FanSpiegel – Neues Jahr, neue Herausforderungen

Beitrag von | 06.August 2014 | Kategorie: FanSpiegel
egalwohinderwinddreht_teaser

Neues Jahr, neue Herausforderungen – und ein neuer Gegner, mit dem es umzugehen gilt

Ein frohes neues Jahr – willkommen in einer neuen blau-gelben Saison! Eine Saison, die sicher ebenso viel Spannung verspricht, wie das Bundesliga-Jahr, denn auch jetzt kommt es mehr denn je auf uns Fans an. Und damit meine ich nicht nur die akustische Unterstützung auf den Rängen, sondern insbesondere unsere Fans als „Eintracht“.Vor ziemlich genau einem Jahr haben wir Appelle verfasst, die Fans mögen die Bundesliga-Saison sachlich und besonnen angehen. Sie mögen sich von sportlichen Misserfolgen nicht entmutigen lassen und in die Derbys bzw. Nachbarschaftsduelle mit der Feinfühligkeit gehen, die ein solches Spiel einfach braucht. Das Ergebnis war grandios: Braunschweig wurde von der Sportbild zum Fanstandort Nummer eins in Deutschland gewählt, die Derbys liefen trotz des Medienhypes glimpflich ab und am 34. Spieltag flossen bei Spielern und Fans Tränen der Emotionen und nicht der Verzweifelung, wie es an anderen Standorten der Fall war. Grandios!

Und genau so muss es jetzt weitergehen: Auch die neue Saison verlangt von jedem von uns ein gehöriges Maß an Liebe zum Verein, die jedoch mit Weitsicht und sachlicher Reife gepaart sein muss. Der Start in Düsseldorf war sportlich sehr vielversprechend – trotzdem ist das Ziel der Saison zunächst, „oben mitzuspielen“. Der Aufstieg ist ein „Kann“, kein „Muss“ und entsprechend sollten wir alle auf dem Teppich bleiben und uns an der Entwicklung des langsam umstrukturierten Teams erfreuen. Eine neue Generation wird die Bildfläche betreten, das Nachwuchsleistungszentrum wächst und gedeiht – wir sind auf dem richtigen Weg und mögliche sportliche Niederlagen, die es auch geben wird, sollten uns davon nicht voreilig aus der Bahn werfen lassen.

Bliebe daher noch das Thema Fanverhalten: Klar, ein Derby haben wir nicht mehr und entsprechend kein Spiel, auf das jeder schon mit der Spielplanveröffentlichung hingefiebert hat. Wobei: Halt – zumindest das Auswärtsspiel bei RB Leipzig ist sicher schon jetzt ein Duell, auf das auch bundesweit mehr als sonst geachtet werden wird. Es ist das erste Mal, dass sich unsere Eintracht sportlich mit dem Kunstprodukt von Red Bulls Gnaden messen muss – ein Unding für sich, das jedoch leider gehandelt werden will. Und daher haben wir in Braunschweig frühzeitig versucht, richtige Weichen zu stellen: Bei einer offenen FanParlamentssitzung hatte jeder (!) die Chance, seine Sichtweise zu einem Boykott und weiteren Maßnahmen rund um das Spiel mitzuteilen. Herausgekommen ist die bekannte „Doppelspieltagslösung“ für das Auswärtsspiel, die, wenn sie umgesetzt werden kann, sicher Signalwirkung für andere Städte haben dürfte. Zusätzlich kam aus dem Plenum die Idee auf, Red Bull ebenfalls aus der Stadiongastronomie „Wahre Liebe“ zu verbannen – ein Schritt, dem die Wahre Liebe dankenswerterweise schnell folgte und der ebenfalls Signalwirkung haben kann.

neinzuredbull

Denn eins sei an dieser Stelle klar gesagt: Es ist schlimm genug, dass wir gegen RB Leipzig spielen müssen – da sind sich wohl alle einig. Viel schlimmer wäre es aber, wenn jetzt Eintracht-Fans untereinander anfangen, sich wegen dieser oder jener Aktion im Umfeld des Spiels zu kritisieren. Es wäre fatal, wenn wir uns durch ausgerechnet dieses sinnlose Spiel selbst schaden würden, denn ja: Natürlich war es Eintracht, die vor Jahrzehnten den Hirsch auf das Trikot holte und damit dem Kommerz Tür und Tor öffnete. Aber sind dann nicht gerade wir Eintracht-Fans der aktuellen Generation umso mehr in der Pflicht, gegen neue – und in dem Fall noch krassere – Auswüchse des modernen Fußballs einzuschreiten? Kaum jemand kann heute etwas für Dinge, die in der Vergangenheit passiert sind – wir sind jedoch in der Pflicht, kritisch gegen neue „Fehler“ vorzugehen.

Und das gelingt uns nur gemeinsam: Die FanParlaments-Sitzung stand jedem offen und auch zukünftig laden der FanRat und alle aktiven Gruppen zu einem gemeinsamen Diskurs rund um das Spiel ein. Wir wollen einen gemeinsamen Weg finden, mit diesem unsäglichen Duell umzugehen und idealerweise dabei sogar auch selbst noch an einträchtiger Stärke zu gewinnen. Unsachliche Facebook-Pöbeleien helfen da wenig – jeder ist eingeladen, seine Meinung einzubringen, so er sie ehrlich vertritt. Denn diejenigen, die derzeit an dem Doppelspieltag arbeiten, tun dies absolut aufrichtig – aber sicher nicht aus eigenem Ego, Pseudo-Moral oder Kleingeistigkeit, sondern weil sie ihre Werte offen artikulieren und dafür eintreten. Wer glaubt, hier würden verblendete Idealisten, die in Wahrheit in der Disco zur Red Bull-Dose greifen, und parallel hoffen, einen Weltkonzern zerschlagen zu können, durch die Gegend laufen, hat einiges nicht verstanden.

Jeder hat die Chance ein Teil des Prozesses, ein Teil der aktiven Fanszene zu werden – nutzt sie, damit wir eine erneut geniale blau-gelbe Saison erleben!

Autor

Robin Koppelmann

freier Journalist, u.a. für die neue Braunschweiger Zeitung, abseits° Magazin, FanPresse-Sprecher, Fotograf im Innenraum des Eintracht-Stadions, Moderator der "Löwenrunde", Stadionsprecher der Eintracht U19 und U23 und nun auch bei brilleblaugelb.de

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.