Gesichtselfmeter: Die Herbie-Herbsen-Kolumne

Beitrag von | 10.Dezember 2013 | Kategorie: Herbie Herbsen
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Hausmannskost

Es ist zwar eine furchtbar abgedroschene Phrase, aber irgendwie ist schon was dran: Die Tore sind im Fußball das Salz in der Suppe! So ein 0:0 zum Beispiel kann intensiv geführt sein, kann durchaus auch Spaß machen. Trotzdem hat man auf dem Nachhauseweg immer das Gefühl, dass man etwas vermisst hat. Die Buden. Den Moment, wenn’s klingelt. Wenn das Netz zappelt. Der Torschütze vor Freude Salti schlägt und der geschlagene Keeper einen Blick drauf hat, als hätte ihm gerade einer das letzte spuckebillige Aldi-Notebook vor der Nase weggeschnappt. Nein, Fußballspiele ohne Tore sind irgendwie nur halbsteif. Und dieses Adjektiv bezieht sich, auch wenn ich mich heute hoffnungslos in Speise-Metaphorik verrenne, ausnahmsweise nicht auf Schlagsahne!

Wenn die Buden also das Salz in der Suppe sind, dann kocht unsere Eintracht in dieser Saison einen ziemlich faden Eintopf. Uns war natürlich allen klar, dass wir von einem Aufsteiger mit einem derart geringen Etat keine Haute Cuisine, sondern nur Hausmannskost geboten bekommen. Kann ja auch richtig herrlich schmecken. Wer mal die Steckrübensuppe meiner Oma probiert hat, der weiß, was ich meine. Trotzdem hat so mancher kurz vor Ende der Bundesliga-Hinrunde das Gefühl, dass beim BTSV derzeit die Rezeptur nicht stimmt. Nur acht Tore in 15 Begegnungen – da wünscht man sich manchmal, der Koch wäre verliebt! Mein Eindruck aus dem Stadion und den Sozialen Netzwerken: Die Geduld mit den dargebotenen Menüvorschlägen ist bei vielen allmählich aufgebraucht.

Gutes Essen fängt natürlich bei den Zutaten an, und leider konnte sich die Eintracht im Vorfeld der Saison aufgrund der finanziellen Beschränkungen nicht im Feinkostladen bedienen. Aber eine köstliche Bouillabaisse gelingt nun mal nicht mit einer Handvoll Sprotten. Klar, der Schuss Bellarabi hat etwas Schärfe reingebracht, aber das allein macht ja auch noch keine Mahlzeit. Dass der eh schon unzureichend gefüllte Kühlschrank nun auch noch durch Verletzungen ausgedünnt wird (nach Hochscheidt und Kruppke jetzt auch Caligiuri, Reichel, Dogan und Bicakcic, dazu Perthel mit Gelb-Rot), lässt die Chancen auf eine Geschmacksexplosion in Augsburg eher gering erscheinen.

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Immerhin hatte Chefkoch Lieberknecht im Interview mit Sky schon einen (kulinarischen) Plan für die Vorbereitung auf die Auswärtspartie am Samstag parat: „Zwei Nächte schlecht schlafen, aufstehen, Nutellabrot essen und dann gehen wir Augsburg an.“ Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich hab jetzt Hunger!

Autor

Herbie Herbsen

Herbie Herbsen entdeckte seine Liebe zu den Farben Blau und Gelb Anfang der neunziger Jahre. Damals war der Topclub seiner Geburtsstadt, der TuS Celle FC, gerade in die Oberliga Nord aufgestiegen. Nach seinem Umzug in die Löwenstadt wanderten auch seine Sympathien recht zügig zur Eintracht – und Ommas blau-gelber Strickschal blieb einfach weiter im Einsatz. Leider stößt der von ihm gegründete Eintracht-Fanclub, die „Bicici Boys“, in Braunschweig auf wenig Gegenliebe: Noch immer ist Herbie das einzige Mitglied. Im echten Leben ist der 34-Jährige freier Journalist und DJ.