Das Fazit

Beitrag von | 03.Juni 2015 | Kategorie: Thekenexperten
Thekenexperten

Nun ist die Saison schon wieder vorbei. Während die letzten Wettbewerbe noch ihre Titelträger ermitteln, hat beim Löwenrudel längst die Sommerpause Einzug gehalten. Für die Verantwortlichen der Eintracht heißt das: Spielerscoutings auswerten, Gespräche mit den Spielerberatern dieser Welt führen und Verträge aushandeln. Das Fanlager dagegen darf an den Poolanlagen Südeuropas, auf Balkonien oder wo auch immer dem Übergangszeitvertreib eines jeden Fußballanhängers nachgehen und fleißig spekulieren. Spekulieren über mögliche Neuzugänge, über anzustrebende Ziele für die kommende Spielzeit, über die Konkurrenz.

Wie sich dieser alljährliche Zyklus bei den Eintracht-Fans vollzieht? Das mag sich individuell unterscheiden. Im Ausklang der Punktrunde 2014/2015 war vielfach zu vernehmen, dass sich ein großer Umbruch abzeichnen würde, der wie ein Damoklesschwert über der Hamburger Straße schwebe. Ist dieser Neuaufbau aber wirklich so groß, wie er im Vorfeld von mancher Seite gemacht wurde? Nein. In seiner Essenz wird der Leistungskern der Blau-Gelben voraussichtlich erhalten bleiben. Jene Akteure, die den Verein definitiv verlassen, haben ohnehin keine tragenden Rollen mehr gespielt. Und sein wir ehrlich: Den gehobenen Ansprüchen, die in jüngerer Vergangenheit im Umfeld der Eintracht erwachsen sind, können die gemeinten Spieler wohl kaum noch gerecht werden. Man möchte sich möglichst verbessern – und dazu gehört es auch zu erkennen, welcher Teil des Kaders einer Optimierung zuträglich ist und an welcher Stelle man nachbessern sollte.

Muss bei der Suche nach sportlichem Fortschritt deshalb grundsätzlich in die Ferne geschweift werden? Nein – zumindest nicht zwangsläufig. In der eigenen U19 beispielsweise schlummert enormes Potential. Nehmen wir einmal Spielgestalter Eros Dacaj. In der abgelaufenen Saison der A-Junioren-Bundesliga hat der 18-Jährige überragende Regie im Mittelfeld der Junglöwen geführt. Seine starken Leistungen manifestieren sich auch in der Statistik: In 20 Einsätzen kam Dacaj auf 13 Tore und zehn Vorlagen. Der von so vielen kläglich vermisste „Zehner“ sitzt somit womöglich bereits vor der eigenen Haustür und wartet auf Einlass. Dazu kommen die U19-Nationalspieler (ja, wir haben in Braunschweig tatsächlich zwei U19-Nationalspieler) Niko Kijewski und Julius Düker. Letzterer ist von Torsten Lieberknecht bereits zu den Profis befördert worden – Linksverteidiger Kijewski wartet noch auf ein Arbeitspapier.

Um Freunden „gestandener“ Profis prophylaktisch den rhetorischen Wind aus den Segeln zu nehmen: Diese Ausführung soll keinesfalls bedeuten, dass die Blau-Gelben demnächst bitte einen Kader ins Rennen schicken sollen, in dem die Hälfte der Spieler gerade einmal über einen Probeführerschein verfügt. Ganz im Gegenteil: Die Mischung macht’s. Und diese jungen Fußballer werden ihren Weg ins Profitum finden – ob in Braunschweig oder andernorts. Momentan hätte man bei Verhandlungen wahrscheinlich noch einen strategischen Vorteil gegenüber außenstehenden Interessenten, die ihre Fühler früher oder später nach den Talenten ausstrecken werden.

Zurück zur Mischung. Mit Adam Matuschyk, Phil Ofosu-Ayeh und Patrick Schönfeld haben die Löwen schon drei Verpflichtungen getätigt, alle haben sich im Profifußball bereits ihre ersten Sporen verdient. Wenn die Vereinsspitze jetzt weiterhin gewillt ist, ein wenig Geld in die Hand zu nehmen, gibt es kaum Gründe, diesen „Umbruch“ als Bremse auf dem Weg nach oben anzusehen, auch – vielleicht sogar erst recht – wenn das Team zusätzlich mit jungen Eigengewächsen aufgefüllt wird.

Wäre all das genug, um im Jahr 2016 mit Gewissheit an das Tor zur Bundesliga klopfen zu können? Auch diese Frage muss vorerst verneint werden. Zu stark ist die Konkurrenz. Zwar gingen mit Freiburg und Paderborn die vermeintlich schwächsten Vereine als Verlierer aus dem so spannenden Abstiegsrennen des Oberhauses hervor, mit Nürnberg, Kaiserslautern, Düsseldorf und Karlsruhe gibt es aber weitere traditionell hartnäckige Widersacher, die sich stets zu Höherem berufen fühlen. Des Weiteren ist da ja noch ein gewisser Club aus Ostdeutschland, der mit aller (finanzieller) Macht versuchen wird, die Schallmauer Bundesliga schnellstmöglich zu durchbrechen. Abgesehen davon ist auch der „Darmstadt-Effekt“ – gemeint ist ein Überraschungsanwärter, der sowohl die eigenen als auch die Erwartungen aller anderen übertrifft – in die Kalkulation mit einzubeziehen.

Aber all das ist zu diesem Zeitpunkt selbstverständlich reine Spekulation. In diesem Sinne wünsche ich allen Eintracht-Fans eine erholsame Sommerpause und fröhliches Spekulieren.

Autor

Tobias Feuerhahn