Der Teller, seine Portionen und darüber hinaus

Beitrag von | 04.März 2018 | Kategorie: Allgemein, Lage der Eintracht

Fußball gucken ist wie Essen gehen. Nur anders. „Ich gehe Essen.“ Ein Satz den Mesut Özils Mutter nur zu gut kennt. So verabschiedete sich ihr Schützling quasi jeden Tag, wenn er wieder zum Training fuhr. Zwischen 2000 und 2003 spielte der Gelsenkirchener nämlich in der Jugend von RWE.

Die allermeisten, die diesen Satz aussprechen, wollen sich aber einfach nur so richtig den Magen vollschlagen. Man überlegt, worauf man gerade Lust hat. Mal macht der Pizzamann das Rennen, mal holt man sich einen Döner auf die Faust. Die Entscheidung liegt bei einem selbst.Beim Fußball ist das ähnlich. Der einzige Unterschied: Man sucht sich nicht aus, was man serviert bekommt. Ein Spiel wird von Fußballlehrern nicht als Ganzes gesehen, sondern in Phasen unterteilt. Die erste Halbzeit gegen Duisburg kann man in jeder Hinsicht als „sehr gut“ bezeichnen. Dementsprechend war der Teller prall gefüllt mit kulinarischen Köstlichkeiten aus aller Welt. Gefühlt standen wir zum Pausenpfiff schon mit einem Bein im UEFA-Cup und die anfängliche Lethargie nach Wiederanpfiff wirkte zunächst wie ein Kräfteschonen für das anstehende Europapokalspiel gegen den AC Milan. War aber nicht so. Der Gang danach, die zweite Halbzeit, bescherte uns dann einmal mehr viel Kampf und dementsprechend trockenes Brot und stilles Wasser.

So hangeln wir uns schon das Jahr über von Teller zu Teller. Die Portionen, die gut schmecken, sind selten so groß wie letzten Sonntag. Darüber sollten wir uns freuen und das Trockenbrot danach einfach in Kauf nehmen. 3. Heimsieg in Folge! In der eintrachtfreien Länderspielpause haben wir nun genug Zeit einmal über den Tellerrand hinauszuschauen. Denn in dieser Woche wurde bekannt, dass die 50+1-Regel nicht abgeschafft wird. Warum das so wichtig wie heuchlerisch ist:

Die Initiative „50+1 bleibt“ mobilisierte tausende Fanclubs deutschlandweit, gemeinsam ein Zeichen zu setzen. Dagegen, dass sich der Fußball abschafft, wenn tatsächlich jeder x-Beliebige die Mehrheitsanteile eines Klubs erwerben kann. Denn je mehr Investoren mehr Geld reinpumpen, desto größer wird der Druck für alle anderen Vereine wirtschaftlich Schritt zu halten. Sie müssen wettbewerbsfähig bleiben und haben dann die Wahl: entweder lässt man sich als Klub auf geldbringende Maßnahmen ein oder man entscheidet dagegen. Kommerz gerechtfertigt durch Kommerz. Die Mehrheit der Verantwortlichen aller Bundesligaklubs hat für Montagspiele gestimmt. Man muss sich schließlich dem englischen Kommerzprimus Premier League beugen und hat ja keine Wahl, wenn man im europäischen Schwanzvergleich den Längsten haben will.

Spätestens wenn sich im Cup der Loser, aus vermarktungstechnischen Gründen „Europa League“ genannt, im Finale zwei millionenschwere Red Bull Klubs aus Leipzig und Salzburg gegenüberstehen, sollte auch dem letzten klar werden, dass die 50+1-Regel in der Form praktisch nicht mehr existent ist. Heuchlerisch ist die Kommunikation darüber hinaus insofern, dass man als Fan an der Nase herum geführt wird. Montagsspiele sollen laut DFL die Europa League Teilnehmer und den Amateurfußball entlasten, mit Geld habe das primär nichts zu tun. Komisch nur, dass man letzten Sonntag um 13:30,  zur Blütezeit des Amateurfußballs, 80.000 Leute ins Westfalenstadion und Millionen andere zahlende Pay-TV-Kunden vor die Glotze lockt, nur um 3 statt 2 Sonntagsspiele zu zeigen. Der Amateurfußball nur so: „Danke für nichts.“

Ab 2026 steigen statt 32 Mannschaften 48 Teams in den WM-Ring. Kleine Nationen sollen die Chance bekommen bei einer WM teilzunehmen. Ostfriesland und Holland malen sich schon aus, dabei sein zu dürfen. Ehrlicher wäre die Begründung gewesen, dass so einfach sowohl in der Qualifikation, in Form der UEFA Nations League und auch beim Turnier selbst, durch die höhere Anzahl der Teilnehmer, einfach mehr Spiele gezeigt werden können.

Viele Dinge laufen also schon ziemlich schief und die sollten weiterhin kritisch verfolgt werden. Wir diskutieren darüber, wie wir den Fußball „erhalten“ können. Dafür ist es eigentlich streng genommen zu spät. Die richtige Frage müsste lauten: Wie kriegen wir das alles wieder in den Griff?

Dennoch hat einmal mehr das Engagement der Fans bewirkt, dass die Regel bestehen bleibt. Die Resonanz von „50+1 bleibt“ war enorm und ein klares Zeichen an die Verantwortlichen. Das Urteil bleibt also ein kleiner Strohhalm, an dem wir uns weiterhin hochhangeln können.

Nun zurück auf den Teller: Beim Spiel in Bochum wird sich dann zeigen, was die Portion so hergibt. Hoffentlich viel, denn dann würde sich die Lage im Haifischbecken Liga zwei weiter entspannen und wir können nochmal einen gewaltigen Sprung in der Tabelle machen. Dass die aber ähnlich aussagekräftig ist, wie Christoph Daums Unschuldsbeteuerungen vor Abgabe seiner Haarprobe, sollte jedem klar sein. Auch einen Punkt nehmen wir gerne mit, denn mühsam ernährt sich das Eichhörnchen.

Reißt ordentlich Beute, Löwen!

Autor

Moritz Fischer