Gesichtselfmeter: Die Herbie-Herbsen-Kolumne

Beitrag von | 26.November 2013 | Kategorie: Herbie Herbsen
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Die Germanen haben’s vorgemacht!

Irgendwie waren die alten Römer ja so etwas wie der FC Bayern der Antike. Ganz Europa unterworfen, weil sie zwar nicht unbedingt sympathisch, aber irgendwie einfach besser waren. Ständig nur gewonnen, und wenn sie doch mal verloren haben, dann eigentlich nur, weil sie leichtfertig bis überheblich in die Schlacht gezogen sind. Und einen Kaiser hatten sie auch! Am Montag hatte ich die schöne Gelegenheit, vier unserer blau-gelben Helden bei einer Museumsführung zu begleiten. Torsten Lieberknecht, Damir Vrancic, Deniz Dogan und Dennis Kruppke waren vom Landesmuseum eingeladen worden, sich ein Bild von der Ausstellung „Roms vergessener Feldzug. Die Schlacht am Harzhorn“ zu machen. Ich durfte dabei sein und kann sagen, dass mir die Show gefallen hat. Interessant. Lohnt sich. Kann man machen. Und läuft noch bis zum 19. Januar.

Begeistert waren auch unsere vier Eintracht-Heroen, die sich im Anschluss an die Führung dementsprechend positiv geäußert haben. Gut, was sollten sie auch sagen? Allerdings hatte ich das Gefühl, dass die Jungs wirklich interessiert bei der Sache waren und sich tatsächlich keine Sekunde gelangweilt haben. Dogan hat mir hinterher erzählt, dass er als Kind, genau wie ich, ein leidenschaftlicher Leser der großartigen „Was ist was“-Bücher war. Nerds unter sich!

Foto: Ammerpohl

Stark waren auch Museumsdirektorin und Grabungstechniker, deren Vorträge die Zeit der Harzhorn-Keilerei sehr lebhaft und präzise darstellten. Nur in einer Situation hat mich die Direktorin dann doch etwas irritiert zurückgelassen: Kurz vor der Besichtigung des römischen Pfeil-Katapults (oder auch „Torsionsgeschützes“) fragte ich die kompetent wirkende Historikerin beiläufig unter vier Augen, ob man die Dinger nicht gemeinhin auch als „Ballisten“ bezeichne. Ja, ich gebe zu, Schweinchen Schlau wollte nur mal sein 16 Jahre altes „Age of Empires“-Wissen in die Waagschale werfen. Ihre Antwort hat mich dann aber überrascht: Sie kenne das Wort gar nicht, ich meine wohl ganz allgemein den Begriff „Ballistik“. Nee, dachte ich, meine ich nicht. Und übrigens auch nicht Balisto, den Keksriegel!

Wieder zu Hause habe ich dann etwas verunsichert nach Balliste gegoogelt, und was soll ich sagen? 1:0 für den Magister der Geschichte, der lieber Echtzeit-Strategiespiele gedaddelt hat, anstatt seine Zeit für einen Doktortitel zu verschwenden. Zu ihrer Verteidigung möchte ich an dieser Stelle aber vermuten, dass die Museums-Chefin den Begriff sicherlich schon mal gehört hat und lediglich Opfer eines üblen Blackouts war, also quasi „einen Waldi gebaut“ hat. Schwamm drüber, kann passieren!

Ansonsten gab es einige witzige Momente. Etwa, als Lieberknecht der planlosen Gruppe verriet, warum es in Mainz blaue, aber auch rote Straßenschilder gibt (kleiner Tipp: Es hat mit den Römern zu tun – behauptet zumindest der Trainer!). Oder als die Direktorin die Fußballer fragte, ob sie die Serie „Game of Thrones“ kennen würden – und diese alle nur ratlos mit den Schultern zucken konnten. Hallo? Lustig aber auch Kruppke und Vrancic unter Römerhelmen, in Kettenhemd und Plattenpanzer, mit Pilum und Schwert bewaffnet. „So fahren wir nach München!“, meinte Lieberknecht bei dem doch etwas furchteinflößenden Anblick, und kurz hoffte ich, dass er es ernst meint.

Das Auswärtsspiel beim scheinbar übermächtigen FC Bayern wird wahrscheinlich kein Spaziergang. Doch wie in der Antike die Germanen (oder Gallier) den Römern, so stellen auch im Fußball die hoffnungslos unterlegenen Außenseiter dem Großen hin und wieder ein Bein. In diesem Fall fehlt mir allerdings der rechte Glaube daran. Kennt vielleicht irgendjemand ein Rezept für Zaubertrank?

Autor

Herbie Herbsen

Herbie Herbsen entdeckte seine Liebe zu den Farben Blau und Gelb Anfang der neunziger Jahre. Damals war der Topclub seiner Geburtsstadt, der TuS Celle FC, gerade in die Oberliga Nord aufgestiegen. Nach seinem Umzug in die Löwenstadt wanderten auch seine Sympathien recht zügig zur Eintracht – und Ommas blau-gelber Strickschal blieb einfach weiter im Einsatz. Leider stößt der von ihm gegründete Eintracht-Fanclub, die „Bicici Boys“, in Braunschweig auf wenig Gegenliebe: Noch immer ist Herbie das einzige Mitglied. Im echten Leben ist der 34-Jährige freier Journalist und DJ.