Gesichtselfmeter: Die Herbie-Herbsen-Kolumne

Beitrag von | 23.Dezember 2013 | Kategorie: Herbie Herbsen
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Sieger im Blökduell

Stürmische Zeiten hatte es nach der Augsburg-Pleite angekündigt, das Orakel von Bad Dürkheim, das von unseren  blaugelben Helden der Einfachheit halber „Trainer“ genannt wird. Am Dienstag wurde es tatsächlich stürmisch, regelrecht ungemütlich im Hause Kumbela, wie die gegenseitigen Anzeigen erahnen lassen. Aber damit sollen sich lieber die Kollegen vom Boulevard beschäftigen. Oder halt die Justiz, von mir aus.

Eine deutlich erhöhte Windstärke bemerkte man auch am Sonnabend auf dem Platz, als die Eintracht – bedenkt man die dramatische Verletzungssituation – ihre vielleicht beste Partie der Saison ablieferte. Nach den Skalps von Wolfsburg und Leverkusen nun also Hoffenheim rasiert: Tradition beats Kohle reloaded! Es scheint, die Werksklubs und Neureichen liegen uns tatsächlich.

torsten_gisdolEin bisschen Wind gab es auch noch nach dem Spiel. Als wäre Torsten Lieberknecht nicht eh schon der Liebling der deutschen Fußball-Berichterstattung – Wutreden, Gossensprache, Tribünenverweise, Rücktrittsandeutungen, Geldstrafen und nicht zuletzt seinem Humor sei Dank –  hat er nun das nächste Schmankerl für uns ausgepackt. Was der Kicker schreibt, klingt jedenfalls nach einer 1A-Trainerfehde! Clever wie Torsten nun mal ist, hat er sich dafür einen Gegner ausgesucht, der den wohl verhasstesten Club der Bundesliga trainiert. Nun ja, könnte man einräumen, immerhin ist Markus Gisdol doch aber einer der fähigsten und erfolgreichsten Fußballlehrer der Liga. Durch Fakten ließe sich das allerdings kaum untermauern. Aber ist Gisdol nicht einer sympathischsten Seitenlinien-Turner, die dieses Land zu bieten hat? Ähhm, nein, leider herrscht auch in dieser Hinsicht Fehlanzeige. Besonders viel Lobendes kann ich – als Außenstehender – wirklich nicht über den Hoffenheim-Coach sagen. Vielleicht hat er ja das Jodeldiplom oder mal den 2. Preis in einer Schönheitskonkurrenz gewonnen (beim Monopoly), ob das aber gleich dazu berechtigt, auf einer Pressekonferenz im Tempel die beleidigte Leberwurst zu spielen, möchte ich doch arg bezweifeln.

GrisdolLieberknecht ist aber natürlich auch ein gemeiner Kerl. „Der gegnerische Trainer hat uns 90 Minuten attackiert, ständig, bei jeder Situation hat er rübergeblökt und macht jetzt noch einen auf ‘netter Gastgeber’. Da sind Punkte erreicht, jetzt ist Schluss“, zitiert der Kicker den garstigen Gollum Gisdol, und man möchte ihm fast zurufen: Willkommen in Niedersachsen, im Blöken sind wir Weltklasse! Weil das aber ein bisschen albern wäre und Lieberknecht ja gar keine Lüneburger Heidschnucke, sondern eher ein pfälzischer Ziegenbock ist, rate ich Gisdol, sich, anstatt zu jammern, lieber an unserem Coach zu orientieren, der auf der Pressekonferenz ein deutliches Lob an das Schiedsrichtergespann ausgesprochen hat. Eine sportlich faire Geste in Richtung der Unparteiischen, die ich mir viel häufiger wünschen würde, anstatt, wie im Fußball leider üblich, immer nur draufzuhauen. Auch in dieser Beziehung könnte Griswold – Verzeihung: Gisdol! – beim Knecht also noch ein paar Nachhilfestunden nehmen.

Etwas zu stürmisch – um diesen Beitrag über viel Wind vor der Winterpause zum Abschluss zu bringen – war am Wochenende allerdings unser Marc Pfitzner. Für den Tritt hätte es auch Rot geben können. Dazu die zweite Gelb-Rote von Perthel in Folge. Entspannt euch, Jungs! Lebt eure Emotionen zu Hause mit eurer Frau aus, möchte man Hans-Hubert Vogts zitieren. Und dabei ausdrücklich betonen, dass unser Bundesberti das ganz bestimmt nicht im Kumbela’schen Sinne gemeint hat.

Frohe Weihnachten!

Autor

Herbie Herbsen

Herbie Herbsen entdeckte seine Liebe zu den Farben Blau und Gelb Anfang der neunziger Jahre. Damals war der Topclub seiner Geburtsstadt, der TuS Celle FC, gerade in die Oberliga Nord aufgestiegen. Nach seinem Umzug in die Löwenstadt wanderten auch seine Sympathien recht zügig zur Eintracht – und Ommas blau-gelber Strickschal blieb einfach weiter im Einsatz. Leider stößt der von ihm gegründete Eintracht-Fanclub, die „Bicici Boys“, in Braunschweig auf wenig Gegenliebe: Noch immer ist Herbie das einzige Mitglied. Im echten Leben ist der 34-Jährige freier Journalist und DJ.