Der blau-gelbe Geduldsfaden

Beitrag von | 10.August 2018 | Kategorie: Lage der Eintracht

Innerhalb von nur anderthalb Wochen hat unsere Eintracht nun schon die ersten drei Spiele in der dritten Liga bestritten. Die (An)Spannung war groß und die Vorfreude ebenfalls, schließlich wurden trotz des Abstiegs wieder knapp 13.000 Dauerkarten verkauft, sodass es selbst gegen den FSV Zwickau am Dienstagabend über 17.000 Menschen ins Eintracht-Stadion zog. Das sind Zahlen, auf die man durchaus stolz sein kann und die symbolisieren, wie leicht diese Stadt für ihren Verein zu begeistern ist.

Das Fundament dieser Begeisterung ist aber immer noch der Fußball, den die Mannschaft spielt. Egal in welcher Liga. Der Abstieg wurde nun heruntergeschluckt und das neue Löwenrudel bekommt völlig zurecht die Chance, bei Null anzufangen. Das erste Heimspiel gegen das „Spitzenteam“ aus Karlsruhe machte Mut und bestätigte die Verantwortlichen fürs Erste in dem Weg, den sie eingeschlagen haben. Gegen Rostock präsentierten sich die Jungs zwar ebenfalls in der Anfangsphase teilweise spielstark, konnten am Ende aber nur von Glück reden, den Löwenpopo nach diesem naiven Auftritt letztendlich nicht richtig versohlt bekommen zu haben. Auch der FSV aus der weltweit bekannten Fußballmetropole Zwickau (das ist da, wo der amerikanische Trainer das beste Deutsch aller im Verein spricht) musste nicht sonderlich viel tun, um gegen uns ein Tor zu schießen.

Als Eintracht-Fan muss man naturgemäß leiderprobt sein und einen langen Geduldsfaden besitzen. Den bekommt man in die Wiege gelegt. Die unzähligen Punkteteilungen im vergangenen Jahr lieferten sowohl positiven als auch negativen Interpretationsspielraum, da man sich einerseits auf die Schulter klopfen konnte, mal wieder ungeschlagen geblieben zu sein. Andererseits biss man sich oft in den Allerwertesten, die Partie erneut nicht gewonnen zu haben. So kam es insgesamt sehr schleichend zum Supergau, obwohl doch die meisten bis zum Schluss geduldig vom Besten ausgingen. Das ist Schnee von gestern und sollte die heutige Mannschaft, die zum Großteil die allerersten Meter im blau-gelben Dress zurücklegt, nicht belasten.

Trotzdem kann nicht jede misslungene Aktion mit der fehlenden Erfahrung unserer Neuzugänge begründet werden, da man sich bewusst für diesen Weg entschieden hat. Jemandem Verantwortung zu schenken und ihm somit Chance zu geben, sich so zu beweisen, ist immer mit Kritik verbunden. Diese kann positiv oder negativ ausfallen und muss immer differenziert betrachtet werden. Wenn Ivan Franjic, der vor der Saison aus Halberstadt kam, nach gefühlt achtzig Dribblings und hundert mal so viel gelaufenen Kilometern unglücklich den Ball verliert, ist das halb so wild.

Die Fehler, die zu den Toren oder glasklaren Torchancen gegen uns geführt haben, kann man nicht so einfach abtun.

Als Verein, der die Selbstwahrnehmung eines Aufstiegsaspiranten hat, darf man sich in Rostock nicht so vorführen lassen und Zwickau zu Hause ruhig mal schlagen. Einfacher gesagt als getan. Aber wie lange hält der blau-gelbe Geduldsfaden den nicht zufriedenstellenden Ergebnissen noch stand und wann reißt selbst der dann mal?

Der Abstieg kam plötzlich und man konnte sich nicht darauf einstellen. Nun geht die neue Saison los und alle haben eigentlich keine Wahl, als direkt wieder gut drauf zu sein. Grund dafür lieferte das neue Löwenrudel sportlich leider nur teilweise. Nach dem Unentschieden zuletzt schien erneut die Zufriedenheit der Unzufriedenheit zu überwiegen. Auch hier ist jedem selbst überlassen, ob er uns als die überlegene Mannschaft (11:0 Ecken) einschätzt oder als „Dusel“-Truppe, die nur in der Lage ist, ein Tor durch einen unberechtigten Elfmeter zu erzielen. Gott sei Dank, dass Drittliga-Schiris keine Rechtecke in die Luft malen und man sich beim Pfiff sicher sein konnte, dass die Entscheidung nicht noch zurückgezogen werden kann.

Nun steht das nächste wirklich schwere Auswärtsspiel in Wiesbaden an und eigentlich ist vorher bereits klar, dass die Mannschaft sich bei einem vermeintlich schlechten Ausgang der Partie theoretisch in genug Ausreden flüchten könnte, da die Wiesbadener so stark bzw. ambitioniert und wir so jung sind. So macht man es sich zu leicht, denn:

Nichtsdestotrotz haben wir den vielleicht höchsten Etat der Liga. Von unseren Rahmenbedingungen träumen einige andere Vereine nur, sodass wahrscheinlich nur der 1. FC Kaiserslautern ein ähnlich hohes Maß an Professionalität vorzeigen kann. Der aktuelle Spitzenreiter aus Cottbus konnte aufgrund finanzieller Engpässe seit zwei Jahren nicht ins Trainingslager fahren, wohingegen unser Co-Trainer mit Stöpsel im Ohr auf der Trainerbank sitzt, um taktische Einschätzungen aus Tribünensicht aufzuschnappen. Daher muss man den gewaltigen Umbruch auch immer ins Verhältnis der Liga-Bedingungen setzen.

All das klingt ziemlich negativ, soll es aber nicht sein. Die dritte Liga wird uns noch viel Freude bereiten, egal wozu es am Ende tabellarisch reichen sollte. So viele tolle Fahrten stehen uns bevor und bei aller gerade angesprochenen Kritik hat auch die Mannschaft einige hoffnungsvolle Ansätze gezeigt. Nur weil die halbe Liga Aufstiegsambitionen hat, heißt das im Umkehrschluss nicht, dass sie jeweils auch gerechtfertigt sind. Der Hype um die „stärkste dritte Liga aller Zeiten“ ist vielmehr durch die klangvollen Vereinsnamen als durch das sportliche Potenzial dieser begründet.

Daher würde es uns einfach mal gut tun erstmals seit dem Sieg gegen Duisburg (3:2, 18. März, Spieltag 27) wieder ein Spiel zu gewinnen. So könnten wir alle einmal durchpusten und die neuen Jungs spüren, wie geil es sein kann, sich nach einem Sieg zurecht von der Kurve feiern zu lassen. Die nächste Chance bietet sich Samstag um 14:00h. Falls das wieder nichts wird, sollte unser Geduldsfaden das auch noch durchstehen. Anschließend hauen wir einfach den von Rainer Zobel trainierten Lüneburger SK Hansa im Niedersachsen-Pokal weg und holen den Uh! Uh! EFA-CUP.

Wenn wir mal am Boden sind, stehen wir auf und kommen wieder… Lang lebe die Eintracht!

Autor

Moritz Fischer