Lage der Eintracht

Pokalpause: Nachtreten, durchatmen, weitermachen

Beitrag von Moritz Fischer | Kategorie: Lage der Eintracht

An diesem Wochenende wird der DFB-Pokal gespielt, wofür sich die Hälfte der Drittligisten größtenteils über die jeweiligen Landespokale qualifiziert hat. Unsere Eintracht gehört nicht dazu, weil sie eben dort frühzeitig ausschied, da leider auch das Duell gegen den SV Drochtersen/Assel in die Amtszeit unseres ehemaligen Trainers Henrik Pedersen fiel. Man kann mit den Spieltagsansetzungen auch schließlich nicht immer Glück haben.

Positiver Nebeneffekt im Nachhinein war dann aber sicherlich, dass seine Gnadenfrist nicht über das darauf folgende 2:2-Unentschieden zu Hause gegen die Sportfreunde Lotte in allerletzter Minute hinausging, wozu neben der ernüchternden Niederlage eine Woche zuvor in Meppen auch das Ausscheiden im Niedersachsenpokal unter der Woche beitrug und Pedersen letztendlich, wobei die Betonung auf endlich liegt, entlassen wurde.

Seit dem 20.06. diesen Jahres ist der Däne nun Trainer bei Strømsgodset IF in Norwegen und hat auch diesen Verein nach einem satten Punkt aus fünf Spielen sensationell auf den letzten Tabellenplatz geführt, obwohl er die Mannschaft nicht mal selbst zusammengestellt hat.

Das bringt uns herzlich wenig und ändert auch nichts daran, dass eben nicht Eintracht Braunschweig sondern Drochtersen/Assel vor ausverkauftem Haus gegen Schalke 04 spielt. Wenn man sich nun aber die Situation vor zehn Monaten vor Augen führt und sieht, wo unser Verein heute steht, verfliegt der Unmut relativ schnell.

Eintracht steht tabellarisch auf einem ordentlichen Rang vier, in Schlagdistanz auf die Aufstiegsplätze und hat drei der insgesamt vier Spiele unter Neu-Coach Christian Flüthmann gewonnen. Selbst wenn die Mannschaft auf dem letzten Platz stünde, wäre das immer noch in jedem Fall besser als die Tabellenführung in der Regionalliga Nord, sodass nach dem Herzschlagfinale der vergangenen Saison zunächst kein klares Saisonziel ausgegeben wurde.

Mit dieser Bescheidenheit ging es also in die neue Spielzeit und alle wollten weniger reden und mehr machen, denn an dem umgekehrten Modell (viel reden, wenig machen) hat sich bereits unser dänischer Ex-Coach versucht. Aus einer Bierlaune heraus und nach zwei bis drei Kurzen „Aquavit“ über den Durst nannte er als Einziger aller Drittliga-Trainer gegenüber liga3-online offensiv den eigenen Verein als Aufstiegsavoriten. Das Ende ist bekannt.

Wie an dieser nun anderen Herangehensweise als auch an zahlreichen, bereits in der letzten Saison getroffenen Entscheidungen der Verantwortlichen merkt man, dass im Verein ein Lernprozess stattfindet. Diese überlegten Entschlüsse machen sich im Punktestand bemerkbar und sorgen dafür, dass man der Zukunft unseres Vereins wieder optimistisch entgegenblicken kann. Es ist wieder Ruhe eingekehrt.

Auf der anderen Seite muss man sich nichts vormachen und kann gerade an den Verpflichtungen von Kobylanski und Proschwitz im diesjährigen Sommer indirekt ablesen, was hinter den Türen gemunkelt wird. Natürlich muss es mit diesem Kader das Ziel sein, aufzusteigen aber nichtsdestotrotz ist es der richtige Weg, nach dem letztjährigen Totalausfall erstmal kleine Brötchen zu backen.

Man sieht nicht nur bei uns sondern auch beim TSV 1860 München, beim KFC Uerdingen oder dem 1. FC Kaiserslautern, wo die Investoren gerne mal von der Champions League sprechen, dass irgendwelche rausposaunten Parolen in den meisten Fällen gar nichts zu bedeuten haben und vorallem sportlich nicht weiterhelfen, meistens bewirken sie eher das Gegenteil.

Für die kommenden 34 Spiele hat unsere Mannschaft trotz der bisher erfolgreichen Punkteausbeute noch viel Luft nach oben. Unsere beiden Auswärtsspiele spielten wir beide souverän herunter, wobei uns zu Gute kam, dass sich sowohl der Club aus Magdeburg als auch der immer noch punktlose FC Carl Zeiss Jena nach beachtlichem Umbruch immer noch in der Selbstfindungsphase befinden und uns nicht wirklich ernsthaft gefordert haben. Jena brachte nicht einen gefährlichen Ball aufs Tor und Magdeburg profitierte von zwei Geschenken unserer Defensive.

Das erste Heimspiel gegen Sechzig haben wir dann ebenfalls gewonnen, hätten uns nach dem Spielverlauf aber auch über einen Punkt nicht beschweren können. Gegen Duisburg wurden uns dann zum ersten Mal so richtig die Grenzen aufgzeigt und die einzige kleinere Kampfansage, die öffentlich seitens der Mannschaft nach außen kommuniziert wurde, dass wir nun eine „Heimmacht“ werden wollen, verpuffte relativ schnell.

Ein Blick in der Tabelle nach oben zeigt, dass Ingolstadt bereits in der Liga angekommen ist, Lieberknecht seine Zebras (eindrucks-)voll im Griff hat und beim Halleschen FC unter Torsten Ziegner weiterhin attraktiver ‚Öffensivfüßball‘ gespielt wird. Auch unter uns tummeln sich mit Rostock, Magdeburg, Würzburg oder dem 1. FC Kaiserslautern einige Mannschaften, die ebenfalls berechtigte Aufstiegshoffnungen haben. Es wird also nicht einfacher.

Wenn wir also schon die ganze Liga verarschen und für uns behalten, dass wir natürlich aufsteigen wollen, sollten wir in der Tat gerade zu Hause so schnell wie möglich ein anderes Gesicht zeigen, um das Ziel dann auch still und heimlich zu erreichen. Denn bei aller eingekehrten Ruhe vergessen wir nicht, in welcher Liga unsere Zweite dieses Jahr antritt, dass unser Scout Dirk Fischer erst kürzlich entlassen wurde und bei einer weiteren Spielzeit in der Drittklassigkeit kaum mehr Mitarbeiter eingestellt werden, geschweige denn nochmal so Granaten wie dieses Jahr geholt werden könnten. Im Gegenteil.

Fakt ist, dass wir an diesem Wochenende nicht aus dem Pokal fliegen werden und somit das Recht haben, uns über jeden Favoriten lustig zu machen, der sich eben doch blamiert. Danach wartet auf dem Betze dann der nächste Brocken auf unsere Truppe, die dann aber wieder das Gesicht der ersten drei Spieltage zeigt und somit gute Chancen hat, einen Punkt oder mehr nach Braunschweig zu entführen.

Es kommt auf den Auftritt an, der gegen den MSV Duisburg zuletzt sollte eine absolute Ausnahme sein und hat ein Stück weit an die Zeit unter Henrik Pedersen erinnert, dem wir an dieser Stelle natürlich abschließend nichts anderes als die Weltherrschaft mit Strømsgodset IF wünschen.

Da die Begriffe ‚Eintracht‘ und ‚Heimmacht‘ derzeit ähnlich zusammenpassen wie ‚VW-Arena‘ und ‚ausverkauft‘,  sollte das kurzfristige Ziel vielleicht erstmal „Wir wollen uns in jedem Heimspiel zerreißen“ lauten. Dadurch würde der Erfolg von ganz alleine kommen und der Mannschaft wäre selbst im Falle einer Niederlage nichts vorzuwerfen, wenn sie ihr Ziel erreicht. Nun haben die Jungs bereits in Lautern die Gelegenheit eine Reaktion zu zeigen und werden die „roten Teufel“ beim Schopfe packen.

Blau-Gelb stürmt voran!

Die fehlende Wertschätzung eines Ehrenmannes

Beitrag von Moritz Fischer | Kategorie: Lage der Eintracht

Unser Trainer André Schubert wechselt zur kommenden Saison zu Holstein Kiel. Die Kehrtwende seiner Aussage und der damit verbundene Abschied ist ein Sinnbild seines Werdegangs. Mit vielen Vereinen, die er trainierte, war er in kurzer Zeit sehr erfolgreich, genauso schnell aber auch wieder verschwunden. Es ist nicht leicht, an ihn heranzukommen, da er eben kein nahbarer Typ ist, sondern lieber auf Distanz geht.

In der Dokumentation „Trainer“ betonte er, dass er sich alles durch harte Arbeit selbst verdient habe. Er war kein großer Fußballer, der dicke Autos fuhr und schon in jungen Jahren finanziell ausgesorgt hatte. Er spielte selbst aktiv in Rothwesten, Wolfsanger, Lohfelden, Vellmar und Baunatal, zudem zahlte er sein Studium aus eigener Tasche. Heute darf er trotzdem im Managermodus mitspielen, tat das sogar schon in der Champions League. Weiterlesen

Augen zu und durch

Beitrag von Moritz Fischer | Kategorie: Lage der Eintracht

Mal verloren wir, mal gewannen die Anderen. So verliefen die meisten unserer Spiele im vergangenen Jahr bis zum fulminanten Auswärtssieg in Cottbus. Beim Gastauftritt in Tschechien gewannen wir durch ein von uns bärenstark herausgespieltes Eigentor der Lausitzer mit 1:0. Anschließend nahm der Eintracht-Zug richtig Fahrt auf, so luchsten wir auch dem Team der Stunde in Karlsruhe einen Punkt ab. Damit sind wir seit dem 0:3 in Münster am 26.11. ungeschlagen und sogar Tabellenerster, wenn man die Tabelle dreht. Es ist alles doch eben nur Ansichtssache. Weiterlesen

Schwedische Qualität gegen die Verunsicherung die

Beitrag von Moritz Fischer | Kategorie: Lage der Eintracht

Da haben wir vor zwei Wochen ja schon wieder fast gewonnen und am Ende leider doch erneut verloren. Dass der Weg in die Europa League steinig ist, war uns allen vor der Saison klar. Jedoch konnte man nicht ahnen, dass wir den 55 anderen Mannschaften, die in den ersten drei deutschen Profiligen mittlerweile vor uns stehen, so viel Vorsprung gewähren. Wieder präsentierte sich unser Team gegen Uerdingen als äußerst gastfreundlich und ließ sich nicht lumpen, die beiden Geschenke zum Tore schießen, mit Schleife zu verpacken.

Zunächst war es Becker, der wie gestochen nach vorne rannteund dem erst nach seinem Ballverlust wieder eingefallen ist, dass er ja eigentlich als Rechtsverteidiger aufgestellt wurde. Auch der Rest des Defensivverbunds schien in dieser Situation gedanklich ganz woanders und konnte wie so oft keinen Druck auf den Ball ausüben. 0:1.

Danach war es dann Vertretungskapitän Felix Burmeister, der eigentlich selbst auf das Tor von Lukas Kruse schießen wollte, sich in Anbetracht der weiten Distanz dann aber doch für einen perfekt getimten Steilpass in den Lauf von Ali Ibrahimaj entschieden hat, der den Ball dankend im Netz unterbrachte. 0:2.

Philip Hofmann schoss anschließend einen Elfmeter, für den jeder 46-jährige Kreisliga-Stürmer unverzüglich ausgewechselt worden wäre. Drei Minuten später pustete David Sauerland dann auch noch unsportlicherweise den Krefelder Sechser Tanju Öztürk an, der mit so viel Gegenwind im Eintracht-Stadion einfach nicht gerechnet hat undanschließend böse aufs Steißbein fiel. Gute Besserung nochmal an dieser Stelle. Das Spiel war spätestens zu diesem Zeitpunkt endgültig gegen uns gelaufen.

Schubert betonte nach dem Spiel, dass er mit der Defensivleistung „bis auf wenige Aussetzer“ insgesamt zufrieden gewesen sei. Dieser Aussage kann man nichtkomplett widersprechen, da sich Uerdingen tatsächlich keine Chance herausgespielt hat. Allerdings wirft sie auch eine ziemlich grundsätzliche Frage auf: Was ist eine zufrieden stellende Leistung?

Die Mannschaft hat unter Pedersen und jetzt auch unter Schubert wirklich gute Ansätze gezeigt. Man denke nur an das Spiel gegen Osnabrück, die druckvolle Anfangsphase in Großaspach oder zuletzt an die erste halbe Stunde gegen den KFC Uerdingen. Die Chance, sich auf lange Sicht von unten abzusetzen, besteht darin, über mehrere Spiele zu punkten.

Damit das gelingt, dürfen die einzelnen Phasen während eines Spiels aber weniger auseinander klaffen, sodass unsere Jungs erstmal innerhalb der neunzig Minuten konstanter auftreten. Bis zum Gegentor sieht das zwar immer ganz nett aus, sobald es dann aber wieder zum Rückschlag kommt, erholt sich die Truppe nicht davon. So war es auch in Großaspach im Auswärtsspiel zuvor. Sogar unter Pedersen in seinem Schicksalsspiel gegen Lotte, das ihm letztlich seinen Jobkostete, nach dem 1:2 ebenfalls. Nur gegen Osnabrück machte die Mannschaft nach jedem Gegentor einfach munter weiter und es gelang ihr, der besten Abwehrreihe der Liga drei Tore einzuschenken. Insgesamt fingen wir trotzdem selber vier satte Kirschen und gingen wieder mit leeren Händen vom Platz.Das wirft die nächste Grundsatzfrage auf: Sind diese individuellen Totalaussetzer der mangelnden Qualität oder dem Kopf zuzuschreiben?

Ein großer Hoffnungsschimmer ist natürlich die Rückkehrunseres schwedischen Knipsers Christoffer Nyman, vielleicht sogar in die Startelf. Man konnte bei seinem Kurzeinsatz zuletzt schon erkennen, dass dieser Mann eigentlich viel zu gut ist für die dritte Liga. Obwohl der Zeitpunkt der Einwechslung, als wir bereits mit zwei Toren zurücklagen, für ihn sicherlich ziemlich undankbar war, zeigte er ansatzweise schon seine Qualität, was auch Stefan Krämer nach dem Spiel beeindruckte.

Die Verunsicherung innerhalb der Mannschaft hat auch unser neuer Mann an der Seitenlinie nicht aus den Köpfen herausbekommen. Das hat spätestens der letzte Heimauftritt gezeigt. Trotzdem war Blau-Gelb in der ersten halben Stundeerneut besser als die nominell stärker aufgestellten Krefelder und erst das Gegentor brachte uns auf die Verliererstraße.Mittlerweile wird unserem Löwenrudel grundsätzlich die Qualität abgesprochen, etwas reißen zu können und einige sprechen schon von einem „Wunder“, wenn wir die Klasse doch noch halten sollten. Das ist völliger Unfug, denn die Saison ist noch lang.

Nun kommt mit Nyman einer zurück, der der Mannschaft Halt geben kann. Klar ist aber natürlich auch, dass er Preußen Münster nicht alleine aus dem Stadion schießen kann. Vielleicht ist er aber genau der Faktor, der für ein positives Endergebnis am Montagabend sorgt, da er der Mannschaft in Phasen der Hektik genau die Ruhe gibt, die sie benötigt. Über seine Torgefährlichkeit darüber hinaus brauchen wir nicht zu diskutieren, die hat er in den letzten Jahren bewiesen. Damit stellt sich aber die nächste Grundsatzfrage: Kann noch mehr Qualität ein Mittel gegen das Kopfproblem sein?

Wenn es dort oben also einen Fußballgott gibt, dann meint der es mit uns zurzeit nicht gut. Um aber alle zu beruhigen, den gibt es laut Wikipedia nicht. Dort steht nämlich:

„Gerade weil es im Fußball öfters zu knappen und unerwarteten Siegen oder Niederlagen kommt, sehen sich Sportmoderatoren, Trainer, Spieler, Club-Verantwortliche und Fans in der Kürze der Zeit in Erklärungsnot und schieben die Verantwortung für den Spielausgang unter anderem dem Fußballgott zu.“

Da diese Ausrede nun anscheinend auch nicht gilt, liegt es mal wieder an der Mannschaft beziehungsweise die Wahrheit am Montagabend im Preußenstadion auf’m Platz. Nur Siege können wieder ein wenig Ruhe einkehren lassen und die haben wir bitter nötig. Kein Druck, aber Totte wird’s schon regeln.

Braunschweig gibt nicht auf!

Die Gefühle haben Schweigepflicht

Beitrag von Moritz Fischer | Kategorie: Lage der Eintracht

„Ein Spiel dauert 90 Minuten und am Ende gewinnen die Deutschen“ hat der ehemalige englische Nationalspieler Gary Lineker einst gesagt. Das Spiel gegen den Spitzenreiter aus Osnabrück demonstrierte allerdings die mittlerweile bei uns Einzug gehaltene Fußballweisheit „Ein Spiel dauert neunzig Minuten und am Ende verliert die Eintracht“, wobei es nach diesem Spiel und dem betriebenen Aufwand unserer Jungs eigentlich nur einen Sieger hätte geben dürfen. Eigentlich. Am Ende brachte uns das Spiel trotz des guten Auftritts aber genauso viel wie die deutlichen Niederlagen in Haching und Meppen: gar nichts. Weiterlesen