Gesichtselfmeter: Die Herbie-Herbsen-Kolumne

Beitrag von | 11.November 2013 | Kategorie: Herbie Herbsen
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Get well, Haki!

Huurraaaaaaa! Am Freitag herrschte Partystimmung im Hause Herbsen, da musste dann sogar das Rotkäppchen-Piccolöchen dran glauben, das sich lange Zeit in irgendeiner dunklen, klebrigen Ecke des Kühlschranks vor mir versteckt hatte. Konfetti, Luftschlangen und lustige Hüte? Gab es nicht, wären bei Vorhandensein mit Sicherheit aber auch zum Einsatz gekommen. Um die Stimmung noch weiter anzufachen, habe ich sogar die Heizung mal ein bisschen aufgedreht. Immerhin auf zwei. Man muss die Feste ja feiern, wie sie fallen – Huurraaaaaaa!!

aliWas ich nun eigentlich genau gefeiert habe? Mit Sicherheit nicht den Punkt gegen Peine-West, das hätten nämlich gerne auch mehr sein dürfen. Die Hoffnung auf einen Sieg hatte natürlich schon vorher einen empfindlichen Dämpfer bekommen. Eintracht OHNE Bellarabi gegen die Roten, das war so ein bisschen wie Ali gegen Frazier, nur eben Ali mit einer Hand auf den Rücken gebunden. Keine guten Voraussetzungen für einen Sieg, geschweige denn für eine torreiche Partie unserer Eintracht. Und so kam es dann ja auch.

Am Ende trotz des nicht besonders attraktiven Fußballspiels dann die ganz großen Emotionen: Das 1000. torlose Remis der Bundesliga-Geschichte! Da gab es auch für mich kein Halten mehr, an diesem Ehrentage des 0:0, dem wohl unterschätztesten aller Ergebnisse. Hoch die Tassen, Vollgas! Die Tatsache, dass sich in 90 Minuten exakt nichts an der Ursprungssituation verändert hat, ist doch keine Lizenz zum Verächtlichmachen. Außerdem: Ein Punkt ist ein Punkt, und immerhin kann man auch mal schnell den Müll runterbringen, ohne gleich was zu verpassen.

Meine Feierlaune mag aber auch daher gerührt haben, dass der Trubel um das Derby erst mal für eine Weile vorbei ist. Derby ist zwar an sich schon ein tolles Wort (reimt es sich doch auf Herbie!), medial war mir das ganze Thema – da möchte ich Kollege Koppelmanns letztwöchigem Rant ausdrücklich zustimmen – eigentlich doch schon zu präsent. Dabei wäre das erste Bundesliga-Duell gegen die Roten seit 37 Jahren eine gute Gelegenheit gewesen, auch mal auf wirklich wichtige Dinge zu schauen.

bicici1Zum Beispiel darauf, wie es eigentlich Hakan Bicici geht. Der quirlige Zehner, für mich noch immer einer der feinsten Techniker, begabtesten Freistoßkünstler und abgezocktesten Vollstrecker der neunziger Jahre, hat sowohl für die Eintracht als auch (länger) für 95+1 gespielt (und nicht zuletzt für den TuS Celle FC, von dessen Fans er noch immer als Fußballgott verehrt wird!). In Braunschweig ist er bei vielen nicht besonders beliebt, was ein gesungener Reim belegt, der Profession und Herkunft seiner Erzeugerin hinterfragt, den ich hier aber nicht zitieren will. Trotzdem gilt doch: Einmal Löwe, immer Löwe! Auch bei seinen Ex-Mitspielern ist der Dribbelkönig unvergessen, sie haben nicht nur lieber mit ihm als gegen ihn gespielt, sondern ihn auch als richtig guten Typen und teaminterne Stimmungskanone in Erinnerung behalten.

bicici2Bicici hatte vor fast genau einem Jahr einen schweren Autounfall in der Türkei, liegt seitdem im Wachkoma in der MHH und wird wahrscheinlich schwere Folgeschäden davontragen – wenn er es denn überhaupt schafft. Das Derby wäre auch eine schöne Gelegenheit gewesen, mal an ihn zu erinnern. Was ich, als Gründer des Eintracht-Fanclubs „Bicici Boys“, an dieser Stelle sehr gern getan habe. Gute Besserung, Haki – positive Nachrichten von dir wären ein echter Grund zum Feiern!

Autor

Herbie Herbsen

Herbie Herbsen entdeckte seine Liebe zu den Farben Blau und Gelb Anfang der neunziger Jahre. Damals war der Topclub seiner Geburtsstadt, der TuS Celle FC, gerade in die Oberliga Nord aufgestiegen. Nach seinem Umzug in die Löwenstadt wanderten auch seine Sympathien recht zügig zur Eintracht – und Ommas blau-gelber Strickschal blieb einfach weiter im Einsatz. Leider stößt der von ihm gegründete Eintracht-Fanclub, die „Bicici Boys“, in Braunschweig auf wenig Gegenliebe: Noch immer ist Herbie das einzige Mitglied. Im echten Leben ist der 34-Jährige freier Journalist und DJ.