Warum der Dauerkartenpreis unsozial ist

Beitrag von | 08.Juni 2018 | Kategorie: Just one before I die

Eins vorweg, inwieweit der Dauerkartenpreis fair ist, ist mir relativ egal. Wie ihr wisst, geht es mir ausschließlich darum einen Titel mit unserer Eintracht zu gewinnen. Daher betrachte ich den Dauerkartenpreis ausschließlich vor dem Hintergrund, die Einnahme hieraus zu maximieren. Geld schießt halt doch irgendwie Tore. En passant ist mir dabei jedoch aufgefallen, dass bei der Preisgestaltung eine bedeutende Ineffizienz vorliegt, welche die meisten Beobachter als unsozial betrachten würden.

Wie sollte der Preis einer Dauerkarte also bestimmt werden um die Einnahme zu maximieren? Nach Qualität der gezeigten Spiele, also billiger in der 3. Liga? Klingt irgendwie fair, aber zahlt ihr eure Konzerttickets nach letzter Chartplatzierung des Künstlers? Oder sollte man die Kosten für den Platz heranziehen? Klingt logisch und auch irgendwie fair, aber abgesehen davon, dass die Kostenschätzung hier schwerfällt, scheint jeder Biertrinker im Stadion zu akzeptieren, dass das Bier hier teurer ist, als bei Aldi. Wieso also dieses Geld entgehen lassen? Zum Glück hat die Wirtschaftswissenschaft ein universales und einfaches Modell der Preisgestaltung, so dass man sich nicht selbst den Kopf zerbrechen muss.

Die Theorie besagt, dass zur Umsatzmaximierung vom Unternehmer ein Preis gesetzt werden sollte, bei dem angesichts der Nachfrage, eine für ihn optimale Kombination aus Preis und Menge abgesetzt wird. Eine Besonderheit bei Dauerkarten ist hierbei zunächst die maximale Menge. Es ist einfach nur eine gewisse Anzahl an Plätzen vorhanden, die können nicht beliebig nachproduziert werden. Umgekehrt ist es schädlich für andere Einnahmen wie das Sponsoring, wenn das Stadion nur mit 1000 Leuten besetzt ist. Daher sollte man versuchen den höchsten Preis zu setzen, bei dem das Stadion gerade noch voll wird.

Somit ist die Menge an Tickets, die wir absetzen wollen klar, fehlt noch der Preis. Den besten Preis könnte man setzen, wenn man wüsste was die Nachfrager ausgeben möchten. Nur leider kennt man diese Zahlungsbereitschaft selten. Es sei denn man hat einen Kunden der unnötiger Weise sagt, was er zahlen möchte (also im Küchengeschäft lieber nicht sagen, dass ihr 5000 Euro ausgeben wollt, denn dann bekommt ihr bestimmt keine Küche unter 5000 Euro). Aber fragen kostet ja nichts. Mich hat Eintracht noch nie gefragt, was ich für die Karte bereit wäre zu bezahlen.

Das Ergebnis der Preissetzung nach purer Vermutung zur Zahlungsbereitschaft lässt sich dann alle zwei Wochen im Eintracht-Stadion bewundern. Einige billige Sitzplätze in der Kurve sind noch frei, wohingegen die teuersten Sitzplätze in der Mitte immer besetzt sind. Das heißt also, dass die Zahlungsbereitschaft der nicht ganz so zahlungskräftigen Kundschaft gut abgeschöpft wird. Bei der Kundschaft auf den teuersten Plätzen, liegt die Vermutung jedoch nahe, dass hier mehr zu holen ist. Insbesondere wenn man bedenkt, dass die teuersten Sitzplätze in der letzten Zweitliga-Saison fast nirgends so günstig waren wie bei unserer Eintracht. Sozial ist anders und sicherlich einen Versuch der Preiserhöhung wert.

Das Schöne am digitalen Zeitalter ist jedoch, das man nicht mehr glauben oder probieren muss, da man wissen kann. Die Zahlungsbereitschaft lässt sich nämlich leicht per Auktion abfragen. Und das geht so: Alle Dauerkartenbesitzer werden gebeten einen Preis (oberhalb des aktuellen Dauerkartenpreises für ihren Block) zu nennen, den sie bereit wären zu zahlen, wenn sie sich im Block den besten Platz aussuchen könnten. Sind diese Gebote eingegangen, wählt das höchste Gebot zuerst einen Platz im Block aus, dann das zweithöchste Gebot usw. Man könnte bisherigen Platzinhabern die Chance geben, mit dem höheren Gebot gleichzuziehen und dadurch ihren Platz zu behalten. Der Höchstbietende würde dann solange bei seiner Platzwahl “ausweichen“ müssen, bis ein bisheriger Platzinhaber das Gebot nicht matched. Möchte jemand keinen der noch verfügbaren Plätze zu seinem ursprünglichen Gebotspreis erstehen, kommt der nächste Bieter an die Reihe. Lässt sich alles online einfach abwickeln.

Wenn unserer Eintracht eine Auktion zu kompliziert oder provokativ ist, empfehle ich jedoch mindestens eine stärkere Differenzierung der Preise. Es braucht wohl keine Auktion um zu wissen, dass die Plätze auf Höhe der Mittellinie oder auf mittlerer Höhe der Tribüne begehrter sind, als Plätze am Rand des Blocks (als Dauerkarteninhaber aus Reihe 5 spreche ich hier aus Erfahrung, denn neben der schlechteren Sicht wird man auch nass bei Regen). Nur leider kosten im Moment alle Karten im Block das gleiche. Eine Preisdifferenzierung nach einzelnen Reihen oder kleineren Abschnitten findet nicht statt.

Wer sehen möchte, wie das richtig geht, versucht einfach mal online eine Karte für ein NBA-Spiel zu erwerben. Und wenn dann doch einmal ein Platz freizubleiben droht, werden die Karten einfach an Schulkinder verschenkt. Sozusagen als Investition in die Zukunft. Zumindest das gezielte verschenken von Karten hat sich Hertha BSC für die kommende Saison von den Dallas Mavericks abgeguckt. Es wird bestimmt noch Schule machen in der Bundesliga.

Autor

Rainer Rex

Rainer wurde Anfang der 90iger vom Eintracht-Virus erfasst. Als er '93 das Stadion nach dem Abstieg verließ, ärgerte er sich über das anstehende Jahr dritte Liga. Leider kam es anders und er lernte Norddeutschlands Dorfplätze kennen. Da er meistens den Wagen fuhr und selten drei Punkte im Gepäck waren, hatte er viel Zeit zum Nachdenken. Als Fußballer hatte er es nur in die Kreisklasse geschafft, also konzentrierte er sich darauf, wie man gewinnen kann ohne mit dem Ball zu arbeiten.