Thekenexperten: Hobbyexperten und Zuordnungsprobleme

Beitrag von | 11.August 2014 | Kategorie: Thekenexperten

Mit dem Heimstart der Eintracht in der 2. Bundesliga ist es auch wieder an der Zeit, die gewohnten Spieltagsrituale aufleben zu lassen. Treffen mit den Blockpartnern, das erste Bier, hier und da ein kurzer Austausch mit Bekannten, ab zu dem Eingang, den man immer nimmt, die kurze und unmotivierte Suche nach Gefahrensgegenständen des gelangweilten Sicherheitspersonals über sich ergehen lassen, ab zum Bratwurststand, noch kurz ein Bier zapfen lassen – wobei die Beschreibung „kurz“ an dieser Stelle eher rhetorischer Art ist, scheint der Verein doch neuerdings die Einsparung der Bierbuden als neue Möglichkeit zur Kostenminimierung entdeckt zu haben – und ab geht es in den Block.Auch während der Partie ergeben sich altbekannte, etwas anstrengende, aber trotzdem irgendwie vermisste Gewohnheiten – vielleicht rührt eine gewisse Sehnsucht danach auch daher, dass man sich einfach gerne über die Kommentare selbstausgewiesener Fachleute aufregt. Dieses Phänomen ist besonders von Länderspielen bekannt: Da ist dann immer die Rede von 80 Millionen Bundestrainern. Gut, bei der Eintracht sind es dann nicht ganz so viele Fußballlehrer, aber 20.000 Zweitligatrainer waren auch am Samstag wieder vor Ort – mindestens.

Da wird dann schon mal objektiv analysiert, dass die blau-gelben Verteidiger den Ball doch bitte nicht so häufig – oder am besten gar nicht – zum Torhüter zurückspielen sollen, weil man so ja unmöglich Meter gutmachen kann (ein O-Ton meines Nachbarn war: „Mensch Deniz, so wird das doch nichts. Ihr müsst immer nach vorne spielen“). Eigentlich komisch, kristallisierten sich mitspielende Schlussleute doch jüngst als wertvolle Teile des Mannschaftsgefüges heraus. Aber da haben die zahlreichen Zweitligaübungsleiter den Bundestrainern gegenüber wohl noch taktischen Nachholbedarf.

Ein weiterer Experte bemerkte während des Spiels unentwegt, dass Vegar Hedenstad überall auf dem Platz zu finden war – mal mit der 30, mal mit der 13, mal der 19; selten aber mit der Rückennummer 2. Egal, bei der Vielzahl an Neuzugängen, die am Samstag auf dem Platz unterwegs waren, seien leichte Zuordnungsprobleme auch einem Kenner verziehen. Ist ja auch erst der zweite Spieltag.

Anschließend das sehnsüchtig vermisste Nachspiel. Wie schallte es früher immer so schön durch die Stadionlautsprecher: Nach dem Spiel ist vor der Theke. Also auf zur fröhlichen Post-Spielanalyse, heute im vereinseigenen Tennisheim. Da das Spiel zum Großteil schon abgearbeitet war, schwenkten die Hobbyscouts um und beschäftigten sich schon mal mit den kommenden Aufgaben. „Jetzt müssen wir nach Bochum und danach kommt Darmstadt, richtig?“, verpackte einer der Stammgäste sein sicheres Wissen vorsichtshalber in eine (rhetorische) Frage. „Richtig“, versicherte ihm sein bereits etwas Bierschwangerer, aber nicht minder gut informierter Kumpel.

Dann ist ja alles gut, und man darf sich auf weitere fachkompetente Analysen der 20.000 Profitrainer freuen – oder sich darüber aufregen, weil es so viel Spaß macht.

Autor

Christoph Köchy

Christoph Köchy schrieb die BZ-Kolumnen "Wahre Liebe ist..." und "Der Löwe lebt" und fand, es war an der Zeit für einen Eintracht Fan-Blog.