen kann ohne mit dem Ball zu arbeiten.