FanSpiegel – Das Schüttorfer Fußballorakel: „Das wär ja voll krass“

Beitrag von | 01.Mai 2014 | Kategorie: FanSpiegel
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Die Enttäuschung über die Niederlage in Berlin musste erstmal überwunden werden. Natürlich war klar, dass das Spiel bei Hertha kein Spaziergang sein würde – zu schwer hat man sich in der Vergangenheit gegen den Hauptstadtclub getan. Dennoch war der doch sehr blutleere Auftritt in gewisser Weise ernüchternd, hatte man sich doch zumindest einen leidenschaftlichen Fight vor den gut 7.000 mitgereisten Eintracht-Fans erhofft. Auf den wartete man aber letztlich dann doch vergeblich – schade!Für den Sonntag stand daher zunächst ein Ausgleichsprogramm auf der Agenda. Von der großen Bundeshauptstadt sollte es in die bundesdeutsche Provinz gehen, genauer gesagt nach Schüttorf. 12.000 Einwohner fast die Ortschaft in der Grafschaft Bad Bentheim, wobei aus fußballerischer Sicht natürlich eher entscheidend war, dass der dortige FC Schüttorf einerseits über eine nette kleine Anlage verfügt und andererseits mal Gegner von Eintrachts zweiter Mannschaft war. Aus heutiger Sicht nahezu undenkbar, dennoch aber ein netter Grund, den Sonntag auf dem platten Land kurz vor der holländischen Grenze zu verbringen. Schließlich war mit den Kickers Emden auch noch ein ebenfalls alter Bekannter in Schüttorf zu Gast.

Nun gut, das Spiel der Landesliga Weser-Ems selbst war jetzt nicht so der Burner. Schüttorf gewann verdient mit 3:0, freudig beklatscht von den vielleicht 150 Zuschauern. Etwas mehr hätten es doch sein dürfen, wobei die anliegende Boule-Halle vielleicht den einen oder anderen Zuschauer abgeworben hatte. Aus Emden waren übrigens maximal eine Hand voll Leute angereist, das war auch mal anders.

Und trotzdem sollte sich der Ausflug lohnen: Während in Durchgang zwei das Spiel so dahinplätscherte, widmete sich die lokale Fußballerjugend ihren Smartphones und checkte die Ergebnisse aus der Bundesliga. „Hamburg liegt in Augsburg hinten! 0:2 nach wenigen Minuten!“ war die Kunde, welche Kids und den Autor dieser Zeilen gleichsam in Aufruhr versetzte. Damit hatte man ja nun auch nicht unbedingt gerechnet, hätte Hamburg mit einem Sieg in Augsburg doch die Situation von Eintracht und Nürnberg fast aussichtslos werden lassen können. Fanden wohl auch die Jugendkicker, die sich nun eifrig Szenarien ausmalten: „Alter, Hamburg steigt wirklich ab! Van der Vaart geht dann bestimmt weg“, wurde wohl nicht ganz zu Unrecht festgestellt (.. dass die Jungs nicht sofort auf Sylvie v.d.V. kamen, nehme ich ihnen angesichts des Alters mal nicht übel). „Und stell Dir mal vor: Braunschweig bleibt drinne. Das wäre ja voll krass!“, war die nächste Hypothese der Jungs. Womit sie sowohl logisch geschlussfolgert hatten, als auch ein Grinsen meinerseits ernteten. Und ungewollt eine Stimmung wiedergegeben haben, die unsere große – und letzte – Chance sein kann.

Auch zwei Spieltage vor Saisonende rechnet niemand mehr mit Eintracht. Auch wenn sich rechnerisch nichts verändert hat – wir gelten als krasser Außenseiter, die Medienwelt blickt im Grunde nur auf den mehr als angeknockten HSV. Das kann unser Pfund im Kampf um den Relegationsplatz sein, das ist unsere Chance. Denn so wie die Schüttorfer Jungs denken viele in der Republik, die seit einem halben Jahr auf der Kicker Stecktabelle das Eintracht-Wappen nicht mehr versetzen mussten.

Nach dem Amateurkick ging es übrigens noch in eine Stadtkneipe, die letzten Minuten vom HSV-Spiel live sehen. Die Rentner hier waren sich auch hier allesamt einig, Hamburg steigt direkt ab. Was unsere Chancen ja auch nicht schmälern sollte – Schüttorf, das kleine Fußballorakel. Hoffen wir, dass sie Recht behalten!

 

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Autor

Robin Koppelmann

freier Journalist, u.a. für die neue Braunschweiger Zeitung, abseits° Magazin, FanPresse-Sprecher, Fotograf im Innenraum des Eintracht-Stadions, Moderator der "Löwenrunde", Stadionsprecher der Eintracht U19 und U23 und nun auch bei brilleblaugelb.de

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