Durch die Blume gesagt

Beitrag von | 03.November 2017 | Kategorie: Allgemein, Lage der Eintracht
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Sobald der SV Werder Bremen mal wieder einen neuen Trainer sucht, fällt in den Medien vorneweg immer der Name Lieberknecht. Danach kann man schon fast die Uhr stellen. Dieses Phänomen konnte man diese Woche einmal mehr beobachten.

Das liegt nicht zuletzt an der unerreichten Rhetorik unseres Coaches. Jeder erinnert sich an die emotionale PK nach dem 0-4 gegen Stuttgart, als er von Rücktrittsgedanken sprach. In der Woche darauf setzte sich etwas in Bewegung und alle Löwen rückten eng zusammen. Die Leute kamen in Scharen zum Training und stärkten der Mannschaft den Rücken. Am darauffolgenden Samstag passierte beim Auswärtsspiel in Golfsburg genau das, was viele nie für möglich gehalten hätten: Die „Fußballvorstadt der Provinz“ hat Hohn und Spott getrotzt und den Diegos, Dantes und Luiz Gustavos demonstriert, dass es um mehr als nur ein Spiel geht. 2-0!

Obwohl wir in dem Jahr oft hoffnungslos unterlegen waren, hatten wir bis zum letzten Spieltag die Chance, uns aus eigener Kraft zu retten.

„Düsseldorf und Kiel sind fast schon aufgestiegen. (…) So wie es aussieht, ist Düsseldorf fast schon aufgestiegen.(…) Wir haben viel mehr den Wunsch, aufzusteigen.“
(Torsten Lieberknecht in der Sportbild diese Woche)

Jeder, der solche Artikel konsumiert, ohne sie zu hinterfragen, denkt, unser Trainer würde die Flinte ins Korn werfen und den Aufstieg abhaken. Für mich ist es viel mehr eine echte Kampfansage, oben nochmal angreifen zu wollen.
Weder wollte er 2013 zurücktreten, noch maßt er einem zugegebenermaßen überraschend gut aufspielenden Aufsteiger aus Kiel zu, nach einem Drittel der Saison bereits so gut wie aufgestiegen zu sein.
Als Aktiver war Lieberknecht für seine Grätschen auf dem Platz bekannt, heute grätscht er von außen in die Unbekümmertheit der Überraschungsteams und sorgt für eine andere mediale Wahrnehmung.

Viele empören sich, dass der Verein nicht offensiver mit dem Thema Aufstieg umgeht. Hätte man man vor der Saison ganz klar Platz 1-2 als Saisonziel ausgegeben, stünde heute nicht ein einziger Zähler mehr auf unserem Konto.
Genauso sinnfrei wäre es, sich jetzt hinzustellen und auf einmal von der 1. Liga zu träumen. Damit würden sich alle Verantwortlichen erstmal ziemlich lächerlich machen und der aufkommende Druck wäre am Ende sogar kontraproduktiv.
Ob das, was nach außen getragen wird, auch den internen Ansprüchen entspricht, glaube ich kaum. Innerlich werden noch mehr die Zähne fletschen wie Gustav Valsvik bei seinem Torjubel in Dresden letzten Sonntag.

So wie wir für viele schon zur Winterpause damals als sicherer Absteiger galten, sind wir auch dieses Jahr quasi schon aus dem Aufstiegsrennen raus. Grund genug also einmal mehr zu beweisen, dass Löwen bis zum Schluss beißen und wir Fans uns unserer Träume nicht entledigen sollten, so schwer es nach dem ziemlich verkorksten Saisonstart fällt.

Vielleicht gibt es am letzten Spieltag in Kiel dann doch das Endspiel um den Aufstieg, mit dem keiner mehr gerechnet hat. Genau wie damals in Hoffenheim. Vielleicht wird Manni bei einem 0:2-Rückstand in der 60. Minute eingewechselt und schießt uns mit einem lupenreinen Hattrick und seinen Saisontoren 21-23 in Liga eins. Wer weiß? Unverhofft kommt oft…

Andernfalls freuen wir uns einfach, dass wir Fans des großartigsten Vereins der Welt sind.
Dranbleiben, Eintracht denken!

Autor

Moritz Fischer