Die Gefühle haben Schweigepflicht

Beitrag von | 03.November 2018 | Kategorie: Lage der Eintracht

„Ein Spiel dauert 90 Minuten und am Ende gewinnen die Deutschen“ hat der ehemalige englische Nationalspieler Gary Lineker einst gesagt. Das Spiel gegen den Spitzenreiter aus Osnabrück demonstrierte allerdings die mittlerweile bei uns Einzug gehaltene Fußballweisheit „Ein Spiel dauert neunzig Minuten und am Ende verliert die Eintracht“, wobei es nach diesem Spiel und dem betriebenen Aufwand unserer Jungs eigentlich nur einen Sieger hätte geben dürfen. Eigentlich. Am Ende brachte uns das Spiel trotz des guten Auftritts aber genauso viel wie die deutlichen Niederlagen in Haching und Meppen: gar nichts.

In Osnabrück sprach man vorher schon vom „Derby-Kribbeln“ und bejubelte nach dem 4:3-Erfolg den „Derby-Sieg“ auf der 200km langen Heimreise ausgiebig. Nachdem sie das erste „Derby“ der Saison gegen Preußen Münster schon gewinnen konnten, bei dem der Endstand von 3:0 keinesfalls das Spiel widerspiegelte, steht nun wahrscheinlich das nächste „Derby“ gegen Uerdingen, das sogar noch zwanzig Kilometer näher an Osnabrück dran ist als BS, für sie an. Anscheinend haben unsere niedersächsischen Freunde einfach zu viel Hass über, um aus jedem Spiel ein Derby machen zu müssen, was vielleicht auch an ihrer Vereinsfarbe liegen könnte, schließlich steht lila für sexuelle Frustration. Egal.

Das vergangene Spiel hat dennoch Mut für die nächsten Wochen gemacht. Ob es der beste Heimauftritt war, ist in Anbetracht der vier Gegentore, schwer zu sagen. Allemal war es der Ansehnlichste. Die Kaltschnäuzigkeit der Gäste vor unserem Tor war ziemlich beeindruckend, die Fehlentscheidung des vermeintlichen Unparteiischen Pascal Müller jedoch der eigentliche K.O.-Schlag, der uns auf die Verliererstraße gebracht hat. Wie unser neuer Trainer aber nun richtigerweise vor dem Spiel gegen Sonnenhof Großaspach sagte, solle sich die Mannschaft auf das konzentrieren, was vor ihr liege, „nur die Dinge kann man beeinflussen“.

Auch wenn wir uns auf einem ganz schmalen Grat zwischen Zuversicht und Sorge befinden, macht unser neuer Coach einen entschlossenen und überzeugenden Eindruck, das Ruder herumreißen zu können. Natürlich darf man nicht vergessen, dass wir unter ihm beide Spiele verloren haben. Nichtsdestotrotz war sowohl gegen den TSV als auch gegen den VfL Osnaglück eine klare Leistungssteigerung zu erkennen.

Beim ersten Auftritt unter seiner Regie bei 1860 standen wir defensiv kompakt wie nie zuvor in dieser Saison. Der zweite Auftritt bewies, wie gut unsere Truppe selbst gegen die Mannschaft der Stunde nach vorne spielen kann. Diese Entwicklungen, wohlwissend dass sie zu keinem einzigen Punkt geführt haben, waren an den ersten elf Spieltagen in der Schnelligkeit nicht zu erkennen. Natürlich brauchen Veränderungen Zeit, bis sie fruchten. Bei bereits sechs Punkten Rückstand auf das rettende Ufer haben wir davon leider nicht allzu viel. So richtig es ist, dass Regionalligisten aufsteigen, wenn sie in ihrer Liga Erster werden, müssen wir tunlichst aufpassen, nicht das erste Opfer der Vier-Absteiger-Regelung zu werden.

Wenn es Blau-Gelb aber tatsächlich gelingen sollte, die defensive Stabilität gegen München und den offensiven Mut gegen den VfL zusammenzubringen, dann dürfen wir uns auch endlich wieder über Siege freuen und können zufriedener ins Bett, zur Arbeit oder sonst wo hingehen. Damit sollten wir bestenfalls schon am Samstag in Großaspach anfangen, wobei unsere Mannschaft wieder von 500 Fans unterstützt wird.

Dort wartet nicht nur die SG Sonnenhof auf uns, sondern auch Andrea Berg. Als Frau der Öffentlichkeit muss man sich in Deutschland anscheinend irgendeinen Fußballverein aussuchen, um richtig wahrgenommen zu werden. Angela Merkel ist Ehrenmitglied bei Energie Cottbus und die besagte Schlagersängerin bekennender SGS Fan, da sie aus dem Kaff kommt. Es sei ihnen gegönnt.

Immer wieder ist das Kopfproblem in unserer Mannschaft ein Problem. Natürlich hat sie sich nie aufgegeben und bis zum Schluss alles reingehauen, um zumindest einen Punkt mitzunehmen. Die Tore fielen aber sowohl in München als auch am Freitag unmittelbar nach der Halbzeit, direkt nach selbst erzielten Toren beziehungsweise nach dem unberechtigten Elfmeterpfiff. Daran merkt man, warum André Schubert diese mentale Komponente so eindringlich hervorhebt. Einfach machen, nicht so viel denken. Klingt ziemlich doof. Andrea Berg würde sagen „die Gefühle haben Schweigepflicht“. Klingt direkt besser.

ZUSAMMEN ZUM SO WICHTIGEN AUSWÄRTSSIEG! Auf geht’s, ihr Löwen.

Autor

Moritz Fischer