Geschlossene Unentschlossenheit

Beitrag von | 13.Oktober 2018 | Kategorie: Lage der Eintracht

Braunschweig 11. Oktober morgens um 10:00: Pressekonferenz. Auf dem Podium haben sich neben Pressesprecherin Denise Schäfer auch unser Präsident Sebastian Ebel und Meister Propper eingefunden.

Der Mann, der in Deutschland als Andre Schubert gemeldet ist, soll die Mannschaft nun blitzeblank putzen und unsere Eintracht wieder in einem würdigen Licht glänzen lassen.

Die Konstellation ist interessant. Im Rücken der drei auf dem Podium werden die Sponsoren angeleuchtet, die ihnen im wahrsten Sinne des Bildes den Rücken stärken. Ohne dieses Geld wäre der Schritt nicht möglich gewesen, da wir nach der sportlichen Talfahrt auch finanziell nicht auf Rosen gebettet sind. In der Mitte sitzt Ebel, der frohlockend mitteilt, dass man sich in „großer Einigkeit“ für Andre Schubert entschieden habe.

Wenige Tage zuvor hat er sich noch für Hendrik Pedersen ausgesprochen und erntete nach seiner gar nicht feinfühligen und katastrophalen Rede vor der Südkurve ein gellendes, bis nach Duisburg zu hörendes Pfeifkonzert.

Über den Sponsoren auf der Werbetafel im Presseraum steht in blau auf gelb ein auffällig großer Schriftzug: Wir sind Eintracht.

Hendrik Pedersen ist das mittlerweile dritte Bauernopfer in der noch kurzen Saison. Kurz vor Ende der Transferperiode war es Marc Arnold, der seinen Stuhl unabhängig von den bis dahin eingefahrenen Ergebnissen der aktuellen Saison räumen musste, da die Vereinsführung einfach nicht eher getagt hat, die Entscheidung somit logischerweise nicht eher treffen konnte. Aha.

Aber auch danach sah man die Mannschaft trotz fehlender Ergebnisse auf einem guten Weg, stellte sich hinter sie und das Trainerteam. Man entschied sich dafür, Dinge klein zu reden,um keine Unruhe aufkommen zu lassen und erreichte damit genau das Gegenteil. Es fehlte einfach an Ehrlichkeit, um die Kurve glaubwürdig mit ins Boot holen. Wenn keiner der Verantwortlichen auch mal ausspricht, dass wir einfach richtig schlecht waren und uns nicht zu Unrecht auf der aktuell steilsten Talfahrt im deutschen Profifußball befinden, macht sie das nicht glaubwürdig.

Selbst die beiden kurz vor Schluss erzielten Tore gegen Meppen bei 0:4-Rückstand wurden als positives Zeichen der Mannschaft gesehen, wie gut sie doch ohne Druck aufspielen könne. Da möchte man sich als Fan am liebsten bei jedem Spieler einzeln entschuldigen, schließlich sorgen wir für diesen Rahmen schüren den Druck, die Vereinsführung nämlich nicht. Die Folge: man fühlt sich mit seinem Verein im Stich gelassen. Ehrliche Worte hätten Reibung erzeugt, die alle zusammen in positive Wucht hätten umwandeln können. Sie kamen leider bis heute nicht.

Genau wie jeder andere war auch Marcel Engelhardt total verunsichert, lieferte sich ähnlich viele eklatante Fehler wie seine Vorderleute. Er hatte dabei quasi die Arschkarte, dass diese bei Torhütern spielentscheidender sind und meistens direkt zum Gegentor führen. Entweder lag es auch bei ihm an dem besagten Kopfproblem im Umgang mit Rückschlägen oder er wurde vor der Saison einfach maßlos überschätzt. Egal ob Fehleinschätzung oder schlechter Umgang mit der Situation: In Anbetracht der Tatsache, dass verdiente Spieler teilweise ruhmlos vom Hof gejagt und unerfahrene Spieler diesen vorgezogen wurden, um Pedersen „seine“ Mannschaft zusammenzustellen, kann man nach immerhin 12 Spieltagen mehr erwarten.

Auch die ihm immer wieder attestierte soziale Kompetenz stand im völligen Gegensatz zur tatsächlich total verunsicherten Mannschaft. Er hat die Jungs, die trotzdem durchweg positiv über ihn sprachen, nach einem Drittel der Saison kein Selbstbewusstsein mit auf den Weg geben können und sie scheinbar einfach nicht erreicht.

Doch er bekam noch einen Joker: Lukas Kruse. Auch wenn Marcel Engelhardt bis dahin wirklich schlecht war, flogen wir auch mit unserer neuen Nummer eins in einem Dorf bei Cuxhaven aus dem Niedersachsenpokal und kassierten gegen Lotte wieder zwei Gegentore. Mit einem Sieg wäre der Eintracht-Zug vielleicht noch ins Rollen gekommen, durch das späte Tor machte er erneut die Vollbremsung. Ein Tor, bei dem Burmeister in der letzten Situation des Spiels zweiGegenspieler hat, wovon einer der Kopfballstärkste des Gegners ist und das Tor zum Ausgleich erzielt. Das darf doch nicht wahr sein, aber ist Pedersen oder der Mannschaft bei solchen Fehlern der größte Vorwurf zu machen? Die Antwort ist klar, die Kommunikation nicht. Nach diesen beiden Spielen war der Sündenbock in Marcel Engelhardt nicht gefunden.

Die Führungsriege begab sich am Sonntag darauf erneut auf die Suche und war sich dann auf einmal doch einig, dass es am Trainer liegt. Viel schlechter kann man sich als für Eintracht stehender Verein nicht präsentieren und mit viel mehr Geschwindigkeit kann man so einen großartigen Verein wahrscheinlich nicht an die Wand fahren.

Zurück in den Presseraum. Dort sitzt nun Andre Schubert und nicht mehr Hendrik Pedersen. So schnell kann es gehen.

Es ist noch nicht so lange eher, als er Cheftrainer an der Seitenlinie im Rahmen eines Champions-League-Spiels war. Nun muss er aufpassen, dass er sich in den schmuddeligen und engen Drittligakabinen nicht den Kopf stößt. So schnell kann es gehen.

Gladbach führte er vom Tabellenende in den Europapokal. Zufälligerweise stehen wir auf dem genau gleichen Tabellenplatz. Vielleicht sagen wir dann doch eher als gedacht: So schnell kann es gehen.

Irgendwann, irgendwann einmal spielt die Eintracht international.

Autor

Moritz Fischer