Blau-Gelbe Ehrensache

Beitrag von | 29.September 2018 | Kategorie: Lage der Eintracht

Ein ergaunerter Heimsieg gegen Carl Zeiss Jena und ein glückliches Unentschieden bei der „Mannschaft der Stunde“in Würzburg sollten die Wende einleiten. Endlich lieferte die Truppe mal wieder Ergebnisse. Den jungen Löwen taten die vier von möglichen sechs Punkten gut und sie konnten zumindest ein wenig Selbstbewusstsein tanken.

Amvergangenen Dienstagabend ergab sich dann gegen den 1. FC Kaiserslautern die Chance, der ordentlichen Punkteausbeuteauch eine überzeugende Leistung folgen zu lassen. Diese wurde nicht genutzt, Endstand 1:4! Der Selbstbewusstsein-Tank steht nun wieder auf „Reserve“. Das tat wieder mal ziemlich weh. Es ist also zurzeit nicht einfach, den Kopf oben zu behalten. Oder etwa doch?

 

Der Jubel über den ersten Heimsieg seit knapp einem halben Jahr war riesig. Das Spiel zeigte, dass in der Löwenstadt keiner Kombinationsfußball vom Allerfeinsten verlangt, sondern eine Truppe, die über 90 Minuten ihren Arsch für unseren BTSV hinhält. Der vielleicht größte Faktor, warum es dazu gekommen ist, war natürlich unsere Nummer 17: YariOtto. Gestern noch Gesicht des „Brandt-Markenzwiebacks“ und auf einmal das personifizierte Bild der einträchtigenWiederauferstehung. Was ein Pfundskerl! Er zeigte genau das, woran es ALLEN in Mannschaft und Umfeld mangelt: Freude an der Sache.

 

Zugegeben, der sportliche Status Quo liefert kaum Grund zu solcher. Allerdings sind sämtliche Situationen nur so schwer, wie man sie sich selber macht. Der Umgang mit Krisen und einhergehender Erfolglosigkeit kann entweder der Schlüssel zum Erfolg sein, im Umkehrschluss aber genauso zur stetigen Verschlimmerung beisteuern. Wichtig und schwer ist es dabei, nüchtern in der Beurteilung zu bleiben. Weg von dem Gedanken: Grauzonen gibt es nicht, entweder ist es gut oder schlecht, frei nach dem Motto: Bad news are good news. Das bringt gar nichts.

 

Denn sind wir mal ehrlich. Natürlich waren das keine fußballerischen Offenbarungen, die die Mannschaft zeigte. Aber insgesamt waren wir alle am Ende zufrieden, weil es endlich wieder Punkte gab. Das anfangs erwähnte Vorhaben, endlich auch mal überzeugend und vor allem selbstbewusst zu spielen, ging in der ersten Halbzeit am Dienstag auf. Der einzige Grund, dass es nicht zur Halbzeit-Führung gereicht hat, war abermals unser Torwart. Vielleicht sollte unser Co-Trainer ihm seinen Stöpsel ins Ohr stecken, damit er gewarnt werden kann, wenn ein Schuss aufs Tor kommt und Mello somit genug Reaktionszeit hat. Davon braucht er anscheinend ziemlich viel. Allen anderen zehn auf dem Platz ist in dieser Situation nicht sonderlich viel vorzuwerfen. Unglücklich ging es dann in Halbzeit zwei weiter, als der bis dahin wirklich gut aufspielende Malte Amundsen den Ball ohne große Bedrängnis über die eigene Linie bugsierte. Die doppelte Portion Slapstick und Überforderung.

 

Damit bin ich dann bei unserem Umgang mit der Situation: können wir bei vier von möglichen sechs Punkten zuvor und zwei Eiertoren, die beste Chancen haben, von Arnd Zeigler(WDR) zum „Kacktor des Monats“ gekührt zu werden, der Mannschaft so viel vorwerfen? Den ersten kapitalen Schnitzer so gut wegzustecken und trotzdem als besseres Team hervorzugehen, zeugt sogar von großer Stärke innerhalb der Mannschaft.

 

Das Eigentor war dann zu viel des Guten und das Spiel eigentlich schon gelaufen. Die Mannschaft zeigte keine Reaktion und konnte sich von diesen unbegreiflichen Rückschlägen nicht erholen. Da sind wir dann bei dem Umgang der Mannschaft mit der Situation, die sich zweifelsohne nicht so apathisch von den ebenfalls mehr als nur kriselnden Pfälzern vorführen lassen darf. Da spielte dann erneut der Kopf die übergeordnete Rolle, was auch davor immer wieder als Grund für die schlechten Leistungen angeführt wurde. Auch in diesem Spiel.

 

Dieses mentale Problem ist mittlerweile dann schon eine Frage der Einstellung geworden. Wie eben aufgeführt: nach zwei zumindest „guten Ergebnissen“ und einer „guten Leistung“ bis zum zweiten individuellen Totalausfall sollte man das durchaus einschätzen können. Aber dass es überhaupt zu diesen Schnitzern kommt, liegt daran, dass die Spieler ihre Aufgabe einfach zu schwer angehen.

 

Zurück zu Yari Otto. Der Junge hat einfach gemacht, wenig nachgedacht und sich von der Stimmung hochziehen lassen. Bei ihm hatte man das Gefühl, dass er einfach Bock hat, für diesen großartigen Verein vor so viel Leuten zu kicken, womit er ein Paradebeispiel für seine Mitspieler sein sollte. Diese große Bühne ist unsere Mannschaft natürlich nicht gewohnt, aber alles in allem sollte es für sie eine blau-gelbe Ehrensache sein, für unseren Verein zu spielen.

 

Nun spannen wir den Bogen wieder zurück zu uns. Morgen reisen wieder 1300 positiv Bekloppte inklusive mir in die Metropole Meppen. Auch da wollen wir alle einfach nur eine geile Auswärtstour und Spaß haben und unseren Verein dabei unterstützen, beim Tabellenletzten drei Punkte einzutüten. Die blau-gelbe Party-Gemeinde lässt sich schließlich generell nicht von schlechten Ergebnissen die Laune versauen, dafür sind wir sie einfach doch zu sehr gewohnt.

 

Genau wie der Spaß an der Freude gehört auch die bedingungslose Unterstützung der Mannschaft zur blau-gelben Ehrensache. Wenn wir uns darauf besinnen, das Bestmögliche zu tun, um uns persönlich den Samstag zu versüßen, indem wir den Gästeblock zur Party-Hochburg machen, wird das auch wiederum der Mannschaft helfen, mehr Leichtigkeit zu gewinnen. Mit ein wenig Selbstironie und einem donnernden „Wir fahren weit, wir trinken viel und wir verlieren jedes Spiel“ nehmen wir uns selbst viel Anspannung und Wind aus den Segeln. So ist es dann auch relativ leicht, den Kopf oben zu behalten.

 

Der Knoten wird morgen platzen und nicht der lang ersehnte Sieg gegen Jena, sondern der Schuss vorm Bug bei der 1:4-Heimklatsche gegen Lautern wird der Auslöser für den Aufschwung sein. Da bin ich mir sicher, liebe Feiergemeinde.

 

Also Jungs, es liegt an euch. Über 1000 freudetrunkene Braunschweiger werden hinter euch stehen, wenn ihr euch den Arsch aufreißt und das macht, was ihr am besten könnt: Nicht so viel nachdenken und einfach Fußball spielen! Es kann so einfach sein… Auswärtssiege sind schön. Auf geht’s, ihr Löwen!

Autor

Moritz Fischer