Zwischen Frontenbildung und Abstiegskampf

Beitrag von | 15.Februar 2018 | Kategorie: Allgemein, Lage der Eintracht

Die Aufregung zurzeit ist groß. Das gesamte Löwenumfeld hat wieder einmal gezeigt, was es heißt, Eintracht zu leben. Die Szenen, die sich am Spielfeldrand während des Abschlusstrainings vor dem Aue-Spiel ereigneten, symbolisierten die absolute Geschlossenheit. Ob dies der entscheidende Faktor des am Ende  erfolgreichen Auswärtsspiels war, kann man schwer beurteilen. Allemal war es beflügelnd für die Mannschaft und die Aussage dahinter groß: „Wir kommen da gemeinsam wieder raus. Kämpft für Torsten!“ Wir – das waren besorgte Fans, die ein Zeichen setzen wollten und die aktive Fanszene. Einträchtig, für Braunschweig!

Anschließend wurde es wieder emotional. Unser Trainer setzte noch einen drauf, indem er im Nachgang betonte, wie wichtig der Sieg vor allem für seine Personalie war. Allein wegen der Vorstellung, einen anderen Trainer als TL an der Seitenlinie stehen zu sehen, lief es auch mir kalt den Rücken runter. Der so eindrucksvoll errungene 3:1- Auswärtssieg rückte in den Hintergrund, da das ohnehin polarisierende Thema der Trainerfrage nochmal deutlich an Bedeutung gewann. Viel schlimmer war allerdings: das geschlossene Auftreten aller entwickelte sich zur Frontenbildung.

Marc Arnolds Interview am noch gleichen Abend und die Stellungnahme anfangs der darauffolgenden Woche sorgten für noch mehr Unruhe. Pro Lieberknecht ging einher mit Anti Arnold. Die Geschlossenheit war verpufft. Zu viele Unruheherde brachten das Fahrwasser zum Überkochen.

Das Heimspiel gegen Kaiserslautern untermauerte einerseits einmal mehr, welchen Stellenwert unser Trainer zurecht innerhalb der Anhängerschaft inne hat. Spruchbänder und Gesänge richteten sich motivierend  an das Team- immer im Mittelpunkt der Name Lieberknecht. Die Partie zeigte andererseits gleichermaßen, wie sehr der Schuh sportlich drückt. Feuerwehrmann Frontzeck entführte die maximale Punkteausbeute aus der Löwenstadt. Der eben bereits kurz angerissene Gedanke an eine Zukunft ohne unsere Trainer-Ikone ist besorgniserregend. Mit einem Rausschmiss würden wir uns dem Fußballzirkus und seiner Schnelllebigkeit beugen und eben nicht zeigen, dass Eintracht Braunschweig anders ist als andere Vereine. Dennoch ist der Vorgang an sich ein völlig Normaler. Eintracht spielt zurzeit Fußball zum Abgewöhnen und zeigte das nach der Heimpleite  beim letzten Spiel in Sandhausen in erschreckender Form erneut. Klar ist, dass zugunsten des Vereins alle handelnden Personen hinterfragt werden müssen.

Lieberknecht selbst projiziert die Rückendeckung, die er erfährt auf die Mannschaft. Jeder Ruf, der ihn stärkt, hilft auch gleichzeitig den Jungs auf dem Rasen. Genau so sollte es auch rüberkommen. Das darf nicht gleichbedeutend damit sein, Marc Arnold ans Bein zu pinkeln. Denn auch ihm gebührt die größte Dankbarkeit angesichts unseres steilen sportlichen Aufstiegs in den letzten Jahren. Auch hier gilt es zu differenzieren: Dankbarkeit bedeutet nicht Freifahrtschein. Das verstehen viele nicht und benutzen es als Totschlagargument, warum es nicht läuft. „Schönrederei“ wird einem vorgeworfen, wenn man auf die letztjährigen Erfolge des Gespanns um die Mannschaft verweist und optimistisch in die Zukunft blickt.

Höher, weiter, schneller- ein wirtschaftliches Erfolgsrezept, das im Fußball schon leider viel zu sehr Einzug  eingehalten hat.  Am Ende bleibt es aber unser Sport, unsere Leidenschaft und unser Verein. Die Faszination Fußball und im Besonderen Eintracht ist eben nicht auf Tabellenstände und Ergebnisse herunter zu brechen. Wir stecken gemeinsam im Schlamassel und werden da gemeinsam wieder herauskommen, sofern wir endlich aufhören uns auf irgend eine Seite zu stellen.

Wie der Dom zu Köln, der Hafen zu Hamburg bzw. die absolute Tristesse zu Hannover, gehört eben auch Torsten Lieberknecht nach wie vor zu 100% zu Braunschweig. Dennoch geht es nicht um Pro- oder Anti- Manager bzw. Trainer, sondern um unseren Turn- und Sportverein.

Denn genau wie sich die Mannschaft am Ende eines jeden Spiels hinterfragen muss, alles für den roten Löwen auf der Brust gegeben zu haben, müssen wir das in der Kurve, auf der Gegengeraden oder wo auch immer  ebenfalls tun. Es hat letztes Jahr schon wesentlich mehr Bock gemacht, um einen der ersten drei Plätze zu spielen. Aber auch das gemeinsame Erreichen des Klassenerhalts kann allen dieses besondere „Eintracht-Gefühl“ geben und die Gemeinschaft insgesamt stärken.

Wer das nicht versteht, kann sich gerne die Spiele des VfL Wolfsburgs angucken. Die spielen eine Liga höher zwar aktuell ähnlich erfolglos wie wir, verdienen dabei aber Millionen. Alle, die nicht bereit sind unseren Verein bedingungslos zu unterstützen, sollen sich eingeladen fühlen, dort einfach ins Pfeifkonzert einzusteigen.

Zu Beginn der neuen Saison werden sich alle Verantwortlichen wieder zusammen an den Tisch setzen und die sportliche Richtung neu ausgeben. Da dürfen dann auch ruhig mal die Fetzen fliegen.

Das sollte uns zunächst aber völlig egal sein, denn von der Zukunftsmusik sollten wir uns erstmal nicht aus dem Takt bringen lassen. Einzig entscheidend ist, dieses Jahr die Klasse zu halten und das am liebsten möglichst schnell. Bis dahin bekommen wir aber noch einige Chancen, den Karren zusammen aus dem Dreck zu ziehen. Einträchtig, für Braunschweig!

Eintracht ist mein Verein und er wird’s immer sein.

Autor

Moritz Fischer