FanSpiegel – Eintracht-Stadion: Garantiert für alle offen?

Beitrag von | 18.April 2014 | Kategorie: FanSpiegel
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Was unterscheidet das Eintracht-Stadion von der Allianz-Arena? Okey, das Publikum. Wir haben zum Glück keine peinlichen Menschen, die in Mäntel gehüllt sind, die stark an den Ku Klux Klan erinnern – und in dem Fall aber ein „T“ wie „Telekom“ bilden. Klatschpappen sind bei uns ebenfalls ein No-Go und naja, ohne übermäßig arrogant wirken zu wollen. Aber bei uns gibt es auch so etwas wie Stimmung, die findet man in der Allianz-Arena ja maximal in den Ultra-Blöcken (die es aus FCB-Vereinssicht ja auch dringend zu verbieten gilt).

Aber wir schweifen ab, denn es ist nicht nur das Publikum, das die Allianz-Arena vom Eintracht-Stadion unterscheidet, es ist auch das Stadion selbst. Unser Stadion liegt nicht wie ein fehlgeleitetes Ufo auf einer ehemaligen Mülldeponie vor den Toren der Stadt, sondern fußläufig von den Kneipen der City und mit entsprechend authentischem Charme. Auf der Rheingoldstraße ploppen vor dem Spiel die Biere, man trifft und unterhält sich. Ein Hauch von Bratwurst weht vorbei, in der „Wahren Liebe“ sitzen neuerdings sogar auch ab und an Fans der Gästemannschaft. Eine Fußballatmosphäre, wie sie sein soll – bei Flutlichtspielen noch durch die von weitem sichtbaren Masten verstärkt.

Das einzige, was man an der Allianz-Arena im Dunkeln sieht, ist rotes, weißes oder blaues Licht – wow! Und besonders wow für die Autofahrer auf der A9, die auf Höhe Arena nämlich verdammt aufpassen müssen, ihrem Vordermann nicht hinten draufzufahren, weil jener Vordermann gerade abrupt bremst um ein verwackeltes Handyfoto von der Arena zu machen. „Karl Gustav ist hier: München A9 – zehn Leuten ohne Plan gefällt das“.

Nein nein, das alles brauchen wir in Braunschweig nicht. Genauso wenig wie eine Bezahlkarte im Stadion, die ich hier mal außen vor lassen möchte (zu tiefes Fass). Zugegeben, die Bayern spielen in den letzten Jahren einen geilen Fußball, den man sich auch unter der Woche gerne im Fernsehen anschaut. Was der Verein aber sonst zu bieten hat, erschließt sich mir nicht.

Was das Eintracht-Stadion dagegen zu bieten hat, erschließt sich mir recht schnell. Das Stadion ist mehr als ein Bauwerk, es ist Teil der DNA des Vereins. Jeder, der nicht erst seit diesem Sommer zum Fan geworden ist, wird seine ganz persönlichen Geschichten mit dem Stadion verbinden und froh sein, dass es dieses Bauwerk gibt. Ja, es ist in gewisser Weise für die Fans eine Art Tempel, zu dem schon fast ritualisiert gepilgert wird. Am Spieltag, aber auch unter der Woche.

Beim Ticketkauf wird fix bei den Leichtathleten vorbeigeschaut, Cattiva malt gerade eine Choreo und die Fanhochschule führt die staunenden Kids durch das Rund. Am Trainingsplatz stehen Rentner und selbsternannte Experten, auf dem Hockeyplatz wird vielleicht gerade ein Spiel ausgetragen. Christel wuselt sowieso immer vorbei, sie alle sind ein Teil unserer Eintracht.

Dummerweise hat die Stadthallen GmbH jetzt Gründe (Link: http://www.fanpresse.de/?p=5030)  gefunden, weshalb das Stadion unter der Woche diese Identität verlieren soll. Es soll verschlossen werden, um zu verhindern, dass Fans dort Dinge treiben, die ein Fall für die Versicherung werden könnten. Sicher irgendwie verständlich und begründbar – denkt man aber an die bereits geschilderten Eigenschaften des Stadions, dann doch auch irgendwie paranoid.

Die Eintracht-Fanszene muss jetzt Flagge zeigen, sie muss sich gegen diese Art der Kommerzialisierung wehren. Ja, auch ein geschlossenes Stadion ist ein erster Schritt in die falsche Richtung, da es das bedroht, was unseren Verein ausmacht: Die Eintracht.

Autor

Robin Koppelmann

freier Journalist, u.a. für die neue Braunschweiger Zeitung, abseits° Magazin, FanPresse-Sprecher, Fotograf im Innenraum des Eintracht-Stadions, Moderator der "Löwenrunde", Stadionsprecher der Eintracht U19 und U23 und nun auch bei brilleblaugelb.de

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