Die Löwen bitten zum Tanz

Beitrag von | 26.Januar 2020 | Kategorie: Lage der Eintracht

Wer in den letzten Tagen desöfteren von glücklichen Menschen mit strahlenden Gesichtern umgeben war, dem war direkt klar: Das sind Fans der Braunschweiger Eintracht, die sich freuen, dass der Ball endlich wieder rollt. Es ist ein Phänomen, das nach gar nicht allzu langer Pause wie dieser, die sich erneut aber eher wie eine halbe Ewigkeit angefühlt hat, immer wieder auftritt. Sei die Freude mit uns!

Am 05.01. begann die Rückrundenvorbereitung, sodass unsere Profis am kommenden Sonntagmittag exakt vier Wochen Zeit hatten, um die Weihnachtsgans abzutrainieren, den Körper wieder in Schuss zu bringen und den letzten spielerischen Feinschliff zu bekommen, damit sie das Löwenduell im Stadion an der Grünwalder Straße bei Sechzig München für sich entscheiden können.

Personell muss Coach Marco Antwerpen zwar auf Marc Pfitzner verzichten, der aufgrund seiner gelb-roten Karte aus dem Spiel gegen Magdeburg gesperrt fehlen wird, bekommt durch die Rückkehr von Stefan Fürstner aber direkt eine wie auf dem Silbertablett servierte Startelfoption. Er könnte dem Spiel nochmal eine andere Note verleihen, wahrscheinlich nicht durch Dribblings in den gegnerischen Strafraum oder Traumtore aus 25 Metern, dafür aber durch sein Auftreten und seine Art, die Mannschaft mitreißen zu können.

Zwei weitere Hoffnungsträger wurden kürzlich von Peter Vollmann an Land gezogen und sollen dem Trainer weitere Alternativen bieten. Marvin Pourié, der einst für den FC Liverpool kickte und im letzten Jahr Torschützenkönig der dritten Liga wurde, wechselt bis zum Saisonende auf Leihbasis zur Eintracht, die sich darüberhinaus eine Kaufoption gesichert hat. Außerdem wird sich Merveille Biankadi im nächsten halben Jahr das blau-gelbe Trikot überstreifen, er wurde vom 1. FC Heidenheim ausgeliehen. Herzlich Willkommen!

Eintracht schmeißt die nächsten Kohlen ins Feuer, damit die Flamme immer größer wird beziehungsweise „die Wahrscheinlichkeit steigt, das Spiel zu gewinnen“, um es in zeitgerechter Fußballlehrersprache aus dem Jahr 2020 auszudrücken. Die Kehrseite der komfortablen Situation, zwei so hochkarätige Spieler überhaupt im Winter verpflichten zu können, sind die verbrannten Kohlen im Feuer.

So wurde Trainer Christian Flüthmann bereits aussortiert, genau wie Orhan Ademi, der jetzt für Marvin Pourié Platz machen soll. Dafür gibt es sicherlich eine Vielzahl an Gründen, aber man fragt sich schon, welche Punkteausbeute der 37-jährige Trainernewcomer Flüthmann hätte erreichen sollen und wie viele Tore Ademi, der seine Stärken nicht erst seit dieser Saison eher mit dem Rücken zum Tor hat, bei der kurzen Spielzeit in der Hinrunde hätte erzielen müssen, um nicht ausgetauscht zu werden. Es klafft anscheinend eine Lücke zwischen Anspruch und Realität, dessen Folge das Verbrennen von Personal auf und neben dem Platz ist.

Hierbei kann man Peter Vollmann keinen Vorwurf machen, denn die Zeiten sind vorbei, als sich unser Verein noch eines hervorragenden Scoutingnetzwerkes bedienen konnte und man Leute wie Omar Elabdellaoui von Manchester Citys U23 oder Joseph Baffo von Halmstadts BK aus Schweden für die Eintracht begeistern konnte. Die Transfers von unserem Sportdirektor und Drittligapapst wirken etwas uninspiriert, allerdings kann man nicht Vollmann diesen fehlenden Horizont ankreiden, sondern ihm eher dazu gratulieren, im Rahmen seiner Möglichkeiten zwei solche Hochkaräter verpflichtet zu haben.

Es geht zum Einen um den sportlichen Erfolg, der über Allem stehen muss und zum Anderen um die Art und Weise, wie man dort hinkommt. Die Spieler, die wir bereits am Anfang der Runde geliehen haben (Amade, Kammerbauer, Goden) kommen nicht auf die erhofften Spielminuten und werden nach aktuellem Stand der Dinge über die aktuelle Spielzeit hinaus für eine feste Verpflichtung nicht in Frage kommen.

Für den 29-jährigen Pourié besitzt Eintracht zwar eine Kaufoption, sollte Merveille Biankadi allerdings in der Rückrunde so gut spielen, dass er sich für eine Verpflichtung bei der Eintracht empfiehlt, wird ihn Heidenheim mit Sicherheit nicht ziehen lassen. Nur gute Leistungen der ver- und geliehenen Spieler sorgen dafür, dass alle Seiten von der Vereinbarung profitieren, wodurch sich Kritik und Skepsis automatisch in Luft auflösen.

Trotzdem schlummert im aktuellen Kader noch mehr, als er bisher gezeigt hat und wäre aus der Mannschaft heraus noch mehr gekommen, hätten jetzt keine neuen Kohlen in Form von Pourié und Biankadi ins Feuer geschmissen werden müssen, damit dieses am Lodern bleibt. Die Opfer sind Spieler, die eigentlich keine wirkliche Chance bekommen haben.

Eintracht hat dadurch aber auch unterstrichen, dass der Aufstieg das Ziel ist und somit ein klares Zeichen gesetzt. Wie nachhaltig dieses Modell ist, wird sich zeigen, denn nur die Mannschaft kann durch ihre Art Fußball zu spielen einen Charakter auf dem Platz entwickeln, den es erfordert, um bis zum Schluss ganz oben dranzubleiben und im Umfeld eine Aufstiegseuphorie zu entfachen.

Wenn dem Team das gelingt, schweißt das die Gruppe nochmal enger zusammen und wir reden hinterher von einer Erfolgsgeschichte, die nächstes Jahr im Bundesligaunterhaus weitergeht. Es wäre sicherlich die komfortablere Situation, die siebzehn Spieler, dessen Verträge am Ende der Saison auslaufen, als Zweitligist und nicht als Drittligist zu halten oder ersetzen zu müssen.

Bis es soweit ist, muss sich Blau-Gelb im Vergleich zu den letzten Auftritten der Hinrunde aber leistungstechnisch erstmal deutlich steigern, um dementsprechend zu punkten und durch ein geschlossenes Auftreten ein mannschaftliches Gesicht auf dem Platz entwickeln. Bisher haben wir zwar auch schon einige gute Auftritte unserer Löwen gesehen und alleine unser vierter Tabellenplatz sagt aus, dass nicht alles falsch gelaufen sein kann.

Pfitzner, Kessel und Feijzic sind Gesichter der Eintracht, weil man sie mit dem Erfolg vergangener Tage in Verbindung bringt. Diese Jungs haben mittlerweile schon ein ordentliches Fußballeralter erreicht und es ist nun an der Zeit, dass die Nächsten nachrücken. Das kann einer der Leihspieler sein, der in den nächsten achtzehn Spielen richtig durchstartet und dann letztendlich doch fest verpflichtet wird und uns somit länger Freude bereiten kann.

Vielleicht schießt aber auch Yari Otto elf Tore in der Rückrunde und bereitet vier weitere Treffer vor, ballert uns so zum Aufstieg und feiert durch seinen Hype mit zwanzig Jahren doch noch das Comeback auf der Zwiebackpackung. Selbst wenn dem nicht so ist und stattdessen Ramona Perthel im kommenden Jahr die Tagesthemen moderieren und Eintracht Braunschweig am 16.05. nach dem Spiel in Meppen nur Tabellenfünfter sein sollte, würde die Welt nicht untergehen.

Die Ziele sind ambitioniert, klangvolle Spieler werden geholt und der Ex-Trainer beklagt sich in den Gazetten öffentlich über den schlechten Umgang mit ihm. Eigentlich fehlt in dieser Geschichte nur noch Klaus-Michael Kühne und es klingt, als spräche man vom HSV. Erstmal ist es hierbei gut, dass wir weder Fan vom HSV sind, noch so einen Schaumschläger wie Kühne in unseren Reihen haben, dem wir ganz tief in den Allerwertesten kriechen müssen, um so noch tiefer ins Portemonnaie zu gelangen.

Auch wenn es sich zuletzt nicht mehr so angefühlt hat, sind wir immer noch ganz dick im Aufstiegsgeschäft und sollten bei aller Skepsis nicht vergessen, dass wir in diesem Jahr etwas richtig Großes erreichen können, was man in vollen Zügen genießen sollte. Dafür muss jeder Einzelne auf und neben dem Platz alle Kohlen in die Glut schmeißen, die er hat, damit das Feuer auch am Ende der Saison noch brennt. Neuverpflichtungen sind dann vielleicht ein kurzfristiger Brandbeschleuniger, mittelfristig müssen aber die Zündungen von der Mannschaft aus kommen, damit sich die Euphorie nicht einfach in Schall und Rauch auflöst und der Effekt nicht verpufft.

Wie schön, dass der Fußball am Ende aber doch recht einfach gestrickt ist und nach wie vor die simple Regel gilt: Was zählt, ist auf’m Platz. Am Sonntag beginnt der Aufgalopp zur fulminanten Rückrundentour unter der Münchener Mitagssonne an der Gründwalder Straße, Fußballherz was willst du mehr…

Kämpft wie die Löwen!

 

 

Autor

Moritz Fischer