Gesichtselfmeter: Die Herbie-Herbsen-Kolumne

Beitrag von | 02.Dezember 2013 | Kategorie: Herbie Herbsen
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Auf dem Trockenen

„Peinlich“ und „blamabel“ sind die Vokabeln, die mir einfallen, wenn ich an den jüngsten Braunschweiger Auswärtsauftritt denke. Mit nichts zu entschuldigen, einfach unterirdisch! Wer das Spiel der Eintracht in der Allianz-Arena gesehen hat, kann sich bestimmt schon denken, dass es nicht die respektable Leistung unserer “Schoßhündchen“ war, die mich so bestürzt zurückließ. Geschockt hat mich vielmehr, was ich gestern in der Online-Ausgabe der Münchener Abendzeitung lesen musste. Der Inhalt grob zusammengefasst: Dem Braunschweiger Fan-Sonderzug ging schon auf der Hinfahrt in die bayerische Landeshauptstadt der Gerstensaft aus, der FC Bayern lieferte dann großherzig Freibier für die Rückfahrt. Steht da zumindest. Regelrecht niederschmetternd ist vor allem der Anfang des Artikels:

„Rund 5000 Braunschweiger Fans sind am Samstag mit einem Sonderzug nach München gereist, um ihre Mannschaft in der Allianz Arena anzufeuern. Für die gut 600 Kilometer lange Reise hatten die Anhänger der Eintracht gut vorgesorgt: Sieben 30-Liter Fässer Bier kamen mit an Bord.“

HAAAAAAALT, STOPPPP!!!

5000 durstige Fußballfans, 600 Kilometer, 210 Liter Bier – „gut vorgesorgt“??? Wohl eher so, als würde man versuchen, mit einer einzigen Capri-Sonne im Gepäck zu Fuß die Wüste Gobi zu durchqueren, und zwar hin und zurück. Mein erster Gedanke: Sollten diese Zahlen tatsächlich stimmen, handelt es sich zweifelsohne um den größten Skandal in der 118-jährigen Geschichte des BTSV. Ein Eklat, der nach Konsequenzen schreit. Da müssen Köpfe rollen!

ballerbusZum Glück habe ich mich am Sonntagabend dann noch bei meinem Kollegen Koppelmann erkundigt, bekanntermaßen die „Graue Eminenz“ der Braunschweiger Fanszene, die irgendwie überall ihre Finger im Spiel hat. Obwohl der feine Herr nicht mit der Bahn, sondern mit dem so genannten „Ballerbus“ (fünf Kästen Wolters für neun Personen!) ins schöne München gereist ist, konnte der kompetente Kollege und bekennende Pegeltrinker mich etwas beruhigen: Es seien wohl eher 500 Fans gewesen, die an Bord des Sonderzuges am Hopfentrunk genuckelt hatten. Das ließ mich am Wahrheitsgehalt des Artikels in der Abendzeitung dann doch etwas zweifeln. Trotzdem blamabel, denn auch für nur 500 Einträchtler sind 210 Liter köstliches Braunschweiger Bier nicht mehr als ein winziger Fingerhut und logischerweise innerhalb weniger Minuten weggeatmet.

bierWir Blau-Gelben mögen zwar manchmal unterlegen wirken wie die Schoßhündchen – deshalb trinken wir doch aber noch lange nicht so!

Autor

Herbie Herbsen

Herbie Herbsen entdeckte seine Liebe zu den Farben Blau und Gelb Anfang der neunziger Jahre. Damals war der Topclub seiner Geburtsstadt, der TuS Celle FC, gerade in die Oberliga Nord aufgestiegen. Nach seinem Umzug in die Löwenstadt wanderten auch seine Sympathien recht zügig zur Eintracht – und Ommas blau-gelber Strickschal blieb einfach weiter im Einsatz. Leider stößt der von ihm gegründete Eintracht-Fanclub, die „Bicici Boys“, in Braunschweig auf wenig Gegenliebe: Noch immer ist Herbie das einzige Mitglied. Im echten Leben ist der 34-Jährige freier Journalist und DJ.