Die fehlende Wertschätzung eines Ehrenmannes

Beitrag von | 25.Juni 2019 | Kategorie: Lage der Eintracht

Unser Trainer André Schubert wechselt zur kommenden Saison zu Holstein Kiel. Die Kehrtwende seiner Aussage und der damit verbundene Abschied ist ein Sinnbild seines Werdegangs. Mit vielen Vereinen, die er trainierte, war er in kurzer Zeit sehr erfolgreich, genauso schnell aber auch wieder verschwunden. Es ist nicht leicht, an ihn heranzukommen, da er eben kein nahbarer Typ ist, sondern lieber auf Distanz geht.

In der Dokumentation „Trainer“ betonte er, dass er sich alles durch harte Arbeit selbst verdient habe. Er war kein großer Fußballer, der dicke Autos fuhr und schon in jungen Jahren finanziell ausgesorgt hatte. Er spielte selbst aktiv in Rothwesten, Wolfsanger, Lohfelden, Vellmar und Baunatal, zudem zahlte er sein Studium aus eigener Tasche. Heute darf er trotzdem im Managermodus mitspielen, tat das sogar schon in der Champions League.

Sein Ehrgeiz mit der Mannschaft geht mit der eigenen Selbstdarstellung und dem offensichtlichen Wunsch nach Anerkennung einher. Er übernahm trotz seiner Vita die am Boden der dritten Liga liegende Eintracht, um es sich und allen anderen zu beweisen. Sein Wunsch, sich selbst zu verwirklichen und die  Selbstüberzeugung in das eigene Handeln, die ihn generell offensichtlich kaum vom eigenen Weg abrücken lässt, standen in der Vergangenheit längerfristigen Beschäftigungen im Wege. Es hat eigentlich immer geknallt, so auch bei der Eintracht.

Das ist zum einen schade, da er mit Sicherheit weiterhin einen guten Job gemacht hätte. Das fehlende Bekenntnis des Vereins bezüglich seiner Person nahm er allerdings dankend als Grund an, um den Wechsel nach Holstein zu rechtfertigen.

Unter anderem durch ihn haben wir es am Ende geschafft, nicht ausschließlich. Denn es gab mehrere Faktoren, die am Ende für unseren Erfolg verantwortlich waren. Zum Beispiel: viele Sponsoren, die Südkurve, Benny Kessel, und Christian Flüthmann, um nur einige zu nennen.

Letztgenannter schlüpft nun in die Rolle des Cheftrainers und wird zeigen, dass selbst ein André Schubert zu ersetzen ist. Das soll nicht heißen, dass er gar keinen Anteil am Nichtabstieg hatte. Es soll nur klar werden, dass es so viel mehr Faktoren gibt, an die man anknüpfen kann, um die gute Rückrunde in der Spielzeit 2019/20 fortzusetzen.

In neuer Konstellation erklärte man kürzlich auf einer halbstündigen Pressekonferenz, wie die kommende Saison angegangen werden soll. Alle Personen auf dem Podium wirkten mehr als fokussiert und alleine dieser Auftritt macht Mut für die Zukunft unserer Eintracht. Peter Vollmann, der Drittligaexperte vom Dienst, bringt neben seiner Kompetenz auch eine gewisse Ausstrahlung mit. Gleiches kann man über Tobias Rau sagen, dessen Wirken dem Verein ebenfalls gut zu tun scheint.

Auch Christian Flüthmann wusste bei dem Auftritt zu überzeugen und zeigte sich stolz, nun der Cheftrainer des BTSV sein zu dürfen. Insgesamt wirkt die Zusammenstellung der Verantwortlichen sehr stimmig und die Mischung scheint zu passen. Erfahrung paart sich mit frischem Wind und man kann wieder so etwas wie Kontinuität erkennen. Die im letzten halben Jahr erarbeitete Spielidee soll nun fortgesetzt und kontinuierlich weiterentwickelt werden.

Auch der fehlenden Erfahrung von Christian Flüthmann muss man nicht zu skeptisch gegenüberstehen. Denn in stressigen Momenten gibt es immer noch unseren neuen Sportdirektor, der den gröbsten Gegenwind, der mit Sicherheit kommen wird, vom neuen Chef an der Seitenlinie abhalten wird und somit dem ganzen Konstrukt Stabilität verleiht.

Nachdem jetzt aber nun feststeht, dass uns der Kopf der erfolgreichen gemeinsamen Mission des letzten verlässt, verneigen wir uns ein letztes Mal vor ihm. Natürlich ist es eine Frage des Anstands, nun mit etwas Verspätung Respekt davor zu zollen, dass er in der Lage war, mehrere Positionen gleichzeitig auszufüllen und sich unermüdlich nicht davor scheute, das auch zu tun.

Wir halten dabei fest, dass seine Verpflichtung ohnehin ein Glücksfall für die Eintracht war. Zielstrebig, erfolgreich und bescheiden sind Prädikate, die ihn auszeichnen und ihn im Verein sicherlich unvergessen machen. Daher gehen wir nun auf die Knie, klatschen in die Hände, drehen uns dabei dreimal im Kreis und sagen voller Hochachtung:

Danke Mergim Feijzullahu und alles Gute in Saarbrücken, du Ehrenmann! Man mag sich gar nicht ausmalen, wo der Verein ohne deine beiden Tore beim 2:4 in Meppen heute stehen würde.

Autor

Moritz Fischer